nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Archiv für den Monat “Januar, 2013”

Wenn es am schönsten ist, soll man gehen

…. heißt es eigentlich.
Für mich heißt es, seit gestern ist es am schlimmsten, so schlimm wie noch nie in meiner ganzen Internetlaufbahn.
Daher brauche ich eine Pause. Die Aufschrei-Debatte ist dermaßen aus den Fugen geraten, das kann ich nicht mehr ertragen. Oder sie ist nicht aus den Fugen geraten, und unendlich viele Hater zeigen einfach nur ihr wahres Gesicht.
Und andererseits übertreiben manche Frauen mit wirklich lachhaften Beispielen, die die ganze Aktion zu einem Witz verkommen lassen.
Ich finde das schrecklich. Nicht zuletzt, weil auch ich damit anfange, zurück zu hassen. Das will ich nicht. Aber gute Worte und Bitten um Verständnis bringen nichts mehr.
Mir fällt nichts mehr ein, was für die Öffentlichkeit gemacht wäre.
Mehr Outing ist von meiner Seite nicht drin.
Ich will zur Ruhe kommen, den Klos im Hals loswerden, ein anderes Ventil für meine Wut suchen, mit der sich alles in mir angefüllt hat, was seit gestern triggert. Es mag der falsche Weg sein, aber derzeit kann ich nicht anders reagieren.
Mein Kopf fühlt sich an, als sei er kurz vorm Platzen, dauernd bin ich kurz davor, mit den Tränen zu kämpfen. Nicht nur wegen Erinnerungen, auch wegen der vielen ungerechten, miesen, widerwärtigen, menschenverachtenden Äußerungen von Twitterern. Beiderlei Geschlechts wohlgemerkt, aber hauptsächlich von Männern.
Ich frage mich, wie ich trotz beschissener Erlebnisse so stark werden konnte, andererseits sehe ich, dass ich nun an meine Grenzen gekommen bin. Wegen sowas! Eigentlich lächerlich, sollte man glauben.

Nun, glaubt, was ihr wollt.

Ich brauche eine Pause.

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Sexismus und euer Umgang damit

Ein Aufschrei geht durch die Twitterwelt. In meinem letzten Beitrag habe auch ich meinen Senf dazu gegeben.
Was mittlerweile aus dem Thema geworden ist, bzw. was viele Twitterer daraus gemacht haben und immer noch machen, erschüttert mich. Ich bin so stinksauer, mein Blutdruck ist vermutlich höher, als der Kölner Dom.
Wie könnt ihr es wagen, dieses Thema so verkommen zu lassen und so miteinander umzugehen?
Da werden zynische Tweets geschrieben, alles in einem Topf geworfen, von der einen wie von der anderen Seite, und was mich absolut rasend macht, sind Idioten, die jetzt aus ihren Löchern gekrochen kommen und Scheißdreck absondern, der sich gewaschen hat! Da ist vom Opfer-Abo die Rede und davon, dass bei einer Vergewaltigung oder Nötigung immer beide Seiten dran Schuld sind. Ja, habt ihr denn noch alle Tassen im Schrank? Wie haben eure Eltern euch erzogen?
In meinem Beitrag von heute Morgen schreibe ich von beiden Seiten. Dass man aufpassen muss, dass auch für Männer oder Jungs gilt, dass sie jedes Recht haben, sich zu wehren, wenn sie sich belästigt fühlen.
Genauso finde ich Frauen, die sich einerseits in der Opferrolle sehen, andererseits aber darüber twittern, wie unterfickt sie sind, nicht nur unglaubwürdig, sondern erbärmlich.
Niemand hat alle Männer über einen Kamm geschoren. Es wurde verdeutlicht, dass nicht alle Männer Monster sind, dass, im Gegenteil, die Mehrzahl der Männer tolle Kerle sind, die Frauen respektvoll behandeln.
Es sollte auf das Problem hingewiesen werden, das zweifelsohne besteht, und dass Frauen belästigt, gedemütigt, genötigt werden, und das darüber viele überhaupt nicht bescheid wissen.

Und nun muss man mit ansehen, wie sich ein Krieg entwickelt!
Den Kerlen, die Frauen die Schuld an Vergewaltigungen geben, möchte ich ins Gesicht spucken und wünsche ihnen die Pest an den Hals. Ihr seid arme Würste, vermutlich hattet ihr eine schlechte Kindheit und eine dominante Mutter, oder was? Mir platzt so dermaßen der Kragen, ich kann mich gar nicht wieder einkriegen!
Ich lese nichts mehr von Toleranz und Akzeptanz, sogar Frauen machen mittlerweile mit und hetzen über ihre Geschlechtsgenossinnen! Ich finde euch widerlich und erbärmlich. Ihr seid unmenschlich und dumm, ich kann nicht begreifen, wie man sich über so ein Thema lustig machen kann, es in den Dreck zieht, nicht mehr differenziert.

Wenn eine Frau nein sagt, meint sie nein!
Wenn ein Mann nein sagt, meint er nein!
Beide Seiten sind widerlich, wenn sie von einem anderen Menschen etwas verlangen, ihm etwas aufdrängen, was er oder sie nicht will!

Und jetzt geht’s los… jetzt kann man sich bei Twitter mal so richtig Luft machen, und es den Schlampen heimzahlen, was? Typen, die keine Argumente haben, kommen mit der Opfer-Abo-Keule. Möchten Frauen nach Ägypten oder sonst wohin schicken, damit sie mal sehen, was Sexismus wirklich heißt. Mir kommt das Kotzen!
Habt ihr euer Hirn versoffen, oder seid ihr so verbittert, weil ihr bisher nicht bei einer klasse Frau landen konntet, oder was?

Sexismus ist immer scheiße! Es ist scheiße, wenn Typen grapschen, es ist scheiße, wenn Frauen das tun.
Ich erziehe meine Tochter genauso zu Respekt gegenüber anderen, wie für sich selbst, wie ich meinen Neffen erkläre, dass sie es sich nicht gefallen lassen müssen, wenn Mitschülerinnern dauernd versuchen, sie zu küssen, obwohl die Jungs das nicht wollen.

Respekt für die Mitmenschen geht einigen wohl total ab. Wie traurig. Wie erbärmlich.
Danke an all diejenigen, die ehrlich Anteil genommen haben an dem Thema Seximus, die nicht schwarz-weiß sehen und sich wirklich Gedanken dazu machen, sogar umdenken!
Allen, die Witze darüber reißen und bösartige Kommentare abgesondert haben, möchte ich ein gepflegtes ‚fickt euch ins Knie‘ mitgeben.
Und alle Typen, die weiter belästigen, angrapschen, verängstigen oder sogar drohen: vergesst nicht, man trifft sich immer zweimal im Leben. Irgendwann kommt ihr hoffentlich an ein Gegenüber, das euch zeigt, dass ihr nichts mehr zu lachen habt.

Gedanken zum Aufschrei

Auch ich kann meine Finger nicht mehr still halten, und muss meinen Senf dazu geben.

Es geht auch bei mir seit gestern hauptsächlich um das Thema, das heute bei Twitter aktuell ist und unter dem Hashtag „Aufschrei“ Beachtung findet.

Mir dreht sich zeitweise der Magen um. Häme ist hier unangebracht! Aber Diskussionen und die Bitte um Verständnis bringen scheinbar nichts. Alteingefahrene Denkweisen verhindern, dass alle jene Frauen verstehen, die sich verletzt und beschmutzt fühlen, und die leider, leider, eure gutgemeinten Ratschläge wie „wehrt euch, wenn euch jemand blöd anmacht“, nicht ohne weiteres umsetzen können.

Ich bin ganz froh, behaupten zu können, dass mittlerweile jeder, der mich blöd anmacht, verbal dermaßen eine in die Fresse bekommt, dass ihm hören und sehen vergeht. Und ich würde auch nicht davor zurück schrecken, zuzuschlagen, wenn es sein muss.
Aber bis dahin war es ein weiter Weg.
Mag sein, dass es u.a. am Alter liegt, oder daran, wie mein bisheriger Lebensweg ausgesehen hat.
Leider haben solche Anmachen von Kotzbrocken zu meinem Alltag gehört. Die Schuld habe ich sogar oft bei mir gesucht. Ich war mal ganz nett anzusehen, sehr schlank, lange Mähne, und was Männern eben sonst noch gleich ins Auge fällt. Mag sein, dass auch ich mich mehr über mein Aussehen definiert habe, als das mittlerweile der Fall ist. Leider hat das damals zu meinem Selbstbewusstsein nicht viel beigetragen.
Oft hätte ich dem Pisser, der mir Widerlichkeiten nachgerufen, mir nachgepfiffen, dämliche Emails geschickt oder unmissverständliche Angebote zugeraunt hat, am liebsten vor die Füße gekotzt. Aber man wurde gut erzogen. Zum Mädchen, das nicht aufmuckt.

Ängstlichkeit, Schwäche, Zurückhaltung, und schlechte Erfahrungen, (mitunter gefährliche oder lebensbedrohliche) lassen sich nicht einfach mal mit einem „Wehr dich halt“ wegpusten und vergessen machen.

Dazu gehört mehr.

Natürlich würde ich die Mädchen und Frauen, die sich nicht trauen, zu einem Typen zu sagen, dass man ihm gleich seine dicken Eier abreißt und von einem LKW überfahren lässt, wenn er nicht den verdienten Respekt zeigt, an die Hand nehmen und ihnen zeigen wie das geht.

Aber so funktioniert das nun mal nicht.

Man muss schon auch bereit sein, sich als frigide Kuh beschimpfen zu lassen, oder als Lesbe, der man mal wieder zeigen muss, wie das ist, einen richtigen Mann zu haben.

Was auch immer dazu geführt hat, dass ihr euch nicht traut, euch zur Wehr zu setzen, muss behoben werden!
Nur dann kann man die Sache angehen. Wie diese Hilfe aussieht, muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Selbstverteidigungskurse, Therapie, Erfahrungsaustausch, und, und, und.

Stärkt euch! Ihr müsst keine Kampfmaschine werden, um auszustrahlen, dass ihr Respekt verdient habt und dass euch was nicht passt!
Lernt laut NEIN! zu sagen und zu zeigen, dass ihr es ernst meint, auch die Körperhaltung muss das austrahlen. Ein Nein flüstern oder weglachen nimmt niemand ernst! Auch ich musste das lernen.

Steht selbst zu euch und hinter euch. Duckt euch nicht!

All diese Tipps werden euch nicht helfen und euch nicht stärker machen und nicht euer Problem lösen, aber vielleicht einen kleinen Denkanstoß liefern, hoffe ich.

Es ist sehr schade, aber ihr könnt euch nicht auf die Gesellschaft verlassen, und darauf, dass jemand kommt, und euch in jeder Situation beschützt. Ihr müsst das selbst in die Hand nehmen! Auch wenn zu hoffen bleibt, dass die Menschheit irgendwann sensibler reagiert.

Was die männliche Seite angeht: ich habe keinen einzigen Bekannten in meinem privaten Umfeld, der so eine idiotische Einstellung Frauen gegenüber hat, die wenigsten Frauen umgeben sich freiwillig mit solchen Widerlingen.
Hört also auf, zu flennen und zu behaupten, wir scheren alle Männer über einen Kamm! Sorgt lieber dafür, dass eure Kumpanen, die solche Anwandlungen zeigen, darüber aufgeklärt werden, wie sehr frau sich von sowas angegriffen und beleidigt, sogar gedemütigt fühlt! Greift ein, wenn ihr sowas mitbekommt. Und hört auf, euch darüber lustig zu machen. Nehmt das ernst, verdammt nochmal!

Mit einem kurzen Diskurs will ich noch ein Beispiel dafür bringen, dass es dieses Phänomen auch umgekehrt gibt:
Ein Azubi kam vor einigen Jahren zu mir und hat mir berichtet, dass er sich von einer älteren Kollegin belästigt fühlt, weil sie ihn ständig anmacht, ihm Anzüglichkeiten zuflüstert, etc. Ich habe die Sache mit ihm und der Frau geklärt, und ihr versichert, dass ich als Zeugin für den Jungen aussagen werde, wenn sie das nicht sein lässt. Seither kam sowas nicht mehr vor.

Und jetzt ein paar Anekdoten der noch eher harmoseren Art aus meinem Leben zum Thema:
Ich war vor Jahren mit Freundinnen unterwegs in einer Disco. Der Türsteher sprach mich an, und ich bat ihn freundlich, das gesagte zu wiederholen, weil ich ihn nicht verstanden hatte. Er sagte zu mir: „Du musst dich einfach nur hinknien und den Mund ganz weit aufmachen.“
Nach etwa einer Sekunde, als mein Hirn umgesetzt hatte, was der Typ da abgelassen hat, BIN ICH SOWAS VON AUSGERASTET…. Ich habe ihn dermaßen zur Sau gemacht, dass er das sein Lebtag nicht mehr vergessen wird. Ich wollte den Geschäftsführer sprechen, nachdem ich mit diesem Lappen fertig war. Ergebnis: Freier Eintritt, Getränke frei. Winselnde Entschuldigungen.
Ob die hinter meinem Rücken dann über mich gelästert haben, war mir egal. Ich hatte mich gewehrt, und zwar nicht zu knapp! Tolles Gefühl!

Nächste: Ich trug früher am liebsten Kleider und Röcke. Das hat sich mittlerweile geändert. Man sieht mich selten in etwas anderem, als Jeans. Dennoch habe ich ab und an die Anwandlung, mich etwas weiblicher anzuziehen. Ich komme in Rock und Pumps zur Arbeit, da hagelt es von ersten Kollegen gleich Emails. „Wow, diese Beine machen mich verrückt, wie soll ich da arbeiten? Mir ist schon ganz heiß… laberlaber“ Aus einem anderen Büro ertönt affiges Gebrüll vom nächsten Kollegen: „Heute hat sie es wohl drauf angelegt…“ WORAUF GENAU? Ich rufe den Kollegen über den Flur zu, dass ich gleich mal einen Rundruf starte und bei den Ehefrauen anrufe, denen ich dann vom Benehmen ihrer notgeilen Penner auf der Arbeit erzähle. Ruhe kehrt ein. Aber muss sowas denn sein?

Noch einer: Der Freund meines Ex gräbt mich an. Eindeutige und sehr aufdringliche Angebote lehne ich ab. Er will nicht akzeptieren, dass ich kein Interesse an ihm habe, ein Nein will er nicht gelten lassen. Die ganze Nacht werde ich mit SMS bombardiert. „Du blöde Nutte“ ist unter anderem eine der Bezeichnungen, die ich lesen muss.
„Gut, dass ich deinen ganzen Schrott schriftlich habe. Übertreib es weiter, und ich zeige dich wegen Stalking an.“
Ende.

Drei Beispiele, in denen ich mich gewehrt habe. Glücklicherweise mit Erfolg.

Weitaus unangenehmer sind andere Vorfälle gewesen:

– Als Mädchen jedem alten Sack zeigen müssen, wie schön man Küsschen geben kann. Meine Brüder mussten das nicht.

– Als Krankenschwester zum Dank dafür, dass man dem alten Mann den Hintern abgewischt hat, an Brüsten oder Hintern betatscht werden.

– Einen Zettel unterm Scheibenwischer finden, auf dem detailliert aufgeführt wird, dass man dich beobachtet hat und was man gerne mit dir machen würde u.a., dass man sich wünscht, von dir angepinkelt zu werden.

– Auf einem Straßenfest vom dörflichen Cliquenchef begrapscht werden, der gröhlt, dass er dich auch noch kriegt, und versucht, dir seine Zunge in dem Mund zu stecken. Seine Anhänger stehen dabei und greifen nicht ein. Erst, als ich ihm ins Gesicht geboxt habe, lässt er ab.

– Nachts durch die Stadt laufen und von einem Typen verfolgt werden, der schon seine Kumpels anruft, um ihnen zu sagen, dass sie kommen sollen, er habe Nachschub gefunden. In dieser Situation konnte ich ihn mit Schlüsseln zwischen meinen Fingern und meine Freundin mit Pfefferspray vertreiben.

– Silvester in Berlin am Brandenburger Tor. In der Menge von einem Rudel Typen bedrängt werden, die mir und meiner Freundin gezielt zwischen die Beine fassen. Zumindest einem konnte ich mit einer Plastikgabel davon überzeugen, das sein zu lassen. Ich hoffe, er hat Narben, die ihn daran erinnern, dass er ein Arschloch ist.

Nur ein paar wenige Beispiele. Schriebe ich über alle, würde das den Rahmen sprengen.
Aus allen o.g. Situationen konnte ich mich retten und mich wehren. Leider gab es auch andere.
Wie erwähnt, manchmal kann man sich wehren, manche Frauen können sich wehren. Bei weitem nicht alle. Schockierend ist jede Situation. Zumindest für mich. Ich bin nicht abgebrüht genug, dass mich das kalt lässt, wenn mich einer blöd anlabert.

Beim Wehren (können) spielt auch die Tagesform eine Rolle. Manchmal ist man so wütend, dass man ohne mit der Wimper zu zucken den Mistkerl zerfleischen würde, an anderen Tagen ist einem danach, in Tränen auszubrechen, wenn man im Rock zur Arbeit kommt und anzügliche Äußerungen zu hören bekommt. Wobei man Frauen durchaus zutrauen kann, dass sie differenzieren können zwischen einem nett gemeinten Kompliment und dem geistigen Dünnschiss eines notgeilen Vorstadtaffen, der gerade mal aufrecht gehen kann, mehr aber auch nicht.

Es tut mir unendlich leid, wenn ich von jungen Frauen lese, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen und Angst haben, oder weinen, sich beschmutzt fühlen, etc., wenn ein Widerling ihnen zu nahe tritt.

Ich wünsche euch wirklich, dass ihr aus diesem Teufelskreis herausfindet. Nicht zuletzt, weil ich auch eine Tochter habe. Auch ihr ist sowas schon passiert. Sie kann zum Glück anders damit umgehen und feuert passend zurück. Ich wünsche mir und ihr, dass das so bleibt und sie immer diese Stärke haben wird. Ich hoffe, dass sie sich immer daran erinnern wird, was ich ihr beigebracht habe.

Aber nicht alle Mädchen sind gleich. Jede Frau hat das Recht, für sich selbst zu entscheiden, wann und von wem sie sich widerlich angemacht oder belästigt fühlt. Und NIEMAND hat das Recht, das in Frage zu stellen oder herunter zu spielen.
Nicht alle Menschen sind gleich. Und niemand behauptet, alle Männer sind gleich.

Also macht eure Augen auf, schärft eure Sinne, Männlein wie Weiblein.

Ich weiß, dass mein Ton scharf ist und von manchen für unangebracht angesehen wird. Aber ich bin es leid. Ich bin es leid, immer brav um Verständnis zu bitten, weil das überhaupt nichts bringt. Ich bin wütend und werde mit jedem Aufschrei wütender.

Alles Gute.

Hier noch einige Beipiele anderer Schreiberinnen:

von meet_lisa

von NiniaLaGrande

Aufschreisammlung

Ich will meine Ruhe nicht, nein, meine Ruhe will ich nicht!

Es ist Sonntag. Herrlich. Man hat Zeit, die man verbummeln könnte, einfach mal nichts tun.
Und nach 5 Minuten wird man nervös. Scheiße, was fange ich mit der Zeit an? Ich könnte putzen. Die Steuer machen. Einen Kuchen backen. Oder doch noch kurz ins Büro fahren?

Kennta?
Wenn ja… autsch.
Warum werdet ihr nervös? Weil es ruhig ist? Weil man unbeschäftigt Zeit zum Nachdenken hat? Weil man mit Nichtstun gar nicht mehr anfangen kann?
Ich kenne das. Von früher.
Vollzeitjob, Kind, nebenberufliche Ausbildung, Hausbau, Nebenjob, Umzug. Vorfreude darauf, wenn endlich alles geschafft ist, nur noch das Leben zu genießen.
Das Haus war gebaut. Ein kleines bißchen Freude. Der Umzug war erledigt. Ok.
Die Prüfung war geschafft. Aber jetzt muss doch alles gut werden.
Die Erleichterung kam nicht. Na gut, noch ein paar Wochen, bis du dich dran gewöhnt hast. Abende ohne lernen zu müssen. Der Haushalt erledigt, alles geputzt. Das Kind hatte Papa-Wochenende. Und ich? Die Ruhe kam nicht. Die Nervosität wurde schlimmer. Alle Ziele erreicht. Und jetzt? Keine Aufgabe mehr, kein Ziel, auf das man hinarbeiten kann. Alle Zeit war immer verplant. Fürs Kind, für die Arbeit, für die Ausbildung, für das Haus.
Ich hatte vergessen, wie das ist, Zeit mit mir selbst zu verbringen. Und zu machen, was Spaß macht. Was hatte mir überhaupt jemals Spaß gemacht? Mir fiel nichts ein. Gar nichts. Ich dachte nur noch nach, und hatte dabei nicht mal im Griff, worüber ich nachdenken wollte. Mit dem Hausbau hatte ich mir Schulden aufgebürdet. Würde ich das alleine schaffen? Was, wenn ich arbeitslos werde? Die Raten nicht mehr zahlen könnte? Wir auf der Straße landen? Meinem Kind was passiert? Wenn mir was passiert, was wäre mit dem Kind? Bin ich gegen alle Fälle versichert? Ist das Kind abgesichert? Was, wenn das Haus abbrennt? Es ein Unwetter gibt? Was, wenn Oma stirbt, Aliens kommen, ich ersticke, einen Unfall habe, gelähmt bin, das Kind krank wird? Was, wenn die Welt untergeht?

Die Abwärtsspirale hatte schleichend begonnen, sich zu drehen, und es war mir nicht möglich, das aufzuhalten. Ich war sicher, so fühlt es sich an, wenn man verrückt wird.
Den Rest kennt man aus den vorigen Beiträgen.

Kommt euch das bekannt vor?
Könnt ihr mit eurer Zeit nichts anfangen?
Seid ihr unruhig und macht euch ständig Sorgen, wenn euch nichts anderes ablenkt?
Oder geht es euch gut dabei, wenn ihr Zeit für euch habt?
Könnt ihr es genießen, wenn niemand euch in Anspruch nimmt, und ihr tun könnt, was ihr wollt? Habt ihr Hobbies, die euch Spaß machen? Fühlt ihr euch ausgeglichen?
Ich habe es wieder lernen müssen. Das geht wirklich.
Ich genieße jede freie Minute.
Ich will nicht den Teufel an die Wand malen. Aber vielleicht ist es bei dem ein oder anderen ein Alarmsignal, wenn man fahrig versucht, jede freie Minute auszufüllen, zu verplanen, zu arbeiten.

Einen schönen Sonntag allen.

Niemand versteht mich….

… und ich bin der einzige Mensch auf der Welt, dem es so geht. Ich bin anders als andere.

Das denkt nahezu jeder Depressive. Das dachte ich auch, bis ich in die Klinik kam und viele andere kennenlernte, die der gleichen Meinung waren. Bis sie in die Klinik kamen und andere Depressive kennenlernten.
Die Erkenntnis darüber, eben nicht der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der sich so fühlt, dass es Menschen gibt, denen es genauso geht, die einen verstehen, hat eine Erleichterung mit sich gebracht.
Daher seid euch gewiss: Ihr seid nicht allein mit der Depression! Es gibt unzählige Leidensgenossen. Ihr seid nicht anders, und auf keinen Fall weniger wert als andere Menschen!
Es gibt Leute, die euch verstehen, und die die gleichen Gedanken und Seelenschmerzen haben, wie ihr sie habt. Wenn ihr erst mal aus euch rausgeht und mit anderen Depressiven sprecht, werdet ihr euch wundern, wie viele wir sind.
Viel Kraft fürs Ausbrechen aus dem Dunkel.

Gute Nacht.

Keine Angst vor Antidepressiva

Hallo, ihr Lieben.

Wie im vorletzten Post erwähnt, wurde ich vor einigen Wochen auf ein anderes Depressivum eingestellt (Venlafaxin), weil die alten Tabletten, die ich 3,5 Jahre genommen hatte, keine Wirkung mehr zeigten, und ich auf dem Weg war, wieder in eine Depression zu rutschen. Mittlerweile hat sich das alles ganz gut eingependelt. Die Nebenwirkungen, mit denen ich die ersten zwei, drei Wochen zu kämpfen hatte, sind gänzlich verschwunden. Übelkeit, Schwindel, Bauchschmerzen, alles weg.
Dafür zeigen die Tabletten eine andere, enorme Wirkung. Nicht nur mir selbst, vor allem Freunden fällt auf, dass ich nicht mehr aggressiv bin. Das war auch eins meiner größten Probleme. Es hat nicht viel gebraucht, mich zum Aurasten zu bringen, vorrangig haben sich diese Aggressionen erst mal gegen mich selbst gerichtet. Dann auch gegen andere, was sich im Umgang gezeigt hat. Biestige Antworten. Rückzug, die Tendenz, dass mich alle am besten am Arsch lecken mögen. Ich wollte nur schlafen, hatte keine Kraft und keine Energie mehr, grübeln war an der Tagesordnung, Konzentration unmöglich.
Jetzt bin ich ruhiger geworden. Fühle mich nicht mehr, als sei ich kurz vorm Zusammenbruch, kann mich besser konzentrieren, bin wacher und nicht mehr dauermüde, kann meine Arbeit besser erledigen, habe mehr Energie.
Ich bin überaus froh und dankbar, dass mein Leben jetzt wieder mehr Qualität hat. Dass ich wieder Interesse an allem möglichen zeige. Mich nicht mehr durch die Tage kämpfen muss, nicht mehr sofort schlafen muss, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, und vor allem, dass ich meine Arbeit schaffe, mich darauf konzentrieren kann, kurz: dass ich wieder zurück bin.
Für einen Depressiven, der mehr als sein halbes Leben mit all den bekannten Symptomen zu kämpfen hatte, ist ein Stück weit Normalität, wie sie andere kennen, schlichtweg das Paradies.

Jaja, ich höre die Unkenrufe der Medikamentengegner…. Aber ich bin nun mal ein Befürworter der Schulmedizin und ich bin Befürworter von Antidepressiva, wenn die nachweislich nun mal nötig sind, um am Leben teilnehmen zu können.
Bei mir ist das so, bei unzähligen anderen ist das so, dass der Stoffwechselhaushalt im Gehirn eben nicht auf Dauer funktioniert, wenn keine Serotoninunterstützung kommt.
Man rät Diabetikern nicht von Insulin ab, man rät Herzpatienten nicht von Marcumar ab.
Warum Depressiven also von Antidepressiva?
Mir egal, warum. Ich bitte euch, die ihr euch nicht sicher seid, was ihr tun sollt, sprecht mit eurem Arzt. Stellt euch nicht grundsätzlich gegen Madikamente. Klar sind Medikamente alleine keine Lösung und keine Allzweckwaffe gegen Depressionen.
Der Kampf gegen die Krankheit beinhaltet zudem Themen wie Therapie, Änderung der schädigenden Verhaltensweisen und vieles mehr.
Aber um das alles in Angriff nehmen zu können, braucht es doch erst mal die nötige Energie!
Ich stand Medikamenten viel zu lange ablehnend gegenüber. Und habe mir selbst dadurch wertvolle Jahre gestohlen.
Habt keine Angst vor Antidepressiva. Habt Geduld. Schmeißt es nicht gleich hin, wenn sich anfangs Nebenwirkungen zeigen (wie bei mir), das ist in den meisten Fällen normal, weil schließlich der Hormonhaushalt im Gehirn umgestellt wird. Und gebt nicht auf, wenn nicht gleich das richtige Medikament gefunden wird. Was beim einen wirkt, muss dem anderen noch lange nicht genauso gut helfen.

Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Ich bin froh, dass sich etwas getan hat. Ich bin froh, dass ich nach Monaten des Kampfes wieder Licht sehe und mich wohler fühle, lesen kann, schlafen kann, arbeiten kann, mich freuen kann, Hoffnung haben kann, Lust auf das Leben habe, Ängste verschwunden sind, ich mich leichter fühle, der Schwermut sich verpisst hat.

Ich wünsche euch alles Gute. Immer.

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