nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Als ich einmal eine Depression überlebte und erst nicht wusste, dass es eine ist.

Heute geht es um ein Thema, das die Gesellschaft betrifft, und dennoch gerne, gut und oft totgeschwiegen wird.
Weil es peinlich, tragisch, in vielen Augen übertrieben oder nicht existent ist.
Nicht nur heute betrifft mich und viele andere, die ich kenne oder auch nicht persönlich kenne das Thema Depressionen.
Eine Volkskrankheit, die leider nur oder zumindest meist nur Anerkennung findet, wenn sie „Burnout“ genannt wird.
Dabei ist ein Burnout genau das: eine Depression.
So sagt auch Florian Holsboer, Arzt und einer der führenden Depressionsexperten bei einem Interview in Spiegel WISSEN, Ausgabe 1/2011 auf die Frage ob Burnout oft nur der schickere Begriff für einen Zustand sei, den er als Depression bezeichne :
“Das trifft für leichtere Depressionen zu. Es gibt aber ganz verschiedene Formen und Schweregrade der Depression. Leider ist die Diagnose Depression mit einem Stigma behaftet, immer noch. Im Begriff Burnout hingegen steckt ein Stück Schuldzuweisung an andere mit drin: Ich tue doch alles, gebe mein Bestes, erhalte aber nicht die angemessene Anerkennung dafür. Das haben Sie bei der Depression nicht.“

Doch ich sollte nicht zu weit vorgreifen.
Zwar dachte ich, ich setze einfach voraus, dass jeder weiß, worum es sich bei der Erkrankung Depression handelt, bin mir aber sicher, dass der Großteil glaubt, es handele sich um eine Geisteskrankheit. Die Gesellschaft ist nicht informiert, weil sie sich nicht interessiert.
Depressive haben nach wie vor keine Lobby.

Wo fange ich also am besten an?
Vielleicht bei mir.
Heute bin ich gesund, aber ich war genauso uninformiert, als es mich vor zweieinhalb Jahren so sehr getroffen hat, dass ich komplett ausgeknocked war und mich nicht mehr länger dagegen wehren konnte, in einer Klinik stationär behandelt werden zu müssen.
Natürlich kam das nicht von heute auf morgen.

Die Gründe, die dazu geführt haben, sind zahlreich und würden den Rahmen sprengen, tun hier auch gar nichts zur Sache. Denn eine Depression kann jeden treffen. Man muss keine schreckliche Kindheit gehabt haben, um einmal im Leben die Diagnose Depression zu erhalten. Aber man kann. Man kann auch später viele unschöne Dinge erleben, die einen krank machen.
Auslöser kann es viele geben.
Von hormonellen Störungen im Gehirn, über Veranlagung, Krankheiten, Lebensereignisse, Überlastung, etc. Man spricht dabei auch von „Vulnerabilität.“
Was bedeutet, wie anfällig bin ich für die Erkrankung? Wie gehe ich mit gewissen Ereignissen um bzw. wie verarbeite ich diese. Da jeder Mensch anders ist, ist auch sein Verhalten und sein Umgang evtl. mit Trauer oder anderen, einschneidenden Lebensereignissen anders.

Perfektionismus habe ich selbst mir am allermeisten abverlangt. Schwäche zeigen war schwach und mir unmöglich. Ich wollte unmögliches möglich machen und dabei übersehen, was leben eigentlich wirklich bedeutet. Auf Spaß habe ich verzichtet, weil ich meine Zeit dafür einsetzen musste, etwas zu leisten, zumindest größtenteils. Durch Leistung vergessen, was nicht gut war. Totschweigen sollte helfen ein normales Leben führen zu können.

Es war ein schleichender Prozess.

In diversen Phasen meines Lebens habe ich anders als normal reagiert. Ich selbst hatte das Gefühl, gebremst zu werden, nicht mehr am Leben teilnehmen zu können, wie andere das taten.
Erste medikamentöse Erfahrungen mit Psychopharmaka habe ich mit Mitte/ Ende 20 gemacht. Ich war allerdings weder über Depressionen informiert, noch habe ich die Tabletten regelmäßig eingenommen und relativ schnell wieder abgesetzt.
Zwar hatte ich einige Zeit in der Psychiatrie gearbeitet, war aber damals viel zu jung, um die Patienten überhaupt annähernd verstehen zu können. Selbst speziell geschultes Personal hat Depressive nicht ernst genommen und oft mit Unverständnis reagiert.

Durch eine Behandlung aus anderen Gründen beim Neurologen, kam die Sprache bald auf Depressionen, was von mir nicht akzeptiert wurde. Ich habe mich nicht darum gekümmert, jede Hilfe abgelehnt, erst recht, was eine Klinik anging.
Da ich eine kleine Tochter hatte, war es für mich ausgeschlossen, eine stationäre Behandlung zuzulassen. Auch dass ich das Kind hätte mitnehmen können, habe ich abgelehnt.
Weiter Funktionieren war die Devise. Nicht zuletzt, weil mein Umfeld in keiner Weise damit umgehen konnte.
Schwach. Lächerlich. Reiß dich zusammen.
Ganz besonders habe ich mich an Aussagen meine damaligen Freundes gehalten: Jeder muss sein Leben selbst im Griff haben. Hör auf, diese Scheißtabletten zu fressen. Depressionen gibt‘ s nicht, das bildest du dir nur ein.

Aber wenn ich schon selbst kein Verständnis für mich haben konnte, wie hätte ich das von anderen verlangen können?
Somit wurde der Sumpf immer tiefer.
Zwar war ich immer unendlich müde, hatte aber ein Pensum zu leisten, das einerseits kaum noch zu schaffen war, aber Ruhe gönnen konnte ich mir nicht. Selbst wenn ich sonntags mal Zeit gehabt hätte, war ich unruhig wie ein Tiger im Käfig.
Der Schlaf wurde immer schlechter. Am Ende waren nicht mal mehr 3 Stunden pro Nacht drin. Nicht am Stück, versteht sich.
Der Appetit ging erheblich zurück und somit auch mein Gewicht. Ich wurde kraftloser und schwächer.
Mich zu konzentrieren war fast unmöglich, ich konnte meine Arbeit kaum noch schaffen.
Oft hatte ich das Gefühl, als sitze ich in einem Karton und sehe nur noch durch einen Schlitz nach draußen.
Ich habe mein Spiegelbild nicht mehr ertragen und mich selbst mit jedem Gedanken abgelehnt. Freude war unmöglich. Überhaupt waren Gefühle jeder Art mir fremd geworden.
Aktiv an Suizid dachte ich zunächst nicht.
Ich hatte zu funktionieren. Wozu war mir allerdings nicht mehr ganz klar. Der einzige Grund war, meine Tochter soweit zu bringen, dass sie sich irgendwann selbst würde versorgen können.
Zukunftsaussichten für mich hatte ich keine mehr.
Wie lange sich dieser Zustand hinzog, kann ich nicht mehr genau sagen. Monate jedenfalls.
Schließlich habe ich einen Termin beim Arzt vereinbart. Darauf sollte ich über 4 Wochen warten müssen.
Doch ich hatte spät reagiert.

Mit der Aussicht auf den baldigen Arzttermin habe ich mich weiter zur Arbeit geschleppt. Ich konnte mich kaum noch wach halten. Falls ich überhaupt irgendetwas gegessen habe, habe ich es erbrochen.
Mein Gesicht war wie gelähmt, ich hatte keine Mimik mehr.
Meine Bewegungen waren verlangsamt, obwohl ich innerlich furchtbar unruhig war. Ich hatte dabei dennoch das Gefühl, als bewege ich mich in Zeitlupe.
Wortfindungsstörungen kamen hinzu. Ich vergaß alles.
Anstatt auf die Warnsignale zu reagieren, bin ich nach der Arbeit durchs Haus gelaufen und habe versucht, Gedichte auswendig zu lernen, um mein Gedächtnis zu trainieren. Es hat nicht mehr funktioniert, ich war am Verzweifeln. Und ich dachte, so muss es sich anfühlen, wenn man verrückt wird.
Und was tue ich meinem Kind an, das mit einer irren Mutter aufwachsen muss!
Es wäre doch besser, sie müsste das nicht mehr mit ansehen.

Stunden habe ich versucht, abzuwägen, was besser für meine Tochter ist.
Ein Leben ohne mich, bei ihrem Vater, der gesund ist und lebensfroh, der ihr eine Familie bieten kann oder eine verrückte und kranke Mutter, die keine Kraft mehr hat, sich um sie zu kümmern, wie das sein muss.

Bis mir ein anderer Gedanke kam: Willst du, dass dein Kind dich hasst, weil du sie allein gelassen hast? Wie soll sie damit fertig werden, dass ihre Mutter sich umgebracht hat? Vielleicht stürzt du sie damit ins gleiche Unglück!

Erschöpft bin ich irgendwann eingeschlafen.
Und konnte einige Stunden später plötzlich nicht mehr aufstehen.
Ich war wie gelähmt. Wie lange ich gebraucht habe, ins Bad zu kriechen, weiß ich nicht mehr.
Dort bin ich auf dem Fliesenboden erneut eingeschlafen.
Die wenige Kraft, die ich aufbringen konnte, konnte ich nutzen, um meinem Arbeitgeber Bescheid zu geben, dass ich krank bin und er nicht so bald mit meiner Rückkehr rechnen sollte.
Und dafür mich bei der Hexe von Sprechstundenhilfe um einen Notfalltermin bei meinem Arzt zu kümmern. Erst als ich in Tränen ausgebrochen bin, lies sie zu, dass ich sofort vorbeikommen konnte.
Die Worte des Arztes bei meinem Anblick habe ich nicht vergessen: „Wie sehen Sie aus?! Hier reicht eine Blickdiagnose. Und jetzt gehen Sie in eine Klinik, ich will keine Widerworte mehr hören.“
„Ich will weg. Ich kann nicht mehr. Dieses Mal schaffe ich es nicht mehr alleine.“

Wir haben eine Klinik ausgesucht und glücklicherweise konnte ich schon 14 Tage später eingewiesen werden.
Ich hatte mich darauf eingelassen, stationär behandelt zu werden und war damit einverstanden, allerhöchstens 3 Wochen, die Zeit, in der meine Tochter die Sommerferien bei ihrem Vater verbringen würde, dort zu bleiben.

Aus drei Wochen wurden 20.
Und diese Zeit sollte mit die beste Zeit in meinem Leben werden. Auch wenn ich das bis dahin noch nicht wusste.

Scham wie die ganzen Jahre davor, habe ich zu dem Zeitpunkt als ich in die Klinik kam, nicht mehr empfunden.

Nach Startschwierigkeiten, die normal zu sein scheinen, hatte ich mich eingelebt.
Erst wollte ich nicht essen und nicht am Programm teilnehmen, ich wollte nach Hause. Hier gehörte ich nicht hin.
Mir wurden Fragen gestellt. Was ich gerne mache. „Weiß nicht.“ Wann haben Sie zuletzt etwas getan, was Ihnen Spaß macht? „Weiß nicht.“
Was sind Ihre positiven Eigenschaften? „Weiß nicht.“
In den ersten Tagen ließ man mich noch in Ruhe.
Ich lernte also zuerst andere Patienten kennen und war überrascht, dass es noch viel mehr Menschen gab, die das gleiche Problem hatten, wie ich. Die das gleiche dachten.
Es war wie ein Aufwachen. „Ich bin gar nicht alleine verrückt.“

Zur Pflicht der Patienten gehörte es, an Schulungen zum Krankheitsbild teilzunehmen.
Während wir in Vorträgen verständlich darüber aufgeklärt wurden, was eine Depression ist und wodurch sie ausgelöst werden kann, habe ich Rotz und Wasser geheult, weil mir klar wurde, was mit mir nicht stimmte. Und dass ich nichts dafür konnte, dass es mich getroffen hat.
Dass eine Depression eine potenziell tödliche Krankheit ist, und dass ich kurz davor gewesen war, diesen Kapf zu verlieren.
Ich wollte mich nun einzig und allein darauf konzentrieren, mehr zu erfahren und gesund zu werden und mich nicht weiter dagegen wehren, mir helfen zu lassen. Durch all die Schulungen und Informationen war ich  nun aufgeklärt genug, die Krankheit anzuerkennen und damit umzugehen, mich nicht mehr zu verstecken.
Einzig mein Kind wollte ich schützen. Daher habe ich ihr freigestellt, mit ihren Freunden darüber zu reden oder nicht. Ich wollte nicht, dass sie mit einer irren Mutter aufgezogen und geächtet wird.
Beim ersten ihrer Besuche in der Klinik war auch diese Angst schnell beseitigt.
Durch die Offenheit, mit der sie den anderen Patienten begegnete, hat sie uns allen geholfen.

Unter der Käseglocke wurde mir in der Klinik jede Verantwortung abgenommen. Das kannte ich nicht. Und es war eine Erleichterung. Ebenso die Therapie. Egal, ob es sich um Einzelgespräche mit einem Therapeuten, um Gruppengespräche oder um die Ergotherapie gehandelt hat, alles war hilfreich. Weil ich endlich mal dazu bereit war, mich darauf einzulassen.

Es war nicht immer leicht. Es war kein Ferienlager, in dem man nur Spaß hat. Aber der Sommer in der Klinik hat mir erstens das Leben gerettet und es zweitens verändert.
Der Aufenthalt wurde mehrfach verlängert. Nach 9 Wochen stationärer Behandlung waren meine neuen Freunde schon entlassen, und schließlich wollte auch ich gehen.
Man hatte sich darauf geeinigt, dass ich weiter in die Tagesklinik gehen würde, um gefestigter und wieder auf den Alltag vorbereitet werden sollte.
Also besuchte ich noch weitere 11 Wochen die Tagesklink.
Insgesamt habe ich 2009 somit 20 Wochen in einer Klinik verbracht.
Und ich würde es jederzeit wieder tun.
Nur würde ich es nie wieder soweit kommen lassen, ganz unten zu sein. Ich würde früher reagieren.
Hoffe ich.
Die Zeit war kein Zuckerschlecken, bei weitem nicht.
Aber ich bin dankbar um jeden einzelnen Tag in der Klinik.
Nach Abschluss der Behandlung habe ich eine Wiedereingliederung ins Berufsleben gemacht und arbeite seit Mai 2010 wieder Vollzeit. Ich ging und gehe nach wie vor offen mit der Depression um.
Das hat mich beruflich ins Aus geschossen. Ich werde nichts weiter erreichen und werde oft nicht ernst genommen. Das nehme ich hin. Allerdings nehme ich keine Hänseleien und kein Mobbing deshalb mehr hin. Ich wehre mich.
Auch meine Familie, die zumindest zum Teil anfangs hinter mit stand, wenn auch relativ überrascht von meinem Zusammenbruch, fand, dass es irgendwann reicht und ich doch bitte wieder wie früher werden sollte.
D.h. Funktionieren. Mich um alles kümmern. Es anderen damit bequem machen.
Mich wieder vergessen? Never!
Es ist nach wie vor nicht leicht. Einige haben sich von mir abgewendet, oder ich mich von ihnen.

Irgendwann kann es das Umfeld nicht mehr hören. Und ist angepisst, wenn da jemand im Vordergrund stehen soll, der jahrelang ein Mitläufer war, der schön den Mund gehalten und alles hingenommen hat. Der das Wort NEIN weder kannte und schon gar nicht benutzte. Der sich nicht durchsetzen konnte.

Ich bin nach wie vor darauf bedacht, immer erst den bequemeren Weg gehen zu wollen. Bitte keine Diskussionen führen müssen, bitte nicht nein sagen müssen. Um ja jeden Ärger zu vermeiden.
Dabei habe ich die Wahl- kann ich wieder Everybodys Darling werden und selber vor die Hunde gehen oder stehe ich hinter dem, was ich will und setze mich durch. Notfalls mit dem Verlust von Freundschaft.

Wisst ihr jetzt, was eine Depression ist?
Nein?
Na gut.

Andreas Steinhöfel erklärt es in einem Kinderbuch sehr schön:
„Eine Depression ist, wenn all deine Gefühle im Rollstuhl sitzen. Sie
haben keine Arme mehr und es ist leider auch gerade niemand zum Schieben
da. Womöglich sind auch noch die Reifen platt. Macht sehr müde.”

Eine Depression ist die Krankheit der Losigkeiten.

Freudlosigkeit
Lustlosigkeit
Appetitlosigkeit
Hoffnungslosigkeit
Mutlosigkeit

Von einer Depression spricht man dann, wenn der Zustand dieser tiefen Traurigkeit mindestens zwei Wochen und länger anhält.
Man sollte sich rechtzeitig Hilfe suchen. Und vor allem ist es keine Schande, sich Hilfe zu suchen.
Man muss sich auch nicht schämen, an einer Depression erkrankt zu sein.
Es gibt Hilfe!

Eine Selbstdiagnose via Internet oder Ratgebern bzw. Tests in einschlägigen – oder Frauenzeitschriften halte ich für nicht ausreichend und vor allem für gefährlich. Die Diagnose sollte von einem Facharzt gestellt werden.
Wenn ihr allerdings den Verdacht habt, an einer Depression erkrankt zu sein, reagiert! Und zwar schnell. Die Wartezeiten auf einen Termin bei einem Facharzt können sehr lang sein. Vor allem im ländlichen Bereich sind Psychiater und Neurologen rar gesät. Aber gebt nicht auf und drängt darauf, eine adäquate Behandlung zu bekommen.
Evtl. kann auch eine Beratungsstelle eine erste Hilfe sein.

 

Ich nehme seit über zwei Jahren meine Medikamente immer noch, und ich gedenke auch nicht, damit aufzuhören.
Oft werden Psychopharmaka verteufelt. Warum – ist mir ein Rätsel. Niemand käme auf die Idee einem Diabetiker davon abzuraten, sich Insulin zu spritzen.
Antidepressiva machen nicht abhängig!
Es kann dauern, bis das passende Medikament gefunden wird. Daher sollte man Geduld haben. Und man sollte sich auch wirklich an die vom Arzt verschriebene Dosierung halten.
Überhaupt sollte man offen und ehrlich zu seinem Arzt sein.
Ihn zu belügen, bringt überhaupt nichts, wenn man ernsthaft daran interessiert ist, etwas gegen seine Erkrankung zu unternehmen.

Des Weiteren halte ich es für enorm wichtig, über die Erkrankung informiert zu sein.
Diverse Links werde ich im Anschluss an den Text einfügen.
Ich habe für mich selbst herausgefunden, welche Bücher hilfreich sind und welche einfach nur Mist.

Seit der Klinik befasse ich mich zudem mit Yoga.
Allerdings habe ich für Meditation nicht die nötige Ruhe. Meine Meditation besteht also aus den Körperübungen, bei denen ich abschalten kann.
Diese Übungen führen nicht nur dazu, dass ich ausgeglichener bin und besser atmen kann.

Ich habe diverse andere Entspannungstechniken ausprobiert und für mich ausgeschlossen.

PMR – ist für mich absolut ungeeignet, weil ich nicht die nötige Ruhe habe und als Zappelphillip selbst in der Klinik ausgeschlossen wurde, um die anderen Patienten nicht zu stören.
Bei autogenem Training bin ich eingeschlafen, das ist mir schlicht zu langweilig.

Soweit zu den Entspannungstechniken.
Die zu Beginn einer schweren Depression undenkbar durchzuführen sind.

Eine Depression sollte ernst genommen werden.
Mir ist klar, dass man als Angehöriger hilflos zusehen muss und keine Macht hat, an den Depressiven herankommen zu können.
Vorwürfe bringen allerdings gar nichts, im Gegenteil.
Ein Depressiver lässt sich nicht mutwillig hängen und will Mitleid.
ER KANN NICHT ANDERS! ER IST KRANK!
Unverständnis und Vorwürfe treiben ihn nur noch tiefer in Selbstzweifel und Depression.

Medikamente können Erleichterung verschaffen und zumindest soweit stabilisieren, dass an eine weitere Therapie gedacht werden kann.
Doch ist Vorsicht geboten! Zu Beginn der Therapie zeigt sich zwar noch keine Wirkung, was die Stimmung angeht, allerdings besteht die Gefahr, dass zumindest der Antrieb gesteigert wird und so ein Suizid, der während der antriebslosen Phase nicht durchgeführt werden konnte, nun in Angriff genommen werden könnte.

Ich kann hier nicht für alle sprechen.
Jede Depression mag anders sein.
Ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten und darauf hinweisen, dass in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Es ist mir ein Anliegen, einige Links einzufügen, die ich für hilfreich und lesenswert erachte.

Schattendasein – Das unverstandene Leiden Depression

Das Monster, die Hoffnung und ich

Sein Leben neu erfinden

Stigma Depression

Robert Enke/ Spiegel

Ich weiß, dass dieser Bericht unvollständig ist. Den Text habe ich relativ unvorbereitet und aus dem Gedächtnis geschrieben.
Ich werde nach und nach weitere Informationen einfügen, die wichtig sind.

Falls ihr selbst betroffen seid, sucht euch bitte dringend Hilfe!

Danke fürs Lesen.

Und alles Gute!

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62 Gedanken zu „Als ich einmal eine Depression überlebte und erst nicht wusste, dass es eine ist.

  1. Danke für diesen Beitrag und Deine Offenheit. Dass sich Menschen von einem abwenden, wenn man nicht mehr der Spassbringer ist, und sich Traurigkeit über mehr als ein paar Tage hinzieht, ist sehr armseelig.
    Es ist glaube ich kein mangelndes Interesse der Gesellschaft, es ist einfach, dass man solche Leute nicht haben will – basta! Abgesehen von Mobbing im Beruf ist jegliche Art von psychischer Erkrankung einer Geisteskrankheit gleichzusetzen und unerwünscht. Und dieses ganze Unverständnis rührt von mangelnder Herzensbildung in unserer Gesellschaft her.
    Aber Sie sind da, Millionen von Menschen, die aber keiner sehen will, und die man am Besten irgendwo wegsperrt, damit sie nicht die Spassgesellschaft belasten.

  2. nonanic sagte am :

    Danke für deinen Kommentar 🙂 Freut mich sehr.
    Du hast sicher Recht damit. Leider ist es in der Spaßgesellschaft für ernstere Menschen nicht besonders einfach.
    So hart sehe ich das allerdings gar nicht.
    Mittlerweile sind mit dumme Kommentare ziemlich egal. Wichtig sind mir die, die zu mir stehen. Und ich gehe ja nach wie vor offen damit um.
    Wobei ich mich nicht mehr zu den Depressiven zähle. Dennoch will ich diese Zeit nie vergessen, und ich in froh, es als Chance genutzt zu haben, mich und mein Leben zu ändern.
    Zu meinen Gunsten. Und zu Ungunsten von anderen 😉
    Ich bilde mir auch ein, sollte es mich je wieder treffen, bin ich gewappnet.
    Das wünsche ich allen Betroffenen. Denen ich nach wie vor mit Informationen gerne weiterhelfen möchte. Daher der Beitrag.

  3. Marlis sagte am :

    Hallo meine Liebe!
    Vielen, vielen Dank für deine offenen und ergreifenden Worte! Der Bericht macht mich sehr betroffen! Gott sei Dank hast du noch zum richtigen, wenn auch äusserst letzten Augenblick Hilfe angenommen und bekommen! Ich bin sehr dankbar, dass es dich gibt! Du trägst mit deinem Witz und Humor viel dazu bei, dass es lustige Momente im Leben gibt! DANKE FÜR ALLES!
    Alles Liebe
    Marlis

    • nonanic sagte am :

      Liebe Marlis,
      ich danke dir für deinen Kommentar ❤
      Ich möchte meinem Beitrag einfach anderen Betroffenen und an Depressionen erkrankten Menschen helfen und Mut machen.
      Es muss erstens nicht soweit kommen, dass man zusammenbricht, und zweitens gibt es Hilfe.
      Wenn ich erreichen konnte, dass auch nur ein einziger Leser sich Gedanken darüber macht und deshalb zum Arzt geht und Hilfe sucht, bin ich zufrieden 🙂

  4. Markus sagte am :

    Egal wie die medizinische Definition von „Krankheit“ auch sein mag, für mich sind Krankheiten mit Tabletten (meist) heilbar. Deinem Bericht nach klingt es für mich also nicht nach Krankheit, sondern einem Problem bei dem man Hilfe brauch. Soll keine Spitzfindigkeit sein. Ich finde nur, daß das Wort Krankheit das Problem verharmlost und irgendwann jeder denkt, daß man nur Tabletten brauch und daher die Bereitschaft sinkt zu helfen.

    Kann man nicht einfach sagen, daß Depressionen das körperliche Symptom für scheiss Lebensumstände sind/waren und man Hilfe braucht/e? Solch eine Ehrlichkeit Bezeichnung würde bei der Anerkennung doch sicher helfen.

    • nonanic sagte am :

      Sorry, nein, man kann nicht sagen, dass Depressionen das körperliche Symptom für Scheiß Lebensumstände sind.

      „Krankheit ist ein regelwidriger Zustand des Körpers, des Geistes oder der Seele, der medizinische Maßnahmen mit dem Ziel erforderlich macht, Schmerzen oder Beschwerden zu verhindern, zu lindern oder zu beheben. “

      Wenn du meinen Beitrag gelesen hast, müsstest du mitbekommen haben, dass es diverse Ursachen dafür gibt.
      Du müsstest auch gelesen habe, dass ich meine Krankheit nicht nur durch Tabletten in den Griff kriegen wollte.
      Es ist nachgewiesen, dass bei einer Depression der Serotoninspiegel im Gehirn erheblich gestört ist. Dafür sind die Medikamente da, diese Störung zu beheben.

      Ich habe mir keinem Wort behauptet, dass es ausreicht, Medikamente zu schlucken.
      Das halte für sogar für den komplett falschen Weg.

      • Markus sagte am :

        Mir ging es nur um das Wort „Krankheit“, welches umgangssprachlich impliziert, daß ein paar Tabletten reichen würden – so wie man es von 99% aller anderen Krankheiten gewohnt ist, die man in seinem Leben so hat.

        Also ich danke für für deinen Bericht, glaube genau das selbe wie du, nur nicht, daß man es „Krankheit“ nennen sollte, selbst wenn es eine ist.

  5. Personal Trainer Kiel sagte am :

    Ein schwieriges Thema. Und man muss Dir großes Lob aussprechen, dass Du dies Thema so offen angehst. Ist es doch immer noch im Berufsleben eher ein Tabuthema über das man nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Die graue Ziffer von denen die sich direkt am Rande der Depression bewegen, aufgrund des Drucks durch Arbeit und gefühlter schnell laufender Zeit ist sicherlich Höher. Angst zu versagen, Angst davor, was andere über einen denken. Als Lusche abgestempelt zu werden, weil man dem Druck nicht standhalten konnte. Der eine kann damit um, der andere vergräbt es und geht Stück für Stück daran zu Grunde, die letzte Kategorie knickt sehr viel schneller ein. Ich habe in meinem BLOG einen Artikel aus dem Stern aufgegriffen: Wenn die Arbeit zur Droge wird … darin finde ich mich wieder. Aber, ich habe mich bewusst auf diese See begeben und ich für meinen Teil fühle mich auf der See wohler!

    • nonanic sagte am :

      Danke für deinen Kommentar.

      Mir ist mittlerweile ziemlich egal, was andere über mich sagen oder denken.
      Das habe ich nicht zuletzt in den Jahren gelernt, seit ich mich mit der Depression beschäftige.
      Ich merke, auch auf der Arbeit, dass man teilweise großen Respekt hat vor meiner Offenheit. Andere belächeln mich. Who cares?
      Wichtig ist, wie man selbst damit umgeht. Und für mich gibt es keinen Grund mehr, mich zu schämen, weil man an einer Krankheit leidet.
      Ich habe leider auch Menschen durch die Depression verloren.
      Eine Freundin von mir, mit der ich in der Klink einige Zeit das Zimmer geteilt habe, hat sich das Leben genommen.
      Eine Depression ist eine gefährliche Erkrankung, über die zwingend aufgeklärt werden muss! Und das geht nicht, ohne offen darüber zu berichten, zu informieren und zu zeigen, dass es Heilungschancen gibt.
      Wenn ein gewisses Klientel mich dafür abstempelt und als Lusche bezeichnet, bitteschön.
      Ich bin mir sicher, ich bin keine Lusche.
      Und ich wünsche mir, dass es irgendwann soweit sein wird, dass andere Erkrankte das genauso sehen. Und die Gesellschaft sowieso.

      Wenn du dich wohlfühlst, wie dein Leben ist, ist doch alles ok. 🙂
      Alles Gute für dich.

  6. nonanic sagte am :

    Liebe Leser,

    mit Bedauern stelle ich fest, dass mich seltsame Kommentare erreichen, die von wirren Anschuldigungen voll sind.
    Glücklicherweise steht es mir ja frei, wessen Kommentar ich hier veröffentliche und wessen nicht.
    Im Großen und Ganzen kann ich mit Kritik umgehen. Auch mit negativer.
    Allerdings behalte ich mir vor, wirre und gefährliche Ansichten hier unveröffentlicht zu lassen.
    Menschen, die hier Werbung für ihre irren Wahnvorstellungen machen möchten, sei gesagt: Vergesst es!
    Beratungs- und bildungsresistente Kreaturen aller Art: weder Gott noch eine andere Göttlichkeit, weder Satan noch Luzifer, noch der Garten Eden tragen zur Heilung einer Depression bei. Hier geht es nicht um Religionen, überzogene und spinnerte Evolutionstheorien oder irgendwelche Heilig- oder Unheiligkeiten.
    Jetzt nicht und in Zukunft nicht.

    Allen anderen, die ernsthaft an Informationen interessiert sind: Lasst euch um Gottes Willen (REDEWENDUNG!!) keine Angst machen. Eine Depression ist eine Krankheit, nicht mehr und nicht weniger. Sie ist keine Strafe von wem auch immer. Sie ist heilbar. Ihr tragt keine Schuld.

  7. Als ich deinen Beitrag gelesen habe ging mir hauptsächlich eins durch den Kopf: Kenn ich, kenn ich, kenn ich.

    Ich hab heut noch den Spruch meiner Mutter im Kopf als ich für 6 Wochen in eine psychosomatische Kur fuhr und sie sagte: Ich hoffe, du bist anschließend wieder die Alte. Mir riss es das Herz raus weil ich dachte: Sie hat nichts begriffen. Versteht sie nicht, dass ich genau das nicht wieder werden darf. Die Alte. Dass mich genau das krank gemacht hat. Aber klar. Da war ich bequem für alle anderen. Everybody’s Darling eben.

    Es ist schwierig einen Mittelweg zu finden, zwischen Everybodys Darling und Everybodys Rundumschlag. Aber ich arbeite daran. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute, ebenso wie allen, die ebenfalls unter der Krankheit Depression leiden oder denen, die Partner haben, die unter Depressionen leiden. Denn für sie, ist das alles auch nicht einfach.

    Achja und nochwas. Ein Tipp für alle, die diese Krankheit nicht nachvollziehen können (was ich durchaus verstehe, denn bevor ich selber krank war, verstand ich das auch nicht). Schlaue Sprüche wie: „Geh doch einfach mal raus. Mach doch einfach mal was dir Spaß macht. Vom zu Hause hocken gehts dir nicht besser.“
    Denen lass gesagt sein: Wenn das so einfach wäre, wäre man nicht krank und dadurch depressiv.
    Depressive brauchen kein Mitleid, sondern Verständnis und jede Menge Geduld und was noch wichtiger ist, professionelle Hilfe.

    Wartet nicht zu lange!

    LG

  8. Meine Hochachtung für dich! Für deinen Mut und für diesen Text. Ich werde ihn an betroffene Menschen weiterempfehlen.

  9. „Das hat mich beruflich ins Aus geschossen. Ich werde nichts weiter erreichen und werde oft nicht ernst genommen. Das nehme ich hin.“

    Das schockiert mich wirklich. Jemand, der sich aus so einer schweren Lebenssituation herausgearbeitet hat, sollte unbedingt ernst genommen werden und den Respekt erhalten, der ihm gebührt. Das ist eine Leistung, die viel zu selten erkannt und gewürdigt wird. Es ist schade, dass die gesellschaftliche Reife das zu erkennen offensichtlich noch nicht da ist. Aber ich bin guter Hoffnung.

  10. Betroffenheit hin oder her, betroffen fühl ich mich erst, wenn ich den Betreffenden auch kenne. Daher ja das Wort… es betrifft mich, direkt oder indirekt.
    Aber da gibt es ein paar, und Dir sei auf jeden Fall Respekt gezollt, denn so offen (und damit ein Stückweit pädagogisch für sich UND andere) gehen die Wenigsten mit Depressionen um.

    http://mfis.wordpress.com/2012/02/03/fallschirmjager-falten-putin-zusammen/

    Alles Gute, einstweilen!

  11. Jessi sagte am :

    Hallo,
    du hast einen sehr interessanten Blog geschrieben. Letztes Jahr hat es mich, genauso wie dich „erwischt“ und auch ich habe die vielen Warnsignale nicht gesehen oder sehen wollen. Ich habe doch immer funktioniert und war immer die „Powerfrau“, die Kinder und Job sowie grosse und kleinen Sorgen des Alltags meisterte. Ich hab mich relativ schnell erholt…nur sechs Wochen und gehe auch wieder arbeiten..aber ich merke, dass ich nicht mehr belastbar bin und der kleinste Anstoss reicht, mich wieder in Angst, Panik, Unsicherheit etc. verfallen zu lassen. Habe jetzt auch ein Therapiezentrum aufgesucht. Ende Februar soll es losgehen…neben dem Job. Ich hoffe es gelingt mir und es hilft mir. Dir wünsche ich auch alles Gute!!!! Lieben Gruss!!!

  12. CAROLYN PLATH sagte am :

    Hallo,
    es tat mir gut Deinen Bericht zu lesen,denn auch ich erkannte mich 100%ig darin wieder. Leider bin ich momentan zu schwach,habe gerade einen Klinikaufenthalt abgesagt. Aber,d.h.nicht,dass ich einen derartigen Aufenthalt komplett ausschliesse. Ich brauche nur noch ein wenig Zeit,um die Angst davor zu verlieren. Deine Worte haben mir auf jeden Fall gut getan und ich bin zuversichtlich den Schritt in die Klinik bald zu wagen.
    Danke,Carolyn

  13. nonanic sagte am :

    Liebe Carolyn,
    wofor hast du Angst?
    Warst du schonmal in einer Klinik? Und welche hattest du ins Auge gefasst?

    Ich hatte mich auch jahrelang geweigert, stationäre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber im Endeffekt hat es mir doch sehr geholfen und erst den richtigen Anstoß gegeben, mich endlich um mich zu kümmern.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und dass du bald wieder Mut und Hoffnung haben kannst.
    Es wird nicht so bleiben, dass du schwach bist. Eine Depression ist heilbar, und das wird ganz bestimmt auch in deinem Fall so sein.
    Ich würde so gerne allen Menschen, die daran leiden, helfen und den Weg für sie gehen. Aber das geht leider nicht.
    Den ersten Schritt muss jeder selber tun. Wenn er soweit ist.
    Setz dich nicht unter Druck und verlange nicht zu viel von dir.
    Es wird wieder besser werden, gib nicht auf!

    Viele liebe Grüße
    n.

    • Liebe nonanic,
      tut mir sehr leid,dass ich mich nicht schon früher gemeldet und Dir herzlich für Deine aufbauenden Worte gedankt habe,ich sass mal wieder in meinem schwarzen Loch…ein Schritt vor und zwei zurück. Ich trete auf der Stelle !
      Ich habe mir vorgenommen am Montag in der Klinik anzurufen und in der darauffolgenden Woche immerhin schon nach Kronberg zu meiner Freundin zu fahren,das ist nur 4-5 Kilometer von der Privatklinik Dr. Amelung in Königstein entfernt. Somit wäre ich schon ein wenig näher dran,als im Moment. Ich denke,dass das eventuell einfacher sein wird,mich der unvermeidbaren Sache zu nähern !!? Sicher merkst Du,dass ich eine Weltmeisterin im „Schieben“ bin,oh ja,das ist meine Disziplin !!! Anders schaffe ich diesen Gang einfach nicht und,ob es so dann auch tatsächlich klappt,ist noch die grosse Frage……..
      Wenn es Dich nicht zu sehr nervt,werde ich Dich über meine Schritte ( 1vor,2 zurück ) auf dem Laufenden,wie passend !,halten. Es tut gut,sich jemandem mitzuteilen,der weiss,wie ich mich fühle !!! Danke dafür !

      Liebe Grüsse aus Düsseldorf,von einer sehr zögerlichen

      Carolyn

      • nonanic sagte am :

        Liebe Carolyn,
        oh je, es tut mir leid, dass ich mich erst jetzt wieder melde.
        Ich habe deinen Kommentar eben erst gesehen, weil ich in letzter Zeit sehr eingespannt war.
        Gleich mal vorweg: Es nervt mich ÜBERHAUPT NICHT!!
        Du kannst dich jederzeit mitteilen und mich auf dem Laufenden halten, das freut mich sehr.
        Was ist aus deinem Vorhaben geworden in die Klinik zu gehen?
        Das mit dem Schieben kenne ich zu gut, es hat bei mir jahrelang gedauert, bis ich den Schritt gewagt habt, in die Klinik zu gehen. Erst als es gar nicht mehr anders ging, war ich dazu bereit. So lange würde ich heute nicht mehr warten.

        Ich wünsche dir alles Gute und drücke dir fest die Daumen, dass eine professionelle Behandlung dir helfen wird, wieder Licht zu sehen.

        Sei ganz liebe gegrüßt 🙂

  14. Purple sagte am :

    Danke für diesen tollen Beitrag. Ich stecke gerade mittendrin. Tabletten, Therapie etc. Ich hoffe, dass es irgendwann hilft. Gut zu wissen, dass man da wieder rauskommen kann. Toll geschrieben, danke!

    • nonanic sagte am :

      Sehr gerne 🙂 Es freut mich, wenn meine Worte anderen helfen. Ich möchte Betroffenen einfach zeigen, dass sie nicht alleine sind mit ihrer Situation bzw. nicht die einzigen, denen es so geht.
      Und vor allem, dass es Hilfe gibt 🙂

  15. Tigrib64 sagte am :

    Hallo,
    zuerst einmal freue ich mich für alle, die es rausgeschafft haben aus einer Depression. Es ist immer eine große Leistung und anerkennenswert, auch wenn das Außen dies kaum beurteilen kann. Ich lese viele Selbsterfahrungsberichte, zum einen, um hilfreiche Tipps aufzufangen und zum anderen, um auch mal jemanden wie mich zu finden. Jemand, der keine Erfolgsgeschichte vorzeigen kann. Ich bin nun 49 Jahre alt, hatte eine kaufmänn.Ausbildung, ein Studium und schaffte es sogar zur Beamtin mit Eigenheim. Nach außen hin erfolgreich, stark und unverwüstlich. Innerlich schon lange „tot“. Im Nachhinein gesehen begann meine Depression im Kindesalter. Mit 12 J. erschien der Tod als tröstender Begleiter und blieb bis heute. Dass ich solange gegen ihn standhalte ist erstaunlich, selbst für mich und gleichzeitig fraglich erfolgreich. Bis vor 3 J. hatte ich den Schein im Griff, doch dann musste ich doch einsehen, Medikamente und Kliniken zu brauchen. Stückweise kam meine „andere“ Seite zum Vorschein, die schwache, hilfsbedürftige. Und hatte ich selbst in Krisenzeiten anderen beigestanden, so stand ich plötzlich alleine da. Besonders meine Schwestern enttäuschten mich zutiefst, da sie nur Unverständnis und Vorwürfe äußern. Ja, ich habe lange meine Zustand verheimlicht, ja, es war für alle ein Schock mich bedürftig und belastend zu erleben, aber meine Scham und meine Ängste erklären es ihnen nicht. Ich habe in der Klinik und ihrer therapeut. Gemeinschaft gelernt mich gegen Schädliches abzugrenzen und so habe ich kaum noch Kontakte zur Familie und nur zu wenigen Freunden (meist Betroffenen). M(E)inen Beruf kann ich nicht ausüben (befristet berentet) und so fehlt hier auch noch mein „Leistungs- = Anerkennungsbereich“. Ich probiere nun das 17. (=letzte) Medikament, muss meine VT inzwischen selbst bezahlen und sehe mich einer EKT gegenüber, um aus dem Teufelskreis ausbrechen zu können. Ich bin müde und realistisch kritisch, den Winter nicht zu überleben. Ich gehöre zu denen, die selbst in der Depressivenszene „totgeschwiegen“ werden. „Wir“ vermasseln wohl die gute Heilungschancenstimmung. Aber uns gibt es. Jedenfalls mich. Und ich würde mich sehr über andere Langzeitdepressive freuen, die mir das Gefühl geben könnten, nicht so exotisch zu sein. Ich danke allen fürs Teilen und bitte um Verzeihung, wenn es zu „destruktiv“ wirkte. Dass ich noch lebe und weitermache nach Jahrzehnten des Überlebenskampfes, kann man meiner Meinung nach, doch als einen Mutmachbeweis werten. Ich wünsche allen hier Glück.

    • nonanic sagte am :

      Oh nein… das hätte nicht passieren dürfen, dass du so lange auf eine Antwort warten musst! Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich erst heute deinen Beitrag gesehen habe.
      Deine Worte sind keineswegs zu destruktiv, weil sie wahr sind.
      Es gibt Depressionen, die scheinbar auf keine Medikamente oder Therapie reagieren, und auch das sollte auf keinen Fall verschwiegen werden.

      Ich weiß mir keinen Rat, wie ich dir helfen kann, bzw. was ich dir raten soll, das du nicht schon ausprobiert hast, um dem Teufelskreis zu entkommen.
      Deine Worte kommen mir sehr bekannt vor und treffen mich.
      Es ist zum Kotzen, dass Depressionen bei vielen Menschen ein ewiger Kampf sind, gegen den man irgendwann keine Waffen mehr zu haben scheint.

      Kennst du das Buch „Das Monster, die Hoffnung und ich“ von Sally Brampton? Auch ihr ging bzw. geht es so.

      Bitte entschuldige nochmals die unverzeihlich lange Wartezeit auf meine Reaktion. Ich habe deinen Kommentar übersehen, weil ich hier ewig nicht mehr online war, nicht zuletzt aus Gründen, die auch wieder mit der Krankheit zu tun hatten.

      Wenn du mir privat schreiben möchtest, kannst du das ebenfalls gerne via Nachricht oder Kommentar tun.
      Ich würde dir so gerne tröstende und helfende Worte schicken!! Ich möchte dich nicht alleine lassen!

      LG
      N.

      • Tigrib64 sagte am :

        Hallo, liebe N.

        Es gibt nichts zu entschuldigen, da ich nichts erwartet habe.
        Außerdem geht es mir oft nicht anders damit, Dinge, die mir eigentlich sehr wichtig sind aus Kraftlosigkeit oder anderen Umständen nicht zu schaffen. Mir dies inzwischen erlauben oder verzeihen zu können ist ein echter Therapieerfolg für mich. Inzwischen habe ich auch gelernt in allem einen Sinn zu suchen und kann vieles ohne Groll annehmen.
        Das Buch „Das Monster, …“ kenne ich und empfehle es auch gern weiter. Dieses Buch begegnete mir in einer meiner schwersten Phasen und „rettete“ mich mit seinen Hinweisen und Erfahrungen. Endlich jemand wie ich. So viele Parallelen. Wie tröstlich das war.
        Inzwischen habe ich mich zu einer EKT entschlossen, da es scheinbar meine letzte Möglichkeit ist, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Ich warte nun ungeduldig auf einen Termin in der Uni Bonn.
        Ob es wohl anderen chronisch Depressiven helfen würde, wenn ich über meine Erfahrungen dort und damit hier (oder sonstwo) berichte (,falls ich dazu in der Lage bin)?

        Nun, es wird geschehen, was immer geschehen soll und so wünsche ich uns allen Kraft, Mut und Hoffnung für die Aufgabe mit dieser Krankheit zu leben.

        LG, Tigrib64

      • nonanic sagte am :

        Liebe T,
        natürlich besteht Grund, mich bei dir zu entschuldigen. Du hast dir die Mühe gemacht, einen Kommentar zu verfassen, und den habe ich nicht bemerkt.
        Nicht viele tun das, also sehe ich es als etwas Besonderes, wenn es jemand tut.
        Ich verstehe dich vollkommen, was die Kraft angeht, die einem fehlt, irgendwas in Angriff zu nehmen. Gerade deshalb muss jeder deiner Antworten Respekt gezollt werden.
        Auch was besagtes Buch angeht, kann ich dir völlig beipflichten. Ich habe es auch in meiner schlimmsten Phase entdeckt, und ich war nicht mal fähig, es auf einmal zu lesen, ich konnte es nur in Einzeldosen ertragen. Und auch mir hat es sehr geholfen. Erst seit damals, (mittlerweile rund 4,5 Jahre her) beschäftige ich mich wirklich aktiv mit Depressionen, habe mich informiert und aktiv an einer Therapie mitgearbeitet.
        Ich kann wirklich alles nachvollziehen, was du schreibst. Vor allem, weil ich nicht erst sei 4 Jahren an Depressionen leiden, damals war nur der tiefste Punkt erreicht, und ich hätte fast nicht überlebt.
        Seither bin ich keinesfalls ununterbrochen gut drauf. Ich habe meine Therapie fast abgeschlossen, eine letzte Stunde steht mir noch bevor. Ich muss aber weiterhin Medikamente nehmen. Wie viele mittlerweile bei mir nicht oder nicht mehr wirken, weiß ich gar nicht mehr.
        Die Therapie hat mir sehr geholfen. Viele Verhaltens- und Denkweisen, die mir schadeten, habe ich geändert. Dennoch bin ich weiterhin gefährdet, wieder zu erkranken, was sich lt. meinem Arzt auch niemals ändern wird.
        Ich mache das beste draus, der Satz kommt häufig locker flockig über meine Lippen. Oft ist das nichts als Bullshit! Das Beste draus machen, geht das überhaupt?
        Ich denke, in meinem Fall schon. Heute. Wie es morgen aussieht, weiß ich nie. Ich kann aufwachen und Angst haben, dass die Welt untergeht oder richtig gut drauf sein. Ich kann Bäume ausreißen oder fast zusammenbrechen, nachdem ich zwei oder drei Stunden gearbeitet habe. Ich weiß es vorher nie. Oft ist es unmöglich, Pläne so auszuführen, wie ich es vorhatte.

        Aber auch wenn ich weiß, dass ich niemals zu den unproblematischen Menschen gehören werde, dass ich vermutlich nicht bis an mein Lebensende ohne Depressionen leben werde, habe ich nicht mehr diese große Angst davor wie früher.

        Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass deine Entscheidung für die EKT richtig ist, und dass sie dir hilft. Nichts ist schlimmer, als Ewigkeiten in dieser Dunkelheit zu leben.
        Aber du schreibst, was du schon gelernt hast, dir selbst zu verzeihen oder dir gewisse Dinge, die du als Schwäche empfindest, zuzugestehen, und das ist doch ein Riesenschritt!!
        Ich fände es toll, wenn du über deine chronische Depression schreibst. Wenn nicht hier, dann lass mich bitte wissen, wo, ich würde es sehr gerne lesen.
        Fühl dich bitte nicht unter Druck gesetzt, aber alles, was man über Depressionen lesen kann, hilft Betroffenen weiter!!

        Nur das Beste für dich!!
        LG
        N.

  16. E.W. sagte am :

    Hallo liebe N.,
    ich bin soeben über deinen sehr offenen Bericht über deine Depression „gestolpert“. Er hat mich sehr berührt und ich habe mich in vielen Dingen selbst wiedergefunden. Ich selbst wurde erst 3 Tage vor Weihnachten aus der Klinik entlassen und ehe ich mich auf diesen Schritt einlassen konnte sind viele Monate vergangen (keine Krankheitseinsicht) und am Ende stand der völlige Zusammenbruch so wie bei dir. Man hat mich „stabilisiert“ und habe ich wohl noch einen ziemlich langen Weg vor mir. Mir ist es in der Klinik ganz ähnlich wie dir ergangen, die Medis haben mich ruhelos und aggressiv gemacht und wurden abgesetzt. Auch so ein wunder Punkt, alle bekommen das hin und ich nicht. Dein Bericht gibt mir Hoffnung. Ich wünsche dir einen guten Start ins neue Jahr.
    Ganz liebe Grüße E.

    • nonanic sagte am :

      Hallo, liebe E.
      Ich drücke dir ganz fest die Daumen und hoffe, ich konnte dir Mut machen. Ich selbst sehe mich nicht unbedingt als geheilt an, aber man kann auch mit der Krankheit leben. Auf dem langen Weg, den ich gehen musste, habe ich sehr viel gelernt, und ich lerne immer noch. Schätze, das hört nie auf, aber das tut es bei Gesunden auch nicht. (Man lernt ja ein Leben lang ;))Vielleicht brauchen wir etwas länger, bis wir etwas einsehen und umsetzen können, aber im Endeffekt ist es das wert.
      Vor Weihnachten hatte ich ein Gespräch mit meinem Arzt. Und so blöd das auch für andere klingen mag, ich habe ihm gesagt, ich möchte diese furchtbare Erfahrung trotz allem Elend nicht missen. Auch wenn ich in dieser schlimmen Zeit 2009 lieber gestorben wäre, bin ich heute froh, dass gerade das nicht passiert ist, und ich endlich so weit unten war, dass ich mir habe helfen lassen. Ich wäre heute nicht die, die ich bin, hätte ich diese Erfahrungen nicht machen müssen.
      Diese Erkenntnis wünsche ich jedem, der an Depressionen leidet und wieder gesund werden möchte.
      Ich bin mir nicht sicher, ob ich so viel hätte lernen und mir erarbeiten können, wäre ich nicht so krank geworden.
      Ich wünsche dir auch einen guten Start ins neue Jahr und auf deinem Weg und beim Kampf gegen diese Scheiß Krankheit alles, alles erdenklich Gute und viel Kraft!!

  17. Robert sagte am :

    Hallo

    Ich kann allem nur beipflichten es könnte auch genauso meine Geschichte sein ich war selber von Juli 2013 bis Oktober 2013 im BKH Kaufbeuren am Anfang denkt man wie soll es weitergehen aus meinem Leben wird doch niemehr was aber im nachhinein war es die beste Zeit meines bisherigen Lebens die ich auch nicht mehr vergessen will. Kopf hoch an alle in einer Depression „You`l never walk alone“

    • nonanic sagte am :

      • Alexander sagte am :

        Hallo,

        ich bin auf meiner unendlichen Suche nach Antworten über deinen bericht gestolpert.

        Wahnsinn wie du es schaffst so offen damit umzugehen. Es hat mich sehr berührt und wie durch ein Wunder gibst Du mir die Kraft hier zu schreiben.

        Ich weiß einfach nicht mehr weiter und wahrscheinlich ist es egoistisch von mir dich mit meinem Problem zu belasten.

        Ich stecke ganz tief in einer Sackgasse. Ich drehe mich nur noch im Kreis. Ich bin mittlerweile 47 Jahre und leide seit weit mehr als 30 Jahren unter Depressionen und Selbstmordfantasien. Ich habe niemals versucht etwas dagegen zu unternehmen. Darüber nachgedacht habe ich schon öfter, doch irgendetwas zwischen Scham und Angst hat es mir nicht erlaubt den entscheidenden Schritt zu gehen. Ich wollte es immmer alleine daraus schffen. Doch das funktioniert wenn überhaupt, immer nur für einen begrentzten Zeitraum.
        Früher hat mir immer meine Hoffnung und meine Träume den Antrieb verschafft weiter zu kämpfen, doch nun sind sie nicht mehr da.
        Es geht mir seit Monaten immer schlechter. Ich schaffe nichts mehr. Ich fühle mich wie ein Tiger in seinem viel zu kleinen Käfig. Voller Energie die ich aber nirgenwie rauslassen kann. Ich lebe und bin innerlich doch schon lange tot. Was hat das alles noch für einen Sinn!?!?
        Ich ziehe mich immer mehr in mich zurück, wünsche mir fast jeden Abend morgen nicht mehr aufwachen zu müssen.
        Ich will und kann meine Schwäche nach außen nicht zeigen, doch es fällt mir immer schwerer die Maske aufzubehalten.

        Ich hoffe es ist nicht zu wirr, was ich hier schreibe. Es sind zu viele Gedanken in meinem Kopf, die sich im Augenblick wieder immer schneller im Kreis drehen. Deshalb muss ich jetzt zum Punkt kommen, weshalb ich hier schreibe.

        Ich war anfang April jetzt sogar im Krankenhaus. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Es war für mich ein sehr schwerer Schritt. Dort in der Notaufnahme haben sie mir empfohlen sofort da zu bleiben und obwohl mein Verstand und mein Gefühl wussten, dass es das Richtig wäre, konnte ich es nicht.
        Diese beschissenen Gedanken, wie ich dann dastehe. Was sollte ich auf der Arbeit erzählen, warum ich so lange weg bin. Mit der Wahrheit würde ich mich noch weiter ausgrenzen. Ich würde die Maske so gerne einmal abnehmen doch ich schaffe es einfach nicht. Ich hasse mich dafür.
        Ich denke ich habe keine Wahl, wenn ich überleben will. Doch jetzt sind schon wieder 3 Wochen vergangen, ohne das ich auch nur einen Millimeter voran gekommen bin. Ich brauche Hilfe und kann sie doch nicht zulassen.

        Sorry, das ich dich mit meinem Seelenmüll belaste…

        Alex

      • nonanic sagte am :

        Lieber, lieber, lieber Alex!
        Du schreibst doch genau das, was ich hier auch geschrieben habe. Unsere Geschichten sind ähnlich, wie viele Geschichten von Depressiven, die ich kenne. (Und ich kenne viele Patienten)
        Ich würde dir so gerne helfen, aber die Antworten hast du dir schon selbst gegeben: du weißt, dass es richtig gewesen wäre, im Krankenhaus zu bleiben 😉
        Nimmst du Medikamente? Falls nicht —> ab zum Arzt – verschreiben lassen. Überhaupt brauchst du dringend einen Facharzt.
        Zum Thema Arbeit: du musst nicht sagen, warum du lange weg bist, oder aber du kannst etwas von Reha erzählen. Herzgeschichte oder weiß der Geier was. Wenn du dich so sehr schämst, dann erfinde etwas und sei nicht ehrlich gegenüber den Kollegen.
        Ich habe mich geoutet, mir sind die Reaktionen mittlerweile egal. (Oft, nicht immer).
        Du belastet mich nicht! Es ist sehr mutig von dir, hier zu schreiben. Könnte das ein erster Schritt sein? Ich wünsche es dir!
        Welche Qualen du durchstehst, verstehe ich sehr gut.
        Auch ich wollte nicht mehr aufwachen. Todessehnsucht ist etwas, das ich sehr gut kenne.
        Vielleicht hast du meine anderen Beiträge gelesen. Ich bin zum 2. Mal in einer Tagesklinik. Mittlerweile geht es mit wieder besser.
        Hast du jemanden, der dir helfen könnte, erst mal nach Hilfe zu suchen? (Arzt, Klinik, etc.?)
        Du hast schon genug Zeit verloren, 30 Jahre! Dabei könntest du wirklich etwas vom Leben haben, wenn du Hilfe zulässt.
        Auch ich biete dir Hilfe an: Such nicht weiter im Internet! Geh zu einem Arzt. Mach eine Therapie.
        Hab Mitgefühl mit dir. Hasse dich nicht. Depressionen sind eine schwere Krankheit! Würdest du dir Hilfe verweigern, wärst du Diabetiker oder Krebspatient?
        Ich wünsche dir alles, alles, alles erdenklich Gute. Wenn dir danach ist, kannst du dich jederzeit melden.
        Gib nicht auf! Bitte hol dir Hilfe.
        LG
        Nic

  18. L. sagte am :

    Vielen Dank für Deinen wahnsinnig ehrlichen Beitrag – ich bin mehr durch Zufall darauf gestoßen und habe ihn nun doch bis zum Ende gelesen.
    Auch wenn ich noch sehr jung bin, habe ich bereits meine Erfahrung mit dem Thema Depression gemacht. Ich hatte das große Glück, zu diesem Zeitpunkt bereits eine großartige Therapeutin zu haben, die relativ schnell gemerkt hat, dass mit mir etwas nicht stimmt und mich vor dem großen Crash bewahrt hat.
    In so vielen Punkten erkenne ich meine Verhaltensweisen wieder und bin einfach nur unwahrscheinlich froh, dass es bei mir nie so weit kommen musste, wie es bei Dir leider nötig war. Du hast meinen vollen Respekt, dass Du es da rausgeschafft hast und Dich anderen jetzt so berührend und trotzdem ehrlich und sachlich mitteilen kannst. Diesen Link speichere ich definitiv ab, um ihn all denen, die mich (als Medizinerin) zu dem Thema befragen, in die Hand zu drücken und ihnen somit die „menschliche“ und persönliche Seite zu zeigen.
    Ganz liebe Grüße und alles alles Gute für Deinen weiteren Weg, L.

    • nonanic sagte am :

      Vielen Dank für einen Kommentar und deine Meinung. Das bestärkt mich wieder darin, weiter zu informieren und den Kampf nicht aufzugeben 🙂
      Freue mich sehr über deine Worte.
      Liebe Grüße, N.

  19. Beta sagte am :

    Ich habe grade deine Beiträge gelesen. Ich danke dir sehr, das du deine Erfahrungen so genau beschrieben hast. Ich habe mich in vielen Punkten die du beschrieben hast wieder gefunden. Für ein klinikaufenthalt habe ich keine zeit weil ich eine Umschulung mache und das für mich sehr wichtig ist. Es ist aber schön zu wissen das ich nicht alleine mich mit dieser Krankheit rum quäle!! Du hast mir viele offene Fragen beantwortet. Nun kann ich motiviert an mir arbeiten. Ich brauchte Informationen ob man wieder normal leben kann 🙂 um zu kämpfen wieder gesund zu werden. Ich leide sehr an Schlafstörung, Konzentrationsschwäche und was sich sehr ausgeprägt hat ist diese wortfindungsstörung 😦 ist das bei dir jetzt besser geworden ?

  20. Beta sagte am :

    Lieben Gruß Beta

  21. nonanic sagte am :

    Hallo, liebe Beta,
    ja, man kann normal weiterleben nach einer Depression.
    Man kann schlafen lernen, es gibt viele Entspannungsmöglichkeiten, da muss jeder sehen und ausprobieren, was gut für ihn ist.
    Mir hilft Yoga am besten. Anderen Autogenes Training oder PMR.
    Schlaf ist wichtig, um die Tage zu schaffen und besonders für dich, wo du eine Umschulung machst. (Habe ich übrigens auch gemacht 😉
    Ebenso musst du dich konzentrieren können, auf das, was du neu lernst.
    Nimmst du Medikamente? Warst du schon bei einem Facharzt?
    Es muss ja nicht gleich Klinik sein, eine ambulante Behandlung ist in vielen Fällen ausreichend. Aber Behandlung MUSS sein. Nicht übers Internet beraten lassen, sondern direkt von fachlicher Seite!!

    Die Wortfindungsstörungen kenne ich leider auch nur zu gut, das hängt mit der Konzentration zusammen und legt sich wieder, wenn es dir besser geht.
    Aber du musst unbedingt an dich denken und im Vordergrund sehen, dass du nur alles schaffen kannst, wenn du gesund bist!

    Ich wünsche dir alles Gute,
    N.

  22. Beta sagte am :

    Hallo Nonanic,
    Ich danke dir, für Deine schnelle Antwort. Ja , ich bin in Behandlung bei einer Psychologin seit kurzem . Ich hatte nur 1 Sitzung bis jetzt. Ich kämpfe wieder gesund zu werden .Ich habe verschiedene pflanzliche Mitteln ausprobiert aber geholfen haben die mir leider nicht:(( Ich gehe damit sehr offen um weil das eine Krankheit ist wie viele andere Krankheiten ! Ich nehme auch Medikamente die ich von meiner Hausärztin verschrieben bekommen habe. Das sind die leichtesten Medikamente, die man nehmen kann bei Depressionen. Ich nehme die nicht regelmäßig da ich immer wieder neue Pflanzliche Medikamente ausprobiere . Ich habe noch ein Jahr vor mir ich muss bis zur Prüfung fit werden was es meiner Konzentration und Wortfindung angeht. Ich hoffe ich belaste dich nicht mit meine Sorgen . Ich danke dir von Herzen für deine Mitteilungen .

    Lieben Gruß Beta

    • nonanic sagte am :

      Mhrgs… pflanzliche Medikamente. Johanisskraut und sowas? Ich gebe zu, ich habe das vor Jahren auch mal probiert. Ergebnis: Null.
      Wenn dein Gehirnstoffwechsel gestört ist und die Depression daher kommt, dann helfen die Dinger nicht. Und unregelmäßiges Einnehmen auch nicht. Es muss ja ein gewisser Spiegel im Blut aufgebaut werden, damit die Wirkung einsetzen kann, verstehst du?
      Natürlich muss jeder selbst wissen, was am besten für ihn ist und wie er sich am wohlsten fühlt.
      Ich komme aus der Schulmedizin und der ganze Pflanzenkram taugt nichts, ist meine Meinung 😉
      Magst du nicht mal zu einem Facharzt gehen? Einem Neurologen/ Psychiater?

  23. Ulla sagte am :

    Hallo, auch von mir vielen Dank für deinen offenen Beitrag, der mir persönlich einerseits Mut macht und mich andererseits doch betrübt.

    Was mich betrübt, sind die von dir beschriebenen Erfahrungen, dass es Menschen in deinem Umfeld gibt, die sich von dir aufgrund der Erkrankung distanziert haben. Ich ging in meinem Fall bisher davon aus, dass vor allem ich mich distanziert habe, weil ich plötzlich mit meinen Mitmenschen nichts mehr anzufangen weiß. Das klingt übel, aber es ist tatsächlich so, dass ich den meisten Menschen in meiner Umgebung einfach nichts mehr zu sagen habe. Sie strengen mich eher nur noch an. Deshalb distanziere ich mich weitgehend. Ich habe einen Mann und eine erwachsene Tochter. Insofern bin ich zum Glück nicht ganz allein, denn immer allein sein möchte ich auch nicht. Und so drehe ich mich im Kreis zwischen einem schlechten Gewissen, weil ich irgendwie Freundschaften nicht mehr recht zu schätzen weiß und mir gleichzeitig doch bewusst bin, wie wichtig sie für mich sind. Außerdem haben meine Mitmenschen es ja nicht verdient, von mir abgelehnt zu werden.

    Das alles ist jedoch nicht die Ursache meines Problems, sondern eher eine Folge. Ich war vor vielen Jahren nach mehrjährigem Mobbing am Arbeitsplatz über lange Zeit an Depressionen erkrankt. Damals erhielt ich Medikamente und war für sechs Wochen zur Reha. Inwiefern es geholfen hat, kann ich nicht einmal sagen. Mir ging es sehr lange schlecht und plötzlich überkam mich wie von selbst das Gefühl, dass es doch irgendwie weitergehen muss und ich fand so langsam aus dem Nebel heraus. Nach über drei Jahren Krankschreibung mit Aussteuerung begann ich wieder zu arbeiten. Ich stand schon damals in einem aufgrund der langen Zugehörigkeit unkündbaren Arbeitsverhältnis. Mein Arbeitgeber weigerte sich zunächst, mich wieder zu beschäftigen, wollte mich aber auch – wohl aus Angst vor den juristischen Folgen – nicht kündigen. Mit Hilfe eines Anwalts konnte ich ihn dann dazu bewegen, mich wieder zu beschäftigen.

    Doch direkt nach meinem Neueinstieg begann das Mobbing erneut, weil die entsprechenden Kolleginnen sich aufgrund meines langen Ausfalls schon siegessicher waren. Sie begannen direkt wieder von Neuem. Obwohl ich in einem sehr großen Betrieb mit über 1000 Mitarbeitern arbeite, erzählten sie wieder irgendwelche Horrorgeschichten über mich herum, die sich dann regelrecht verselbstständigten. Meine jetzigen Vorgesetzten bemühen sich zwar, mich vor direkten Angriffen zu schützen, doch das gelingt nicht in jedem Fall. Vor allem kreisen die Gerüchte über mich sehr subtil unter einem mittlerweile immer größer werdenden Kollegenkreis. Selbst Kolleginnen und Kollegen, die mich persönlich gar nicht kennen, erzählen inzwischen herum, dass ich mit Vorsicht zu genießen sei. Kolleginnen und Kollegen, die unmittelbar mit mir zusammen arbeiten, loben mich immer für mein Verständnis und Entgegenkommen. Ich verstehe das alles überhaupt nicht mehr, auch wenn ich die Zusammenhänge logisch nachvollziehen kann.

    Hinzu kommt, dass meine Tätigkeit ziemlich stressig und zeitaufwendig ist. Mit langen An- und Abfahrten zum Arbeitsplatz bin ich meist 12 – 13 Stunden am Tag unterwegs. Da ich nun auch älter geworden bin, habe ich das Gefühl, ich halte das alles nicht mehr aus. Inzwischen geht es mir wieder richtig übel. Ich habe in den letzten 1 bis 2 Jahren auch diverse körperliche Probleme mit häufigen Magen- und Darm-Problemen, Kreislaufproblemen usw. Mit Hilfe meines Hausarztes wurde alles untersucht und keine Ursachen für diese Symptome festgestellt. Diese gesundheitlichen Probleme führen dazu, dass ich mich häufiger mal für ein paar Tage krank melde oder einfach morgens später anfange, weil es mir nicht gut geht und ich mir die lange Autofahrt gar nicht zutraue. All das hat aber nun auch zur Folge, dass sowohl meine Vorgesetzten, die ja vielleicht eine gewisse Dankbarkeit erwarten, weil sie mich vor weiterem Mobbing zu schützen versuchen, wie auch meine Kollegen, die ja durch meine Ausfallzeiten auch belastet sind, so langsam echt sauer auf mich werden. Leider geht es mir nicht so am Allerwertesten vorbei, wie dir, was die anderen über mich denken. Es belastet mich einfach. An einen beruflichen Aufstieg ist überhaupt nicht mehr zu denken. Der wurde mir einmal unter Hinweis auf meine frühere Erkrankung verwehrt und nun zum zweiten Mal unter Hinweis auf meine häufigen Ausfälle. Nun werde ich von einem jüngeren Kollegen überholt, der sich auch durch Klagen über meine Ausfälle bei meinen Vorgesetzten ins rechte Licht gerückt hat.

    Ich versuche inzwischen seit Monaten, ärztliche Hilfe zu bekommen. Mein Hausarzt hat mir ein leichtes Antidepressivum verschrieben und mich zunächst arbeitsunfähig geschrieben. Aber er ist auch der Meinung, ich sollte nach zwei bis drei Wochen wieder arbeiten gehen. Einen Termin bei einem Psychiater hatte ich im letzten Monat nach vier Monaten Wartezeit. Seine Diagnose lautet Depressionen, Angstzustände und Panikattacken aufgrund von Burnout. Er verschrieb mir ein Schlafmittel, damit ich wieder durchschlafen kann, und ein weiteres Antidepressivum. Der Meinung, dass ich arbeitsunfähig sein könnte, war er nicht. Er sagte, diese Diagnose reiche nicht für eine Arbeitsunfähigkeit aus. Ich solle die Medikamente nehmen, dann würde es schon besser werden. Mir geht es aber nur noch schlecht. Morgens ist mir übel, ich habe Magenschmerzen und Durchfälle, leide ständig unter Kopfschmerzen und Verspannungen und bin außerdem den ganzen Tag müde, weil ich nachts nicht durchschlafen kann. Die Schlafmittel nehme ich nicht, weil ich dadurch tagsüber noch müder werde. Nun bin ich wieder einmal von meinem Hausarzt krankgeschrieben, soll aber jetzt auch wieder anfangen zu arbeiten. Vielleicht liegt es ja an mir, aber ich habe einfach das Gefühl, ich kann das nicht mehr. Die Arbeit in einem Großraumbüro mit Kundenkontakten den ganzen Tag, ständigen Telefonaten dazwischen und dann noch die Bewältigung von Aufgaben, für die hohe Konzentration erforderlich ist, wo mir doch meine Konzentrationsfähigkeit auch abhanden gekommen ist.

    Ich selbst komme mir inzwischen vor, wie ein Drückeberger, weil kein Arzt bereit ist, meine Arbeitsunfähigkeit anzuerkennen, ich mich aber arbeitsunfähig fühle. Was soll ich nur machen? Ehrlich gesagt würde ich am liebsten die Rente beantragen, habe sowieso nicht einmal mehr 10 Jahre bis zur Rente. Aber das wäre auch unsozial. Ich weiß wirklich nicht mehr weiter.

    Dennoch vielen Dank für deinen Beitrag, der lässt mich hoffen, dass ich irgendwie noch mal einen Ausweg finde, wenn ich auch bisher nicht weiß, wie. Ich habe hier jetzt sehr viel geschrieben, sorry, aber das musste einfach mal raus, weil irgendwie niemand die Zeit hat, sich das alles anzuhören. Vielleicht habt ihr ja ein paar Tipps für mich.

    Lieben Gruß

    Ulla

    • nonanic sagte am :

      Das klingt katastrophal! Such dir dringend einen anderen Arzt, wenn du mit deinem nicht zufrieden bist, und er dich nicht weiter krankschreibt. Das ist doch kein Zustand, dass du diesen Job machen musst, wenn du nervlich dazu gar nicht in der Lage bist!
      Du bist kein Drückeberger, Arbeit, die so ist, wie du sie beschreibst, macht krank!
      Wenn das schon geht, dann beantrage die Rente. Oder geh erst mal in Reha oder in eine Klinik. Du musst das nicht aushalten, es muss doch einen Ausweg geben. Ich kenne das nur zu gut, dass einem die Arbeit fertig macht.
      Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass sich bald was ändert und wünsche dir viel Kraft!

  24. Jürgen sagte am :

    Bin zwei Jahre in Behandlung gewesen. Ich dachte ich habe es geschafft. Jetzt ist es wieder wie vorher. Angst und Ausweglosigkeit.

  25. Hallo,
    ich kann dich gut verstehen. Als ich deinen Bericht gelesen habe, habe ich mich wiedererkannt.
    Seit 2007 habe ich mit Depressionen zu tun. Habe Medikamente genommen und sollte zur Kur fahren.
    Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir eine Kur helfen könnte.
    Aber heute weiß ich es besser. Jedes einzelne Gespräch mit den Patienten und Psychologen hat mir gut getan.
    Ob das die Gruppengespräche waren in denen ich mich erst nach vielen Gesprächen öffnen konnte oder auch die Einzelgespräche. Die gesamte Therapiegestaltung, Ergotherapie und sportliche Betätigung.
    Ich habe auch viele Jahre nur funktioniert, habe mit meinen beiden Kindern alleine gelebt. Ohne Unterhalt und ohne jegliche Unterstützung. Der Tag, an dem sich dein Körper meldet und einfach nicht mehr kann, der kommt.
    Ich bin nach der Arbeit nach Hause, habe viel geschlafen, konnte an den Wochenenden nicht aufstehen und lag im Bett und habe nur geweint.
    Heute nehme ich auch weiter meine Medikamente (Antidepressiva und Schlafmittel) und muss noch 18 Monate arbeiten. Jeder einzelne Tag fällt mir schwer.
    Aber bis heute habe ich es nicht geschafft, offen darüber mit Kollegen zu sprechen. Nach der Kur habe ich mal Anlauf genommen, aber die Kollegin wollte davon nichts wissen. Ich kenne die Meinung vieler Menschen zu dieser Krankheit.
    Ich lebe heute alleine und sehr zurückgezogen. Bekannte habe ich kaum, weil mich niemand so mag wie ich jetzt bin.
    Ich kann nicht mehr lachen, geht nicht und worüber. Vielen Patienten ging es zur Kur ähnlich. Das Lachen geht nicht mehr.

    Ich wünsche euch allen, die von dieser furchtbaren Krankheit betroffen sind, alles Gute.

    Kannst du heute die Sonne sehen

    • nonanic sagte am :

      Liebe Heidrun,
      tut mir leid zu hören, dass du niemandem zum Reden hast. Leider ist es immer schwer, sich Gehör zu verschaffen, besonders, wenn man den Eindruck hat, dass sie das Gegenüber nicht für die Situation interessiert. Aber es bringt nichts, jemandem sein Wissen zum Thema aufdrängen zu wollen, der ignorant und desinteressiert ist. Gibt es in deiner Umgebung keine Selbsthilfegruppe? Vielleicht könntest du da Menschen treffen, denen es genauso geht? Oft gibt es beim Hausarzt Informationen darüber, frag doch mal nach. Oder beim Facharzt? Und wenn die Kur dir nicht ausgereicht hat, solltest du die Therapie vielleicht ambulant weiterführen?

      Alles Liebe,
      N.

  26. Stern221260 sagte am :

    Danke, dass du so offen uns deine Geschichte erzählst. Mein Vater hat sich das Leben genommen als ich 9 war. Er war gerade mal 38. keiner hat ihn verstanden. Außer ich. Und das damals mit 9 schon. Heute bin ich 25. und das Thema ist für mich immer wieder präsent. Habe schlimme Sachen erlebt. Und es gibt Wochen wo es mir sehr schlecht geht. Verhaltenstherapie hat fehl geschlagen. Ich Soll in eine Klinik. niemals. Ich Kämpfe. Für mein Sohn. Bin mit 16 schwanger geworden. Und er ist meine Sonne. Mein Grund zu Leben!

    • nonanic sagte am :

      Hallo Stern,
      wieso wehrst du dich so in eine Klinik zu gehen? Es ist nicht so, dass ich das nicht kenne. Ich habe mich jahrelang dagegen gesträubt, mich stationär behandeln zu lassen. Die Folge waren qualvolle Jahre, in denen ich mich so durchgeschleppt habe, bis ich dermaßen zusammengebrochen bin, dass es gar keinen anderen Ausweg mehr gab. Es gibt sogar Kliniken, die das Kind mit aufnehmen kann, sagte mein Arzt damals. Dennoch habe ich abgelehnt. 2009 war es soweit, ich war soweit unten, dass ich nicht mal mehr aufstehen konnte. Seither geht es mir sehr viel besser. Klar habe ich noch schlechte Phasen, und ich war auch wieder ein der Klinik letztes Jahr, aber es kam seither nie wieder soweit, dass handlungsunfähig war.
      Was du erlebt hast, ist furchtbar schlimm und keine Therapie wird dazu führen, dass du das vergessen kannst (diese Erwartung hatte ich zunächst), aber man kann lernen, damit zu leben.
      Es ist ein langer und schwerer Weg, den du nicht nur für deinen Sohn gehen solltest, sondern vor allem für dich, damit du siehst, dass das Leben auch gute Seiten haben kann.

      Liebe Grüße,
      N.

  27. Rose sagte am :

    Danke für Deine Offenheit. Ich kann Dein Erleben gut nachvollziehen, habe auch funktioniert, für mein Kind und die Arbeit- bis ich zusammenbrach, nicht mehr denken und sprechen konnte, ein Alptraum. Nach immer höherer Medikamentendosierung, langem Krankenhausaufenthalt, Psychotherapie, Ergotherapie warte ich darauf, seit 9 Monaten kranksein, arbeitsunfähig, daß es mir endlich besser geht. Ich kann immerhin schon 2Stunden aktiv sein, bevor mich die Müdigkeit wieder umwirft. Schlafen geht auch… aber wann gehts bergauf? Ich fühle mich in einer Zeitschleife gefangen….
    Ich muß zur Reha, meine Ärztin meint, ich soll dort gleich einen Rentenantrag stellen, an Arbeit ist gar nicht zu denken… wie lange hast Du aushalten müssen, bis es voran ging?

    • nonanic sagte am :

      Hallo Rose,
      es geht doch schon bergauf 😉 2 Stunden aktiv sein ist jede Menge. Ich war zu sowas lange nicht in der Lage. Schon einmal Treppen laufen hat mich so müde gemacht, dass ich erst mal wieder schlafen musste. Sieh mal, wie lange du funktioniert hast, bis zu zusammengebrochen bist. Meine Ärztin sagte mal zu mir, ich könne ja wohl nicht erwarten, dass das alles in Kürze erledigt sein wird, wenn ich jahrelang Raubbau an Körper und Seele betrieben habe. Ich spüre jetzt so langsam, dass ich immer öfter ein bisschen mehr Energie habe. Gestern ist mir aufgefallen, dass ich vergangene Woche nach der Arbeit an keinem einzigen Tag sofort nach Feierabend halbtot auf der Couch eingeschlafen bin, sondern wach bleiben konnte, bis es Zeit fürs Bett war. Das gab es seit Ewigkeiten nicht mehr.
      Ich verstehe sehr gut, was du mit der Zeitschleife meinst. Man hat das Gefühl, es tut sich nichts. Aber vieles fällt einem gar nicht mehr auf. Wichtig ist, dass man sich selbst nicht unter Druck setzt. In der Klinik habe ich auf oft gemosert, dass mir das alles viel zu lange dauert. Eine Schwester hat darauf immer das gleiche geantwortet: Es dauert so lange, wie es dauert!
      Gib dir Zeit. Egal wie lange. Das ist nicht absehbar und bei jedem Patienten anders. Versuch, dir was zu gönnen. Zeit für dich. Ausruhen. Lesen, spazieren gehen, Bewegung, eben das, was du gerne tust. (Am Anfang meiner Behandlung wusste ich nicht mehr mehr, was ich gerne tue, aber mittlerweile schon.)
      Ich muss nicht mehr perfekt sein. Meinem Haushalt sieht man das leider immer noch an, aber das ist eben so.
      Auch ich habe immer mal wieder schlechte Tage. Aber es ist so ein großes Stück besser geworden, damit hätte ich in meiner schweren Zeit überhaupt nicht gerechnet.
      Es dauert so lange, wie es dauert.
      Wenn du dir das zugestehst, bist du schon ein ganzes Stück weiter gekommen.

      Alles Gute für dich,
      N.

  28. solbinski@googlemail.com sagte am :

    Genau! Man muss immer funktionieren. Vllt auch das größte Problem, dass man nur für andere funktioniert 😉 dankeschön für diesen Text, hab gerade auch den ganzen Spass mit Medikation etc, depressiv bin ich seit der Kindheit. Auch schon einen Versuch hinter mir bin wieder aufgewacht…zum Glück hab ich gute Freunde, ich denke die sind auch viel wert

    MFG Sören

  29. solbinski@googlemail.com sagte am :

    Nur für sich, da macht man nichts…

  30. Marina sagte am :

    Hallo an alle, Hallo nonanic, vielen Dank für Deinen Bericht, der ein klein wenig Mut macht.
    Ich habe auch seit frühester Kindheit immer mal wieder leichte Depressionen kennenlernen dürfen. Es hatte immer etwas mit innerer Leere und Einsamkeitsgefühlen zu tun.
    Habe bisher 3 Therapien (Analyse, VT, und Gruppentherapie) ohne Erfolg absolviert. Trotzdem ging es immer irgendwie weiter.
    Habe irgendwann meinen Mann kennengelernt, einen Sohn bekommen und fühlte mich dadurch sehr sicher und aufgehoben. Die unangenehmen Gefühle kamen trotzdem ab und an wieder zum Vorschein, aber die Geborgenheit der Familie fing das einigermaßen auf.
    Irgendwann kamen dann zahlreiche körperliche Erkrankungen dazu, mit dem Ergebnis, dass ich seit 02/2014 befristet EU-berentet bin. Also ohne Beschäftigung.
    Der Supergau war dann im Nov. 2014, als mich mein Mann für eine neue Liebe nach 19 Jahren verließ. Mein Halt war weg.
    Nun lebe ich mit meinen 17 jährigen Sohn alleine und bei mir geht seit der Trennung nichts mehr. Die Depression ist voll durchgebrochen und ich danke jeden Tag, dass ich es nicht mehr aushalten kann. Es sind extrem schlimme Gefühle und körperliche Empfindungen, die mich handlungsunfähig machen. Kann auch nicht mehr für meinen Sohn sorgen, kaum noch aufstehen, einkaufen usw..
    Med. haben bisher nicht angesprochen, soll nun auch in eine Klinik. Davor habe ich so große Angst, weil ich dort mit der jetzt schon quälenden Einsamkeit, noch mehr konfrontiert werde. Außer meinem Mann habe ich keine Fam.ang..
    Ich bin nur noch sehr hoffnungslos, weil meine Lebensumstände ja nicht mehr zu ändern sind, doch genau die, sind meines Erachtens der Grund für diese Depression. Ich halte die Einsamkeit einfach nicht mehr aus.
    Bekannte gibt es noch eine Handvoll, aber die sind mit der Situation, verständlicherweise, auch überfordert. Und das schlimmste ist, dass ich weiß, dass nur ich mir selbst da raushelfen kann, doch ich schaffe es nicht!
    Sorry, mich kotzt mein Jammern selber an, doch es ist die erlebte Hölle.
    Liebe Gruße
    Marina

    • nonanic sagte am :

      Hallo Marina,

      du musst dich erst mal für gar nichts entschuldigen. Eine Depression ist eine Krankheit, und Patienten mit anderen Krankheiten entschuldigen sich ja auch nicht, dass sie krank geworden sind, weil das gar nicht notwendig ist <3.
      Du hast vermutlich eine reaktive Depression auf die ganzen Umstände und die ganze Trennungsgeschichte. Ich kenne das auch sehr gut. Das zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Gerade die Handlungsunfähigkeit und dass du nicht mehr aufstehen kannst, kommt mir sehr bekannt vor. Das ist schlimm, tut weh, man will aus dieser Situation einfach nur raus, kann aber nicht.
      Erst als ich so tief unten war, bei mir war das 2009, habe ich eingesehen, dass es besser ist, in eine Klinik zu gehen. Und ich hatte bis dahin schreckliche Angst davor. Es gab aber einfach keinen anderen Weg mehr. Ich kann deine Ängste verstehen. Aber: du wirst in der Klini nicht einsam sein. Dort sind unendlich viele "von unserer Sorte" 😉 und allen geht es so. Auch sie haben Angst, die meisten sind zum ersten mal dort. Ich habe in der Klinik Freunde kennengelernt, mit denen ich heute noch in Verbindung stehe. Genau diese Leute sind es, die einen verstehen, weil sie ja das selbe durchmachen. Außerdem wird erst mal alles von dir ferngehalten, du bist unter einer Käseglocke, musst keinen Haushalt schmeißen, kannst dich einfach fallen und dir helfen lassen. Du wirst erst mal keine Verantwortung haben. Man wird sich um DICH kümmern.
      Ich weiß, was du durchmachst. Es IST die Hölle. Und um da rauszukommen, solltest du vielleicht jede erdenkliche Hilfe annehmen, wieso also nicht in einer Klinik? Kann es noch schlimmer werden als die jetzige Hölle? Eher nicht 😉 Einen Versuch ist es allemal wert, oder?
      Ich habe mich viel zu lange gegen eine Behandlung in der Klinik gewehrt. Hätte ich gewusst, wie es mir helfen wird, wäre ich viel früher bereit gewesen, mir helfen zu lassen.
      Ich will hier keine Verpsrechungen machen, die ersten Tage in der Klinik wollte ich nach Hause. Mir hat das Kopfkissen nicht gepasst und dass die anderen Patienten gelacht haben, wo sie doch angeblich depressiv sind! Und ich wollte nicht zu den Zeiten essen, die vorgegeben waren, und überhaupt, was sollte die ganze Ruhe und Zeit, um erst mal anzukommen, damit konnte ich nichts anfangen. Und Ergotherapie?! WOZU? Ich konnte noch nie malen oder handwerken oder häkeln, ist doch alles scheiße!
      Am 2. Tag bin ich umgekippt, weil mir schwindlig war. Lt. Arzt eine Reaktion, weil ich gar nicht in der Klinik sein wollte.
      Man braucht ein paar Tage, bis man angekommen ist. Ist ja alles fremd, und man ist neu.
      Was soll ich sagen… ich habe mich eingelebt und kann mittlerweile sagen, es war einer der besten Sommer meines Lebens, als ich in der Klinik war.
      Ich habe unendlich viel über mich und über Depressionen gelernt, Freunde gefunden, neue Hobbies wie malen oder häkeln und vor allem Yoga.

      Bitte lehne es nicht ab. Versuch es. Lass dich fallen, lass dir helfen, lass zu, dass man sich um dich kümmert.
      Das Leben ist nicht vorbei, weil dein Mann sich von dir getrennt hat. Auch wenn du das glaubst. Ich verstehe dich sehr gut. Du kannst dir im Moment nicht vorstellen, dass es wieder anders werden kann.
      Aber das kann es!
      Wehr dich nicht gegen die Klinik. Mir hat die Behandlung dort das Leben gerettet.

      Ich wünsche dir alles, alles, alles erdenklich Gute! Es kann wirklich alles wieder gut werden!

      Liebe Grüße,
      nic

      • Marina sagte am :

        Hallo Nic,
        vielen Dank für Deine schnelle Reaktion. Deine Worte lassen mich wieder ein klein wenig hoffen. Auch ich denke oft an Suizid und will es meinem Sohn nicht zumuten und schon garnicht, dass mein untreuer Ehemann womöglich denkt, es wäre seinetwegen. Aber ich halte es wirklich kaum noch aus.

        Ich glaube, dass meine Depression viele Ursachen hat. Erst die körperlichen Symptome, dann meine unausgefüllte Zeit wegen der Berentung und schließlich die für mich unerwartete Trennung von dem Menschen, auf den ich mich immer verlassen konnte. Mein Mann, war leider auch gleichzeitig mein einzigster bester Freund. Hinzu kommt, dass ich schon immer latent Einsamkeitsgefühle hatte.

        Nun bin ich seit einen halben Jahr in einer Isolation gefangen und jede Minute ist eine Qual. Das schlimmste ist die Einsamkeit. Sie frisst mich auf.Keine Ziele, keine Perspektive, kein Halt mehr da und schon gar keinen Plan B. !

        Die wenigen Menschen um mich herum reagieren inzwischen mit dem von Dir bereits geschilderten Unverständnis oder versuchen meinen Zustand zu ignorieren. Wie gesagt, ich verstehe es sogar, denn was soll man dazu sagen, wenn ein erwachsener Mensch plötzlich nicht mehr klarkommt? Man kann ich nicht wirklich helfen!

        Habe natürlich Angst, dass selbst wenn sich mein Zustand durch den Klinikaufenthalt bessern sollte, ich ja wieder in mein neues altes Leben zurück muss und da wartet halt niemand auf mich.
        Kannst Du mir schreiben in welchen Krhs zu warst?
        Ich glaube, da muss man auch eine Menge Glück haben, um in die richtige (ist natürlich subjektiv) Klinik zu kommen.
        Ich danke Dir jedenfalls ganz doll für Dein Verständnis und habe gemerkt, dass Du weißt wovon ich berichte. Aua!
        Ganz liebe Grüße
        Marina

      • nonanic sagte am :

        Liebe Marina,

        ich habe dir eine Mail geschickt. Hast du die bekommen?
        Es ist immer ein langer Prozess, wenn man aus der Depression herauskommen will. Es ist nicht damit getan, mal eben in eine Klinik zu gehen und zu glauben, damit ist alles erledigt. Aber zumindest gibt es Ansätze, auf die man selbst vielleicht gar nicht gekommen wäre.
        Ich war auch in deiner Situation und kann alles nachvollziehen, was du schreibst.
        Wenn du möchtest, kannst du mich gerne privat anschreiben. Meine Emailadresse müsstest du jetzt haben.

  31. Marina sagte am :

    Hallo nochmal,
    kann man Dir auch eine persönliche Nachricht schicken?
    Ich möchte gerne von Deinen Erfahrungen profitieren.
    Ich sehe so viele Paralellen in unserer Geschichte. Auch mir helfen Bücher immer wieder kritische Augenblicke zu überstehen. Auch ich habe so eine üble Elterngeschichte in mir drin, die ich nicht verzeihen kann.
    Doch leider ist die Gesamtsituation momentan so schlimm, dass weder Bücher noch andere vom Verstand her angestrebte Rettungsversuche meinerseits nicht mehr funktionieren.
    Mit meinem Verstand kann ich hier nichts mehr retten.
    Ich habe das Gefühl total ausgeliefert zu sein.
    Nochmal liebe Grüße
    Marina

  32. Paul sagte am :

    Habe gerade deine Geschichte gelesen. Ich muss sagen du hast wirklich genau die richtigen Worte gefunden.
    Ich selbst leide seit Monaten an einer schweren Depression und ich empfinde genau was du beschreibst!

    Hilfe habe ich nach langer, sehr langer Zeit angenommen. Nun hoffe ich, dass ich damit den Weg aus dem Schatten wider finden kann.
    Es hat mir irgendwie gut getan deine Worte zu lesen und zu merken, dass ich nicht „verrückt“ werde.

    Danke und liebe Grüsse

    Paul

    • nonanic sagte am :

      Danke für deine Worte 🙂
      Es freut mich, dass ich dir Mut machen konnte. Genau das ist es, was einem in so einer Situation unheimlich fehlt.
      Es gibt auf jeden Fall einen Weg aus dem Schatten. Sie mögen vielleicht immer wieder kommen, besonders bei Menschen, die sehr empfindsam sind, sich manches viel mehr zu Herzen nehmen als andere und die schon sehr viel durchgemacht haben. Aber es kommt immer wieder die Sonne durch die Wolken.

      Du bist ganz und gar nicht verrückt. Vielleicht ist das Leben ein bisschen verrückt und nicht mehr an der Stelle, an der wir es gerne hätten. Vielleicht wird dir gezeit, wohin du es rücken musst, sei es mit deinen Gedanken, Einstellungen, mit denem Job oder Privatleben, damit es wieder an der richtigen Stelle sitzt.
      Für deinen Weg wünsche ich dir alles erdenklich Gute und viel Kraft.

      Liebe Grüße zurück,
      N.

      • Marina sagte am :

        Hallo Nonanic,
        leider habe ich Deinn E-Mail nicht bekommen. Kannst Du es vielleicht noch mal versuchen? Würde mich sehr darüber freuen.
        Ich bin momentan so verzweifelt und hoffnungslos, dass es wirklich kaum noch auszuhalten ist.
        Ich zittere und werde auch körperlich immer schwächer. Die Hölle fängt sofort nach dem Aufwachen an und hört nicht auf. Höchstens abends mal für 2 Stunden, wenn ich Glück habe.
        Ständig denke ich an Suizid, weil meine Seele schreit: “ ich halte es nicht mehr aus“. Ich hab`solche Angst schon kopfschüttelnd im „Irrenhaus“ zu landen.
        Ich möchte noch so gerne meinem Sohn eine gute Mutter sein.
        Doch obwohl ich bei klarem Verstand bin , geht das nicht mehr. Ständig kommen diese Verzweiflungsattacken, die er leider auch mitbekommt. Ich schäme mich so sehr dafür, für meine Schwachheit und Verzweiflung, die er mit ansehen muss.
        Ich fühle mich lebend gefangen.
        Gefangen in meiner Einsamkeit, meinen Ängsten,meinen Beklemmungen und in diesem fatalen Kreislauf von Verzweiflung .
        Ich weiß ja auch gar nicht mehr worauf ich hoffen soll.
        Denn wie gesagt, ich habe außer meinem Sohn wirklich nur noch ein paar Telefonbekanntschaften, schaffe es aber allein nicht mehr raus (wohin sollte ich gehen?), gerade noch zum Arzt. Samstag hab ich wie in Trance den Weg zum Supermarkt geschafft. Es war die Hölle. Die Kassiererin hat mir „ein schönes Wochenende“ gewünscht und sich über das tolle Wetter gefreut . Das alles tut mir so weh, weil niemand erahnt (und wenn?), wie es in mir aussieht (soll auch kein Vorwurf sein!). Dass ich mit niemanden das Wochenende verbringen kann. Kein Wochenende und auch sonst keinen Tag.
        In der Wohnung ist es aber auch nicht besser und nun auch noch das „grausame“ Sommerwetter ist noch eine Folter mehr.

        Es gibt nichts, was mir Freude macht oder mich motiviern kann (vorausgesetzt, es würde mir besser gehen). Leider war das, was ich gerne tat, alles mit meinem Mann verknüpft. Doch selbst, wenn das wieder ein Ziel sein könnte, würde es aus finanziellen Gründen sowieso nicht mehr allein möglich sein es auch allein zu tun. Also auch weg. Was bleibt da noch?
        Das ist doch kein Leben mehr. Auch nicht, wenn Therapie und Medikamente etwas lindern könnten, würde trotzdem nur ein leeres Leben übrig bleiben.

        Hallo Paul,
        welche Geschichte hat Dich in die Depression gebracht.
        Was tust Du, damit es Dir besser geht? Woraus schöpfst Du Hoffnung?
        Was hält Dich am Leben?
        Es tut mir so leid, dass Du auch diese Qualen durchstehen musst.

        Trotzdem natürlich ganz liebe Grüße
        von Marina

      • nonanic sagte am :

        Hallo Marina,
        ich schicke dir nochmal eine Mail. Sieh doch auch mal in deinem Spamordner nach.
        Alles, was du schreibst, können depressive Patienten nachvollziehen. Du siehst überhaupt kein Licht mehr und bist absolut hoffnungslos, kannst dir nicht vorstellen, dass sich das je wieder ändern wird. Und du fragst dich auch, wozu überhaupt. Was ebenfalls zu der Depression gehört. Ich weiß, ich kann dir jetzt sagen, was ich will, es wird bei dir alles nur zu Gegenargumenten führen.
        Auch, dass du an nichts Freude hast, gehört dazu. Man kann sich nicht mal mehr vorstellen, was Spaß machen könnte. Deshalb nochmal mein Rat: geh in eine Klinik! Lass dir helfen. Im Internet wirst du keine Hilfe finden, die aktiv etwas bewirken kann. Man kann dir Tipps geben und schreiben, dass man dich versteht, aber das ersetzt keine professionelle Hilfe im realen Leben. Es ist absolut wichtig und unabdingbar, dass du handelst, so schwer dir das fällt! Es ist überlebenswichtig! Bitte geh dringend zum Arzt und lass dich einweisen! Ich bin kein Arzt und kein Therapeut. Alle guten Tipps, die ich dir geben kann, werden jetzt bei dir nicht ankommen. Und wenn ich dir sage, dass es bei mir ganz genauso war, wirst du mir nicht glauben, weil du fest davon überzeugt bist, es kann dir niemals wieder besser gehen. Ich mache mir wirklich große Sorgen, Marina. Such nicht weiter im Internet nach Lösungen, die gibt es nur, wo man dir aktiv und real hilft. Glaub mir wenigstens, dass dieser Schritt, wirklich, wirklich wichtig ist. Mir ging es ganz genauso wie dir, ich wusste immer ein Argument, dass ja eh nichts hilft und ich allein bin und wozu das alles. Aber es wird wieder besser werden! Du MUSST aber dringend diesen Schritt gehen und dir helfen lassen.
        Alles Liebe,
        nic

  33. Marina sagte am :

    was bedeuetet „mein Kommentar muss noch freigeschaltet werden?
    Marina

    • nonanic sagte am :

      Hallo Marina,
      das heißt, dass ich deinen Beitrag erst genehmigen muss, bevor er für alle sichtbar ist. Damit nicht jeder einfach kommentieren kann, habe ich diese Funktion hier in meinem Blog, weil oft ziemlich dumme Kommentare dabei sind von Menschen, die nicht besonders nett sind.

  34. Paul sagte am :

    Hallo Marina (und auch alle anderen),

    bei mir war es das Arbeitsumfeld. Meine Arbeit habe ich sehr gerne gemacht, ich war sehr gut darin (wurde mir mehrfach bestätigt), jedoch hatte ich ein zu loses Mundwerk. Ich scheue mich halt nicht bis zur höchsten Ebene innerhalb der Firma meine Kritik anzubringen und auf Missstände hinzuweisen, sowie Änderungs- und Lösungsvorschläge anzubringen.
    Das hat mir bisher leider nicht viel gebracht, im Gegenteil ich wurde bei Stellenbesetzungen und Beförderungen systematisch übergangen.
    Da mich dies jedoch keineswegs hat leiser werden lassen, wurde ich in den letzten 2-3 Jahren von meinen Vorgesetzten immer schlechter Qualifiziert. Zuletzt erhielt ich ohne jegliche Vorankündigung eine Zwischenqualifikation in der ich mit dem schechtesten Wert der möglich war benotet wurde. Man hat mir nahe gelegt nun endlich zu schweigen, denn sonst müssten weitere Massnahmen bis hin zur Kündigung in Betracht gezogen werden.
    Ich habe seit Jahren alle Warnzeichen (Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, usw.) ignoriert. Erst als meine rechte Hand unkontrolliert zu zittern begann, ging ich zum Arzt und anschliessend in eine Therapie bei einer Psychiaterin welche nach wie vor andauert.

    Ich bin jetzt seit 4 Monaten krankgeschrieben und die Abwesenheit vom Krankheitsauslösenden Umfeld hat eine erste Verbesserung gebracht.
    Ich darf dabei nie vergessen wie knapp ich vor dem Suizid stand. Zuerst bin ich erschrocken, als ich gemerkt habe dass ich dazu bereit war mir das Leben zu nehmen. Jedoch zeigte sich dieser Weg für mich (vor der Therapie) mehr und mehr als mögliche Lösung.
    Davon bin ich nun sicherlich wieder einen grossen Schritt entfernt, jedoch bin ich noch lange nicht aus der Depression heraus.

    Was tun damit es besser geht? Erkennen und akzeptieren, dass du krank bist! Ich konnte das lange nicht. Den ersten Monat hab ich nur herumgelegen und geschlafen. Danach brauchte es riesige Überwindung mich nur für die kleinsten, alltäglichen Dinge in Gang zu kriegen. Wichtig wäre es, nur das zu tun was dir Spass macht (nur macht einem in dieser Situation eben nichts Spass) und was dir gut tut.
    Was mich am Leben hält ist schwer zu sagen. Aber wie auch schon gesagt wurde ist es ja nicht der Wunsch zu sterben, sondern die momentane Lebenssituation zu beenden, der einen Menschen mit Depressionen in den Suizid treibt. Diesen Unterschied kann ein Mensch ohne Depressionen kaum verstehen, er ist aber da.
    Ich musste halt erkennen bzw. daran glauben lernen, dass ich eine Änderung meiner Lebenssituation auch auf andere Art und Weise herbeiführen kann. Dazu bedarf es aber unbedingt professionelle Hilfe. Ich selbst habe auch zu lange gewartet und sehr spät Hilfe angenommen (zum Glück nicht zu spät).

    Marina, die Situation die du beschreibst kenne ich sehr gut, ich habe sie auch durchlebt. Ich hätte ohne Hilfe nie mehr rausgefunden! Ich empfehle dir dringend diesen Schritt zu machen. Lies die Texte von Nonanic bewusst und aufmerksam durch, diese Worte treffen den Nagel auf den Kopf!

    Du bist nicht alleine auf der Welt, viele andere leiden an der gleichen Krankheit und ebenso viele haben sicherlich den Weg aus der Depression gefunden.
    Lass dir von Profis helfen und bleib am Ball, denn es wird lange dauern. Ich selbst habe am Anfang mit 2 Monaten „gerechnet“, nun sind es schon 4 Monate und das Ende ist noch nicht in Sicht. Ich kann aber zunehmend besser mit meiner Situation umgehen und akzeptieren, dass es im Moment nun mal so ist. Ich verzeichne immer ein wenig Verbesserung, ab und zu auch kleine bis mittlere Rückschläge, aber es ist immens wichtig trotzdem immer dran zu bleiben!

    Marina ich hoffe du kannst dich überwinden diesen Schritt zu gehen und findest echte (nicht nur Internet) Hilfe.
    Auch wenn du dir (wie ich am Anfang auch) vielleicht nichts davon versprichst, oder glaubst dass eh nichts hilft, mach es trotzdem und nimm dir dazu soviel Zeit wie es nun mal braucht, es geht viel länger als man denkt und das ist auch gut so!

    Alles liebe und viel Erfolg.

    Gruss Paul

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