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Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Mein Appell an die Eltern von Trennungs-/ Scheidungskindern

Aus aktuellem Anlass, besonders aber, weil das Thema immer aktuell ist, habe ich mich entschlossen, meinen ersten Beitrag dem Thema „Kinder und deren Erziehung nach einer Trennung“ zu widmen.

Mir geht dabei so viel im Kopf herum, dass ich nicht sicher bin, ob ich alles in diesen Text packen kann.

Ich bin seit 14 Jahren alleinerziehende Mutter einer mittlerweile 17jährigen Tochter. Wir leben alleine in einem Haushalt, zum Kindsvater besteht ein normales Verhältnis. Die Besuchszeiten bei ihm sind seltener geworden, was ihr Wunsch ist und schlichtweg damit zu erklären ist, dass sie seit einiger Zeit die Wochenenden lieber mit ihren Freunden in der Disco verbringt. Das verstehe ich, genauso wie ihr Vater.

Ich will unsere Familienaufteilung nicht über den grünen Klee loben. Es hat bei weitem nicht nur Sonnentage gegeben. Dennoch war ich immer bemüht, unsere Streitigkeiten, die wir als getrennte Eltern hatten, nicht zum Anlass zu nehmen, das Kind einfach als Druckmittel einzusetzen, wenn uns etwas nicht gepasst hat.

Wobei ich beim eigentlichen Thema angelangt bin:

Mütter, die das tun. Die den Vätern die Kinder vorenthalten, die den Kindern die Väter vorenthalten. Ich unterstelle nicht in jedem Fall böse Absicht. Manchmal ist man so blind, weil man so zerstritten ist, dass man vielleicht nicht gleich sieht, was man anrichtet. Vielleicht.

Vielleicht spielt Eifersucht eine Rolle. Vielleicht Enttäuschung, Verletzungen, Wut. Es gibt scheinbar unendlich viele Variationen, wie man sich als Mutter nach einer Trennung verhalten kann.

Ich kann in erster Linie von meinen eigenen Erfahrungen berichten, als auch von denen, die ich von anderen alleinerziehenden Müttern kennengelernt habe, weil man als Singlemam nun mal mehr Kontakt mit anderen Alleinerziehenden hat, als mit „intakten“ Familien, bei denen der Vater dazu gehört.

Dabei habe ich mitbekommen, wie man sich fair verhält, genauso hat es mir in diversen Fällen fast die Schuhe ausgezogen, wenn ich sehen musste, wie manche Mütter und Väter sich verhalten und dabei aus den Augen verloren, was sie ihren Kindern damit antun.

Mir ist klar – wenn man sich trennt, hat das einen Grund, in den seltensten Fällen geht man diesen Schritt aus Liebe oder purer Freundschaft einfach mal so.
Vorausgegangen sind Streitereien, Tränen, üble Szenen. Auch bei uns war das nicht anders. Die Entschuldigung einzuwerfen, wir waren zu jung, gerade mal Mitte 20, ist dumm. Wer alt genug ist, Kinder zu machen, sollte auch alt genug sein, die Konsequenzen zu tragen, in jeder Hinsicht, auch bei einer Trennung bzw. Scheidung in diesem Alter.
Wobei wir uns beide im Rückblick doch normaler verhalten haben, als viele andere, von denen ich in den letzten Jahren gehört habe.
Bei uns gab es kein Kind als Druckmittel. Das wurde von vornherein ausgeschlossen und wir haben uns daran gehalten. Auch wenn Meinungsverschiedenheiten manchmal an den Nerven gezehrt haben.
Als eine neue Frau auftauchte, gab es kurzzeitig Probleme, die schnell beseitigt waren. Es war anstrengend, das gebe ich zu. Sie hatte wohl Angst vor der Ex, mir hat es nicht gepasst, dass sie mein Kind nicht von Anfang an auf Händen getragen hat. Das tut sie aber jetzt. Seit nun mehr 13 Jahren.
Ich bin froh, dass wir beide über unseren Schatten springen konnten und uns gut verstehen. Sie akzeptiert meine Tochter als sei es ihre eigene. Ich bin beruhigt, dass mein Kind eine gute Stiefmutter abbekommen hat. Vorbehaltlos würde ich ihr meine Tochter überlassen, sollte ich, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr dazu in der Lage sein, meine Tochter zu versorgen.

Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Wenn ein Kind den Wunsch äußert, bei einem Elternteil zu leben, beim anderen nicht, sollte das akzeptiert werden. Auch und gerade von dem Elternteil, bei dem es nicht leben will.
Auch das kam bei uns zwischenzeitlich vor.
Es hat mir fast das Herz aus dem Leib gerissen, dass meine Tochter vor einigen Jahren beschlossen hatte, lieber bei ihrem Vater leben zu wollen.
Ich hatte kurzzeitig somit die Möglichkeit, mich in die Lage versetzen zu müssen, in der sich sonst größtenteils die Väter befinden: ohne die eigenen Kinder leben müssen.
Und es war schrecklich.
Zwar hatte es sich damals nur um eine Woche gehandelt, bis sie sich entschlossen hat, doch wieder zu Mama zu kommen, dennoch war mir bis dahin nicht bewusst, was für eine Lücke ein Kind hinterlässt, wenn man es nicht jeden Tag bei sich hat, um es aufwachsen zu sehen.

Und trotzdem hätte ich sie gehen lassen müssen, wäre sie bei ihrer Entscheidung geblieben.
Was hätte ich ändern können? Sie zwingen, bei mir zu bleiben? Damit ihren Willen brechen und es soweit zu treiben, dass sie mich hasst? Was hätte ich angerichtet, hätte ich dagegen gekämpft?
Ich hätte ihre Achtung verloren, ihr Liebe und ihr Vertrauen. Ich hätte erreicht, dass sie verbittert und nur darauf wartet, von mir verschwinden zu können, sobald sie alt genug ist.
Ich bin heilfroh, dass sie sich anders entschieden hat, und ich bin heilfroh, dass ihr Vater nicht darauf bestanden hat, dass sie nun bei ihm bleibt.

Wir sind keine Engel. Wir sind keine heiligen Eltern. Aber wir zogen an einem Strang und haben unsere Streitereien wie Erwachsene geklärt.
Das kann jeder erreichen und es sollte das oberste und einzige Ziel aller Eltern sein: Das Wohl des Kindes.

Hört auf, eure Streitereien über die Kinder auszutragen!
Hört auf, eure Expartner mit den Kindern zu erpressen und eure Ziele durchsetzen zu wollen, indem ihr den Vätern die Kinder vorenthaltet (genauso natürlich umgekehrt) oder die Kinder dann abschiebt, wenn es euch gerade in den Kram passt, weil ihr Urlaub machen wollt oder sonst was!
Denkt an die Kinder und was ihr damit anrichtet! Sie bekommen jeden Streit mit! Jede Stimmung fassen sie auf und vergraben alles in ihrer Kinderseele.
Sie lieben beide Eltern und möchten nicht der Grund sein dafür, dass Mutter und Vater sich streiten. Für Kinder ist das kaum zu ertragen. Sie tragen Schäden davon, die unabsehbar sind.
So weh es tut, weil ihr verlassen wurdet, weil neue Partner im Spiel sind, oder warum auch immer ihr nicht mehr in einer Partnerschaft mit dem Vater/ der Mutter seid, ihr habt in erster Linie Verantwortung für eure Kinder! Und ihr habt verdammt nochmal euren Hass, eure Wut, eure Verbitterung mit euch selbst auszumachen und euch nicht über die Kinder am Vater oder der Mutter zu rächen!
Natürlich gehören da beide Seiten dazu.
Wenn ihr euch selbst nicht einigen könnt und die Situation zu eingefahren ist, sucht euch Hilfe. ProFamilia, Caritas, Freunde, Außenstehende (Das Jugendamt nenne ich bewusst an letzter Stelle).

Und strengt euch an! Eure Kinder werden es euch danken.

Ich habe meine Erziehung darauf aufgebaut, eine Mutter zu sein, wie ich gerne eine gehabt hätte, und das hat scheinbar funktioniert. Jeder sollte so viel Hirn haben, immer und auf lange Sicht nur an die Kinder zu denken. Was nicht mit Selbstaufgabe gleichzusetzen ist, falls mir das vorgeworfen werden sollte.

Ich erscheine parteiisch?
Natürlich bin ich das! Ich stehe grundsätzlich auf der Seite der Kinder! Sie können sich nicht wehren. Ihre Wünsche werden so oft übergangen, ihr Wohl wird übersehen.
Die Jugendämter sind überlastet, überfordert, und reagieren oft zu spät oder überhaupt nicht.

Daher bitte ich auch nochmal als allererstes an das Wichtigste zu denken: An das Wohl eurer Kinder. Allein das zählt!

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3 Gedanken zu „Mein Appell an die Eltern von Trennungs-/ Scheidungskindern

  1. Bluemchenmaria sagte am :

    Danke! ❤

  2. Sehr schön geschrieben. Ich bin ganz deiner Meinung. Die Kinder sind das Wichtigste. Wir haben sie gewollt und wir müssen für sie sorgen, bis sie ihre eigenen Wege gehen wollen bzw. müssen. Da steht die Trennung der Partner hintenan. Aber viele Trennungseltern sehen das nicht so. Leider.

  3. Was für ein großes Herz und Menschenkenntniss du doch hast! Das ist etwas ganz Besonderes…

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