nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Ich will meine Ruhe nicht, nein, meine Ruhe will ich nicht!

Es ist Sonntag. Herrlich. Man hat Zeit, die man verbummeln könnte, einfach mal nichts tun.
Und nach 5 Minuten wird man nervös. Scheiße, was fange ich mit der Zeit an? Ich könnte putzen. Die Steuer machen. Einen Kuchen backen. Oder doch noch kurz ins Büro fahren?

Kennta?
Wenn ja… autsch.
Warum werdet ihr nervös? Weil es ruhig ist? Weil man unbeschäftigt Zeit zum Nachdenken hat? Weil man mit Nichtstun gar nicht mehr anfangen kann?
Ich kenne das. Von früher.
Vollzeitjob, Kind, nebenberufliche Ausbildung, Hausbau, Nebenjob, Umzug. Vorfreude darauf, wenn endlich alles geschafft ist, nur noch das Leben zu genießen.
Das Haus war gebaut. Ein kleines bißchen Freude. Der Umzug war erledigt. Ok.
Die Prüfung war geschafft. Aber jetzt muss doch alles gut werden.
Die Erleichterung kam nicht. Na gut, noch ein paar Wochen, bis du dich dran gewöhnt hast. Abende ohne lernen zu müssen. Der Haushalt erledigt, alles geputzt. Das Kind hatte Papa-Wochenende. Und ich? Die Ruhe kam nicht. Die Nervosität wurde schlimmer. Alle Ziele erreicht. Und jetzt? Keine Aufgabe mehr, kein Ziel, auf das man hinarbeiten kann. Alle Zeit war immer verplant. Fürs Kind, für die Arbeit, für die Ausbildung, für das Haus.
Ich hatte vergessen, wie das ist, Zeit mit mir selbst zu verbringen. Und zu machen, was Spaß macht. Was hatte mir überhaupt jemals Spaß gemacht? Mir fiel nichts ein. Gar nichts. Ich dachte nur noch nach, und hatte dabei nicht mal im Griff, worüber ich nachdenken wollte. Mit dem Hausbau hatte ich mir Schulden aufgebürdet. Würde ich das alleine schaffen? Was, wenn ich arbeitslos werde? Die Raten nicht mehr zahlen könnte? Wir auf der Straße landen? Meinem Kind was passiert? Wenn mir was passiert, was wäre mit dem Kind? Bin ich gegen alle Fälle versichert? Ist das Kind abgesichert? Was, wenn das Haus abbrennt? Es ein Unwetter gibt? Was, wenn Oma stirbt, Aliens kommen, ich ersticke, einen Unfall habe, gelähmt bin, das Kind krank wird? Was, wenn die Welt untergeht?

Die Abwärtsspirale hatte schleichend begonnen, sich zu drehen, und es war mir nicht möglich, das aufzuhalten. Ich war sicher, so fühlt es sich an, wenn man verrückt wird.
Den Rest kennt man aus den vorigen Beiträgen.

Kommt euch das bekannt vor?
Könnt ihr mit eurer Zeit nichts anfangen?
Seid ihr unruhig und macht euch ständig Sorgen, wenn euch nichts anderes ablenkt?
Oder geht es euch gut dabei, wenn ihr Zeit für euch habt?
Könnt ihr es genießen, wenn niemand euch in Anspruch nimmt, und ihr tun könnt, was ihr wollt? Habt ihr Hobbies, die euch Spaß machen? Fühlt ihr euch ausgeglichen?
Ich habe es wieder lernen müssen. Das geht wirklich.
Ich genieße jede freie Minute.
Ich will nicht den Teufel an die Wand malen. Aber vielleicht ist es bei dem ein oder anderen ein Alarmsignal, wenn man fahrig versucht, jede freie Minute auszufüllen, zu verplanen, zu arbeiten.

Einen schönen Sonntag allen.

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2 Gedanken zu „Ich will meine Ruhe nicht, nein, meine Ruhe will ich nicht!

  1. Danke. War wieder schön zu lesen.

    Ein schönes Wochenende Gruss die Mimose

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