nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Archiv für den Monat “März, 2014”

Aller Anfang ist schwer

2 Tage Klinik liegen nun hinter mir und das verhasste Wochenende vor mir, bis es Montag weitergehen kann.
Für mich ist es kein Problem, dass ich in einer psychiatrischen Klinik behandelt werde. Ich schäme mich nicht dafür und kann offen darüber reden. Anders als andere Patienten, die zum ersten mal dort sind und sich noch nicht trauen, offen darüber zu sprechen, weil sie sich vor dem Stigma fürchten und somit davor, geächtet werden. Oder Außenstehende, die sich für mich fremdschämen.
Ist mir egal.
Rückblickend auf mein Leben ist es kein Wunder, dass ich nicht „normal ticke“. Missbrauch, körperliche und psychische Gewalt –  ich habe einiges durch. Und es ist wohl ein Wunder, dass ich dafür doch noch „verhältnismäßig“ normal ticke.  Es wäre nicht untypisch, würde ich mich ritzen, hätte ich schon Suizidversuche hinter mir oder Psychosen, etc.
Also sollte ich dankbar sein, dass ich „nur“ unter schweren Depressionen leide.
Allerdings hatte ich in der Vergangenheit auch Ess-Störungen, litt unter Fress-Attacken und habe mir danach den Finger in den Hals gesteckt, um zu kotzen.  Irgendwann habe ich von alleine damit aufgehört.

Vorgestern war also der erste Tag. Alles war fremd, vieles ging schief wegen meiner Tollpatschigkeit und Vergesslichkeit. Für alle anderen kein Problem, für mich war aber klar: Versagerin! Kann mir nichts merken, höre nicht richtig zu, verstehe falsch.
Mit den Patienten kam ich nicht ins Gespräch, ich hatte auch nicht wirklich Interesse daran, wollte meine Ruhe haben und alleine sein. Außer rauchen, durch den Park spazieren oder auf einer Bank sitzen, habe ich nicht viel gemacht. Die Gespräche mit Personal und Arzt sind mir schwer gefallen. Immer alles wiederholen hat mich angestrengt.

Gestern war es schon etwas anders. Ich habe mich mit Patienten unterhalten. Die erste Ergotherapie mitgemacht. Aber beim Essen sitzen bleiben und mit den anderen am Tisch reden, war unmöglich. Ich konnte nicht still sitzen.
Das Therapiegespräch hat mich dermaßen fertig gemacht, dass ich so unruhig war, wie die Tage zuvor nicht. Die Ärztin hat mich erschreckt. Ich weiß, das meine Situation schlimm ist. Aber sie hat es noch viel, viel schlimmer gesehen. Sie sieht mich in Gefahr, ist der Meinung, ich schütze mich nicht gut genug und hätte das nie getan, weshalb mir alles, was passiert ist, eben passiert ist. Sie hält mich für leichtsinnig.
Was gut sein kann. Ich gehe z. Bsp. blind zwischen eine Schlägerei, wenn ich jemanden gefährdet sehe und will ihn schützen, ohne darauf zu achten, ob mir etwas passiert. Ich habe mich in der Vergangenheit schützend vor andere gestellt, denen Gefahr drohte, obwohl ich nicht unbedingt die körperliche Konstitution habe, die andere abschreckt. Ich bin klein und nicht besonders kräftig. Trotzdem ist mir nie etwas passiert, wenn ich andere beschützt habe. Ich kann schreien und drohen und ziemlich asi werden. Ich habe mir Schlüssel zwischen die Finger geklemmt und hätte sie als Schlagring benutzt, was ich auch angedroht habe, als ein Fremder meine Freundin bedroht hat.

Das alles tue ich aber nicht für mich, wenn ich in Gefahr bin. Es ist mir unerklärlich, warum nicht.
Schläge, andere Gewalt, Psychoterror habe ich gelähmt ertragen und konnte mich nicht schützen. Als Kind nicht. Als Erwachsene nicht.
Rückzieher, aushalten, nachgeben, aufgeben, andere ihren Willen lassen, damit Ruhe ist, war meine Devise.
Aktuell gibt es einen heftigen Streit im Umfeld, in den Anwälte involviert sind.
Nun fürchtet die Ärztin, es könnte auch andere Gewalt gegen mich geplant sein. Das klingt logisch, wenn man die Vergangenheit bedenkt, war mir so aber nicht klar. Ich bin, wie immer, blind für sowas, weil ich mich nicht in Gewalttäter hineinversetzen konnte und kann.
Es stehe zu befürchten, dass ich bei verbalen und erst recht bei körperlichen Angriffen in eine Schockstarre fallen könnte, die eine langwierige stationäre Behandlung erforderlich machen könnte.
Das ist doch alles nur ein schlechter Film, dachte ich. Muss man denn so übertreiben? Und wenn ich selbst in letzter Zeit solche Befürchtungen hatte, dachte ich immer, ich darf das nicht aussprechen, das ist doch paranoid.
Scheinbar habe ich aber aus meinen Erfahrungen nichts gelernt, denn es ist ja oft genug auch das Schlimmste, Unfassbare eingetroffen.

Ich weiß nicht, was ich machen soll. Die Ratschläge als übertrieben beiseite schieben? Angst haben und aufgeben, davonlaufen?
Ich will kein Opfer sein! Das wollte ich nie, und ich habe mich immer hochgekämpft, egal was passiert ist. Auch, wenn ich kaum was ertragen kann, wenn es um mich geht, ich will kein Jammerlappen sein!

Es arbeitet in mir. Ganz gewaltig.
Bei der Gesprächsrunde am Nachmittag wurde mir wegen meiner Unruhe Bedarfsmedikation verordnet. Hatte ich nie. Ich habe immer ausgehalten, dachte, das geht schon irgendwann wieder weg. Weil: auch wenn ich was zur Beruhigung bekomme, ändert das nichts an meiner Situation.
Dennoch habe ich gestern Abend eine Tablette genommen. Ergebnis: Null. Weder war ich ruhiger, noch konnte ich besser schlafen. Dann sollte ich noch eine nehmen, hatte man mir gesagt. Habe ich aber nicht getan. Das Wochenende ist ja noch lang. Wer weiß, was passiert, wie es mir geht. Vielleicht brauche ich dann die restlichen Tabletten.

Wird diese verdammte Scheiße je ein Ende haben?!
Ist das alles eine Strafe dafür, dass ich Dinge erreicht habe, die andere mir neiden?
Bin ich einfach nur schwach und absolut lebensunfähig?
Werde ich den Rest meines Lebens immer wieder in Kliniken verbringen, weil ich nicht klarkomme?
Aber auch: ich bin doch immer stark gewesen! Ich komme da wieder raus! Ich brauche nur Zeit!
Und ich werde wohl vieles ändern müssen. Dauerhaft kann wohl nur eine Besserung eintreten, wenn ich schwerwiegende Entscheidungen treffe, die unser Leben stark verändern. Heute kann ich das aber nicht. In meiner jetzigen Situation kann ich das nicht.

Bleibt abzuwarten, wie und ob ich Fortschritte mache.
Ich bin froh, wenn es am Montag mit der Klinik weitergeht.

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Letzter Tag vor Klinik

Der Tag ist halb um. Und für meine Verhältnisse habe ich schon viel geschafft. Ich habe erfolgreich das Haus verlassen, weil niemand da ist, der mich anfeinden kann. Oma besucht, Probleme gelöst, Telefonat geführt.
Hinter meinen Augen hat es böse gerappelt, und stellenweise drohte der Tränenfluss überzulaufen, ich hatte mich dann aber wieder im Griff.

Leider muss ich heute nochmal aus dem Haus. Dass ich mich so anstelle, geht mir abartig auf die Nerven. Meine Angst frisst mich von innen auf. Ich kämpfe dagegen an und gehe ja raus, aber bis dieser Schritt getan ist, bin ich Tausend Tode gestorben.
Jetzt nur nicht wieder reinsteigern.
Morgen geht es los. Raus hier. Mit Fachleuten sprechen. Mit anderen, die genauso sind wie ich, den Tag verbringen. Dieses mal wird es anders sein, weil ich niemanden kenne, mit dem ich, wie letztes mal (vor 5 Jahren) schon wochenlang in stationärer Behandlung war, ehe es in der Tagesklinik weiterging. Oder den ich schon vom Sehen kannte, weil man sich beim Rauchen getroffen hatte oder im Café auf dem Klinikgelände.
Alle werden fremd sein. Darüber habe ich bisher am wenigsten nachgedacht, weil ich nur eins im Kopf hatte: Hilfe naht.
Auch über meinen Job habe ich mir in den letzten Tagen nicht den Kopf zerbrochen. Aber jetzt. Wie soll es weitergehen?
Ich habe keine Ahnung. Wenn ich Lösungen hätte, wäre ich nicht an diesem Punkt angelangt.
Es gilt, viele Probleme zu lösen, für die ich im Moment keine Kraft habe.
Ich muss erst wieder stärker werden.
Ich weiß, dass es einen Ausweg geben muss.
Und das weiß ich, weil es nicht das erste mal ist, dass es mir so geht, und weil ich so ziemlich alles gelesen habe, was mir zum Thema Depressionen in die Finger kam.
Warum konnte ich mich dann nicht schützen, warum kam es wieder so weit?
Ganz einfach: es kam schleichend. Du vergisst dich immer ein bisschen mehr. Vernachlässigst dich ein bisschen mehr, zweigst von deiner Zeit für dich Zeit für andere ab, die Hilfe brauchen. Oder für die Arbeit. Kümmerst dich mehr um andere Belange als um deine.
Gibst Hobbies auf, weil du keine Zeit mehr hast. Beginnst wieder, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.
Dass es wieder losgehen könnte, habe ich daran gemerkt, dass ich beim Blick in den Spiegel nur noch abwertende Gedanken hatte. Nur noch dunkle Kleidung trug. Keine Lust mehr auf irgendwelche Aktivitäten hatte. Keine Freude mehr empfinden konnte. Mir alles zu viel wurde, und ich permanent erschöpft war. Jedes Geräusch mich fahrig werden ließ. Ich wurde unruhig. Konnte das Grübeln nicht mehr lassen. Hatte nur noch schwarze Gedanken. Fühlte mich nicht mehr dazugehörig. Nirgends. Immense Zukunftsängste quälen mich. Ständig habe ich Schmerzen. Kopf, Rücken, sonst wo. Ich wurde immer stiller. Wollte nicht mehr reden.
Den Rest gaben mir Anfeindungen, mit denen ich nicht fertig werden konnte. Ich kann nichts mehr aushalten. Alles macht mich fertig.

Das kam alles nicht über Nacht.
Aber als ich es bemerkt habe, was es zu spät, und ich steckte schon wieder in der Abwärtsspirale.
Wenn Ihr solche Anzeichen bei euch bemerkt, sucht euch rechtzeitig Hilfe.
Lasst es nicht so weit kommen.
Aber selbst wenn es euch schon genauso geht: werdet aktiv oder bittet jemanden, euch zu helfen. Niemand sollte das Leiden ertragen müssen in dem Glauben, ihm sei nicht zu helfen!

Alles Gute für euch ❤

Depressive wollen kein Mitleid. Verständnis wäre aber nett.

Guten Morgen.

Dienstag. Heute und Morgen noch, dann naht der Aufnahmetag. Endlich. Die Rumhockerei zu Hause macht es nicht besser. Ich fühle mich fehl am Platz. Wobei ich dieses Gefühl überall habe. Nicht nur zu Hause. Ich bin erst ein paar Tage krank geschrieben, aber ich habe das Gefühl, es ist schon eine Ewigkeit so.
Gestern war ein ganz schrecklicher Tag, es wurde bis abends nicht besser. Dennoch habe ich es geschafft, bei der Vertretungsärztin die Einweisung zu besorgen und einen anderen Termin wahrzunehmen. An meiner Seite: mein Mann. Mit unendlicher Geduld. Stellenweise ist er mein Sprachrohr in die Welt, wenn mir die Worte fehlen. Einerseits ist das eine unendliche Hilfe. Andererseits belastet es mich, dass ich ihn so belaste. Und ich bin es nicht gewohnt, Hilfe und Unterstützung zu bekommen.

Ich versuche, meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Klappt nicht.
Ich versuche, zu analysieren und mir korrekte Antworten zu geben: dass ich erwachsen bin, dass mir niemand mehr etwas Böses kann, dass ich mich wehren kann, etc. Klappt nicht.
Ich versuche, mich zu beschäftigen. Klappt nur bedingt. Aber immerhin. Meistens sitze oder liege ich auf der Couch. Eingehüllt in Decken. Lesen geht nicht. Musik hören geht nicht. An was schönes denken geht nicht. Entspannen geht also auch nicht.
Mich aufmuntern lassen geht auch nicht. Ich kann weder über Späße lachen noch „gute Ratschläge“ umsetzen, die lauten: mach dich doch nicht so verrückt. Denk einfach nicht so viel nach. Halte dir Probleme vom Leib.
Um mir dann später mit neuen Problemen in den Ohren zu liegen, die ja doch wieder ich lösen muss.

Ich verstehe eine Situation selbst nicht. Ich habe viel erreicht, musste immer kämpfen und habe es geschafft, und dennoch hauen mich diverse Dinge einfach so um, dass ich in die nächste Depression rutsche.

Mitleid will ich nicht. Verständnis wäre aber nett.
Hohn und Spott ernten wir zur Genüge. Wobei das ja meist von Idioten kommt, die ohnehin nicht wirklich wichtig sind. Eigentlich. Schlimm genug, wenn man die aber nicht so einfach los wird.
Ich muss tiefgreifende Entscheidungen treffen in nächster Zeit. Eine Depression ist dafür der denkbar schlechteste Zeitpunkt.

Versuchen wir, trotz allem ein bisschen stolz auf uns zu sein. Dass wir aushalten können. Immer wieder. Und uns nicht aufgeben.
Das ist keine Option. Das zu schreiben, ist einfach. Das Umsetzen fällt da schon schwerer. Aber es ist eben so.

Aufgeben ist keine Option.

Irrer Sonntag.

Aufwachen ist, als hätte mich jemand mit dem Vorschlaghammer in die Realität geholt.
Die Hühner vom Nachbarn sind so laut, als schrien sie durch ein Megaphon. Kirchenglocken dröhnen. Sonntag, 7 Uhr.
Sofort fühlst du, wie unruhig du bist, und die verdammte Hilf- und Hoffnungslosigkeit ist wieder da.

Gestern war doch ein guter Tag!

Heute macht mich jedes Geräusch wahnsinnig. Jedes an mich gerichtete Wort überfordert mich. Ich muss alle Kräfte aufbringen, zu überspielen, wie weinerlich ich bin.
Ich muss heute raus. Ich muss noch diverse Dinge zusammen suchen, weil morgen ein wichtiger Termin ansteht. Ich habe Dinge zu erledigen, die mich überfordern. Und ich muss kommende Woche in die Klinik. Jemandem ins Gesicht sagen, was los ist und warum. Und fremde Menschen in meine Welt lassen.

Das Kind hat furchtbare Angst, seit es erfahren hat, dass ich in die Klinik gehe. Selbst das Herunterspielen, dass ich nur früh genug reagieren will, hat nicht gefruchtet. Es gab Tränen und Wutausbrüche und Schuldzuweisungen gegen die, denen sie jede Schuld an meinen Depressionen gibt. Ihre Reaktion war zu erwarten. Und genau deshalb ist eine stationäre Behandlung unmöglich und Tagesklinik muss reichen. Ich kann nicht von ihr weg. Ich will es auch nicht. Ich will sie schützen und alles dafür tun, dass es bei ihr nicht soweit kommt. Dass sie ein zu Hause hat, wie ich es nicht kannte, dass sie eine Mutter hat, die hinter ihr steht. Egal, wie tief depressiv ich war, und wie sehr sie sich um mich kümmern wollte, ich habe immer klarstellen wollen, dass ich die Mutter bin, und nicht sie.
Es ist schlimm für ein Kind, diese Rolle übernehmen zu müssen, ich spreche da aus Erfahrung. Das wollte und will ich ihr ersparen.
Seit ich vor ein paar Tagen meine Krankmeldung bekommen habe, und die Diagnosen gesehen habe, bin ich zeitweise noch verzweifelter. Doppeldepression.
F34.1, F33.9, F32.2.
Im Moment kann ich nicht schrittweise denken. Im Moment denke ich nur: welche Hoffnung soll ich da noch haben, dass ich je ein normales Leben führen kann?
Wie soll das mit meinem Job weitergehen? Was soll aus uns werden, wenn es nicht so weitergehen kann?
Wie soll ich das Theater, das ich am Hals habe, mit Anwälten usw. aushalten, wie wird das enden?
Wie soll ich die Tage ertragen, die Angst überwinden? Diese Dünnhäutigkeit ist ein einziger Horrorfilm! Den möchte ich meinen Lieben so gerne ersparen. Und mir auch.

Durchatmen.

Ich bin nicht allein. Ich bin nicht allein.
Ich habe Menschen, die mich lieben, und die ich liebe.
Ich habe Freunde.
Es wird irgendwie weitergehen. Ich kann im Moment nur keine Lösung finden. Aber es wird Hilfe geben, und ich werde Schritt für Schritt wieder stärker werden. Ganz bestimmt.

Mein Mantra für heute.

Ein Mensch in der Wechselhaft: Depressionen mal so, mal so

Der letzte Post ist etwas mehr als zwei Stunden alt. Seither ist für mich einiges passiert. In relativ kurzer Zeit kann sich die Welt ändern, und somit die Sicht auf die Dinge, das Erleben, die Gedanken, das Gefühl.
Ich habe mich verrückt gemacht und die bevorstehenden Hürden als fast unüberwindbar angesehen. Einen verdammten Anruf musste ich heute machen, und vor dem hatte ich enorme Bauchschmerzen.
Mir wurde vorhergesagt, dass die Wartezeit auf einen Aufnahmetermin Wochen dauern würde. Ich hatte ja selbst damit gerechnet, erst mal zu Hause verrückt zu werden, bis ich in die Klinik kann.
Mein Arzt versucht oft, mich in eine von ihm bevorzugte Richtung zu drängen, auch wenn ich mir bisher nie habe einreden lassen, was mir absolut nicht gepasst hat. Mein Wunsch: Tagesklinik. Seiner: stationäre Behandlung. Mein Wunsch: Klinik X, die kenne ich. Seiner: orr, die stellen sich immer so an, besser eine andere. Meine Aussage: die oder keine.

Ich habe es also selbst in die Hand genommen und alles, was gestern zwischen Klinikverwaltung und Arztpraxis schief gelaufen ist, behoben. Jetzt muss ich nur noch an eine Einweisung kommen, die mir der Arzt gestern nicht gab, weil die Wahrscheinlichkeit bestand, in diesem Quartal keinen Termin mehr zu bekommen. Jetzt ist er in Urlaub. Die Vertretung nicht zu erreichen. Na gut, versuche ich es Montag da eben persönlich. Es wird wieder eine Hürde sein, von der ich morgens glauben werde, ich kann sie nicht überwinden.

Kommenden Donnerstag kann ich antanzen. Ist ja ’n Ding, was? Nicht mal eine Woche Wartezeit.
Die Tussi am Empfang wollte mich nicht durchstellen, dann hatte sie aber doch ein Einsehen und ich wurde verbunden. Direkt mit dem Oberarzt. Ich erinnere mich daran, dass es ziemlich streng war und ich enormen Respekt vor ihm hatte. Wie soll ich ihn nur dazu bringen, mich aufzunehmen?
Er konnte sich an mich erinnern. Auch daran, dass wir uns nach meiner Behandlung mal in der Stadt getroffen hatten, und er wusste noch, dass ich ihm damals erzählt hatte, wie gut es mir geht.
Ein trockener Mund machte mir beim Sprechen Schwierigkeiten. Lange Zeit Stille, als er nach meiner Akte im System suchte und sie las. Ich erklärte meine Beweggründe, „nur“ die Tagesklinik nutzen zu können. Ihr kennt meine Situation ja. 
Und der Arzt versteht es. Tagesklinik. Juhu. Mit der Option, mich auf stationäre Behandlung einzulassen, wenn es nicht ausreicht.
„Sie hören sich schlecht an, wir müssen schnell handeln.“ (Ähm? Ich dachte, ich spreche wie immer)
Mit so viel Verständnis hätte ich nicht gerechnet. Ich bin überwältigt, erleichtert und so froh, wie es mir derzeit möglich ist, weil ich nur noch ein paar Tage aushalten muss, bis es los geht.
Ich habe hohe Erwartungen. Die bestehen darin, dass ich gestärkt werde, der Teufelskreis des Grübelns unterbrochen wird und ich einfach wieder ich werde. Ich bin nicht so blauäugig, zu glauben, die Klinik löse alle meine Probleme und räumt mir Steine, die mir derzeit in den Weg gelegt werden, weg. Ich will, dass ich wieder stärker werde, um mit den Angriffen, den Problemen, mit allem Negativen besser umgehen zu können. Und wieder Herr(in) über mein Leben, mein Erleben und meine Gedanken und Gefühle zu werden.
Wie lange das dauern wird, ist mir vorläufig egal.

Es ist gut, dass ich reagiert habe, bevor ich wieder komplett zusammenbreche. Genau das hatte ich mir geschworen: nie wieder so lange zu warten, bis gar nichts mehr geht. Die Misere, in der ich stecke, ist schlimm genug.

Ihr könnt das auch! Handelt, und wenn es noch so schwer ist! Nehmt den Hörer zur Hand, auch wenn ihr Angst habt! Sucht euch Hilfe! Kämpft gegen diese Scheißkrankheit. So früh wie möglich ist natürlich am Besten, aber auch wenn ihr mittendrin steckt. Ich weiß, wie schwer das ist! Lasst nicht locker! Nervt, wenn es sein muss. (Die Sprechstundenhilfe hat gestern auch rumgezickt, aber egal!) Lasst euch nicht abwimmeln! Bringt die Kraft auf, euch Hilfe zu suchen! Ihr müsst das tun! Für jeden Depressiven kann Hilfe anders aussehen. Aber lasst euch nicht unterkriegen von dem schwarzen Hund! Ich bitte euch!

Lebensabschnitt oder vom Leben abgeschnitten

Darauf zu hoffen, heute anders aufzuwachen, als die letzten Wochen, war wohl sehr unrealistisch.
Ich glaube, die Nacht war nicht ganz so schlimm, das Aufwachen auch noch nicht. Erst wenn du nach ein paar Sekunden realisierst, was los ist, geht es wieder los. Die Hölle. Wenn auch nicht ganz so tragisch wie an den schlimmsten Tagen. Hölle light ist aber noch schlimm genug.
Diese scheiß Denkerei geht mir auf den nicht vorhandenen Sack. Aber mein Hirn hält nicht die Klappe und macht mir weiter Angst. Heute bin ich wütend deswegen. Ich verstehe mich nicht. Ich hasse es, dass mich etwas nach unten zieht und mir die Luft zum Atmen nimmt. Ich versuche, mich aufzuraffen und dagegen anzukämpfen. Ich stehe auf. Ich will mich ablenken. Aber es geht nicht! Ich möchte mich selber anschreien. Ich kann es doch! Ich habe doch das Leben im Griff! Das kann doch alles gar nicht wahr sein! Warum nützt es nichts, dass ich mich wehren will?!
Alles ist laut. Ich höre selbst das Quietschen meiner Knochen in den Ohren, wenn ich meinen Kopf bewege. Aber allein sein und Stille halte ich auch nicht aus.
Immerhin habe ich noch keine Träne vergossen. Ich musste das Haus ja auch noch nicht verlassen. Heute Mittag steht das aber bevor, und mir dreht sich deshalb jetzt schon der Magen um.

In Kürze kann aus meiner Wut Trauer geworden sein. Und Schwäche. Und abartige Müdigkeit und Erschöpfung. Und die Überzeugung, dass ich nicht stark bin. Herzrasen, Übelkeit, Schmerzen irgendwo – mein Körper überrascht mich täglich mit neuen Dingen. Mal Kopfweh, mal Bauchschmerzen, der Rücken sowieso, mal die Nieren. Und Zittern. Mal ein abartiger Neurodermitis-Schub, mal ausgeprägte Akne oder Atemnot.
Den Besserwissern sei versichert, ich halte mich selbst meistens für einen schwächelnden Jammerlappen, der auf jeden Scheiß körperlich wie psychisch reagiert.

Ich mag mich nicht hinlegen und schlafen. Ich bin unruhig, kann kaum am Rechner sitzen bleiben. Mir ist übel, ich möchte mich übergeben, aber es geht nicht. Essen kann ich nicht, nur abends. Tagsüber muss ich schon beim Gedanken an Nahrung würgen.

Und so sitze ich oder stehe rauchend am Balkon oder laufe durchs Haus. Wartend. Darauf, dass der schwarze Hund explodiert und sich verpisst und den Knoten in Hals und Brust mitnimmt und das Zittern verschwindet. Wartend auf das Gefühl von diesem verdammten Scheißdreck befreit zu sein und mein Leben wieder normal fühlen zu können.

Und ich frage mich: Bin ich jetzt vom Leben abgeschnitten, oder wird jetzt ein neuer Lebensabschnitt eingeläutet?
Wenn so eine Krise verschwindet, geht man erfahrungsgemäß gestärkt daraus hervor. Bis das aber der Fall sein wird, drehst du erst mal durch.
Die ganzen „Hättes“ bringen ja nichts. Hätte ich mich nicht stressen lassen, hätte ich mehr auf mich geachtet, hätte ich mich nicht angreifbar machen lassen. Blabla.
Als ich gemerkt habe, dass mein Leben nur noch aus Arbeiten und dann schlafen besteht, war es schon zu spät. Um das Kind aus dem Brunnen zu holen, bedarf es großem Aufwand.

Ich schreibe mich in Rage und rege mich immer mehr auf.
Sauer, wütend, zornig sein bringt aber auch nichts. Alle negativen Gefühle machen einen doch nur hilflos.

Und ich will nicht mehr hilflos sein.

Die Gedanken sind Blei

Was für ein Tag! Nach einer Horrornacht mit irren Träumen aufwachen und umgehend in ein Loch fallen, in dem kein klarer Gedanke gefasst werden kann. Ein Termin bei der Therapeutin stand an, heute wird mir endlich geholfen, dachte ich, ich verspreche mir so viel davon. Und gleichzeitig gar nichts. Die kommt ja doch nicht ohne Hilfe aus. Die muss immer noch zu einem Psychotherapeuten rennen, wenn mal nicht alles eitel Sonnenschein ist.
Schon auf dem Weg zur Arbeit fließen im Auto die Tränen. Wo fange ich an? Was erzähle ich? Wie soll ich die Arbeit schaffen? Die Stimmung ertragen? Den Tag überleben? Mich konzentrieren? Wie wird alles werden? Wie sieht meine Zukunft aus? Wird es mir je besser gehen?

Im Wartezimmer Tränen, beim Gespräch Tränen. Erst mal hört sie nur zu. Und dann startet das Gespräch. Langsam versiegt der Tränenstrom.
„Sie haben nicht alles vergessen, was Sie gelernt haben. Es ist noch da, das merke ich, nur können Sie im Moment nicht darauf zugreifen. In Ihrer derzeitigen Situation wären viele schwach, gestehen Sie sich das zu. Was Sie erleben mussten und müssen, ist nicht einfach, aber Sie werden wieder stärker werden. Aber dafür brauchen Sie die Hilfe in der Klinik. Und heute hat der Tag deshalb so schlecht angefangen, weil sie in Gedanken durchgegangen sind, wie das Gespräch verlaufen wird, wie Sie mir alles erzählen, und somit haben Sie alles, was in letzter Zeit passiert ist, nochmal durchlebt. Das ist ganz normal.“

Eine Stunde Zeit mit jemandem, der wirklich helfen kann. Der unterstützt und Mut zuspricht. Der einen genau kennt. Unbeschreiblich.

Die Sache mir der Klinik ist am Laufen. Beim Arzt war ich auch gleich. Einen Termin erfahre ich hoffentlich morgen.

Ich bin so erschöpft, als hätte ich tagelang nicht geschlafen. Aber die Welt sieht nicht mehr so schwarz aus wie noch heute Morgen. Ich weiß, dass ich Hilfe bekommen werde, und dass ich mich jetzt erst mal nicht mehr ganz so sehr abstrampeln muss, ohne etwas zu erreichen.

Ich konnte mit Freunden reden, die wirkliches Verständnis zeigen. Unterstützung zudem von Mann und Kind.
Oma hatte einen absolut klaren Tag, und wir hatten ein gutes Gespräch. Auch wenn sie morgen alles vergessen haben wird, habe ich heute Ihre Unterstützung und ihr Verständnis bekommen, wie früher.

Ich bin weiter unruhig und nervös, kann schlecht still sitzen und denke zu viel nach. Aber zumindest ist eine Last von mir genommen. Ich habe so schnell gehandelt, dass mir gar keine Zeit blieb, darüber nachzudenken, ob es meinem Job schaden wird, wenn ich jetzt in die Klinik verschwinde. Gerede gibt es ohnehin genug, das ist mir egal. Oft genug habe ich gesagt, ich bin weit über meiner Belastbarkeit. Ignoranz oder Provokation waren dann an der Tagesordnung. Jetzt habe ich Nägel mit Köpfen gemacht. Was mich erwartet, wenn ich wieder komme, weiß ich nicht. Ist mir im Moment egal.

Es bringt nichts, einfach nichts zu tun, wenn man in einer Depression ist. Nur abwarten und ertragen macht nichts besser, im Gegenteil. Ich kenne es vom letzten Mal, als ich mich irgendwann nicht mal mehr bewegen konnte und absolut handlungsunfähig war.

Sucht euch Hilfe, wenn es euch auch so geht. Es steht euch zu. Niemand sollte leiden oder ertragen müssen. Niemand, der andere Erkrankungen hat, lässt sich nicht helfen. Uns steht eine Behandlung genauso zu, wie jemandem, der eine offene Wunde oder einen Herzinfarkt oder gebrochene Knochen hat.

Es gibt keinen Grund, sich für eine Depression schämen zu müssen. Keinen einzigen!

Gute Nacht, Freunde

Depressionen und Glaube

In einer meiner schweren Depressionen, es war 2005 und 2006, außer Tabletten habe ich jede weitere Therapie nicht mal in Erwägung gezogen, einen Klinikaufenthalt abgelehnt, tat ich nichts, als zu Hause zusammengekauert auf der Couch zu sitzen und nach vorne und hinten zu wippen und mich davon abzuhalten, ins Bad zu gehen und mir die Pulsadern aufzuschneiden.
Kam das Kind nach Hause, habe ich versucht, mich zusammenzureißen. Für sie gekocht, mir ihr Karten gespielt, englische Vokabeln abgefragt, Playmobil gespielt, mit ihr gepuzzelt. Dabei war mir nach nichts anderem als nach weinen.
Auch damals hatte ich das Gefühl, verrückt zu werden. Ich hatte mich längst verloren, mein Leben schien ein Scherbenhaufen. Und doch wollte ich, dass mein Kind nicht mit mir in den Abgrund gerissen wird. Für sie habe ich versucht, mich wieder aufzurichten.
Was in jeder Depression auffällig ist, ist mein Gedächtnis. Ich vergesse alles, ich kann mir nichts merken, was aktuell wichtig ist. Dann versuche ich, durch auswendig lernen, meine Konzentration zu verbessern.
Es war kurz vor Weihnachten, und die Schule veranstaltete einen Weihnachtsgottesdienst mit einem Konzert. Der Besuch der Kirche hatte mich enorme Überwindung gekostet, dennoch fühlte ich mich nicht schlechter, im Gegenteil. In der Kirche war ich ruhiger. Ich bin kein gläubiger Mensch, habe mich in der Kirche aber wohl gefühlt. Es war eine unbeschreibliche Ruhe, kein lautes Geräusch hat mich erschreckt.
Zu Hause kam ich dann auf die Idee, ich könne das Ave Maria auswendig lernen. Ich bin evangelisch getauft, kannte die katholischen Gebete nicht, und machte mich ans Werk, bis es klappte. Nur zur Konzentrationsübung. Und doch auch in der Hoffnung, ich könne vielleicht von dem, der Gott genannt wird, erhört werden. Aber passiert ist nichts. Dennoch suchte ich danach noch einige Male eine Kirche auf, nur um darin zu sitzen und die Ruhe zu fühlen, die es sonst nicht gab. Ich fühlte mich sicher, wer sollte mir hier schon etwas tun, wer sollte mich zu irgendwas zwingen, mir Gewalt antun oder mich bedrohen.
Ich habe versucht, mit Gott zu reden, aber funktioniert hat es nicht. Es kam keinerlei Antwort.
Und so habe ich mich weiter daran gehalten, Gedichte zu lesen und zu lernen. Von Mascha Kaléko, Rilke, Ringelnatz, Kästner. Die wurden zu meinem Gott, zu etwas, an dem ich mich festhalten konnte.
Irgendwann habe ich mich dazu überreden lassen, mitzukommen in eine „freie Kirche“, zu einem einmaligen Besuch. Man hat dort durch eine Glaskuppel Gott gerufen und ihm für die Knie-Operation gedankt oder für andere Dinge, und die Anhänger riefen bei dem Satz ein Haleuja aus. Ich habe mich unwohl gefühlt. Die Show ging mir zu weit. Und es dauerte nicht lange, bis ich begrüßt wurde und einen Mitgliedsantrag erhielt, auf dem ich meine Kontonummer angeben sollte, den ich dankend ablehnte, weil ich nicht wiederkommen würde. Auf weitere Diskussionen wollte ich micht nicht einlassen.
Schon in dieser Kirche fragte ich mich, wieso ich es bin, die Tabletten nehmen muss, wo es viele andere hier vermutlich nötiger hätten, behandelt zu werden. Das Erlebte war für mich nichts weiter als Klamauk, mit dem ich nichts anfangen konnte. In Gesprächen mit demjenigen, der mich mit in diese Kirche genommen hatte, habe ich zu beweisen versucht, dass es Gott nicht gibt, denn gäbe es ihn, wieso lässt er Menschen leiden, Kinder hungern und sterben, wieso gibt es Kriege, Unfälle, Tragödien?
Nächstenliebe heißt für mich nicht, einer fragwürdigen Institution Geld in den Rachen zu werfen, Nächstenliebe zeigt doch eher derjenige, der z. Bsp. kranke Menschen pflegt, auch sonntags, während andere eine Halelujashow abziehen und an seltsame Dinge glauben.
Die Aussage, dass mein Onkel, der vor kurzem gestorben war, wohl nur deshalb nicht geheilt wurde, weil er nicht genug an Gott geglaubt hätte, machte mich wütend, und ich nahm Abstand von allem, was mit dieser „Sekte“ zu tun hatte mit einem letzten „Ihr tickt ja wohl alle nicht richtig.“

Die nächste Depression kam 2009. Sie war noch um einiges schwerer, als die vergangene. Ich kann mich nicht daran erinnern, ein einziges mal versucht zu haben, Hilfe bei Gott zu finden, mir war klar, dass es ihn nicht gibt. Aus der Kirche ausgetreten war ich dennoch nicht.
Nach vielen Wochen Klinik kam eine neue Patientin zu uns, die tief gläubig war und uns aufforderte, mit ihr zu beten. Es sei ihr wichtig, das Gespräch mit Gott zu suchen. Für mich war das kein Thema. Wieso bist du hier, wenn Gott so gut ist, dachte ich, wieso lässt er es zu, dass es dir so scheiße geht, dass du Hilfe in einer Klinik suchen musst?, und gebetet habe ich nicht mir ihr.

Ich weiß bis heute nicht, ob ich die Menschen, die so glauben können, und vor allem behaupten, Gott rede mit ihnen, bewundern soll oder bedauern? Vielleicht bin ich neidisch oder enttäuscht, weil ich nicht glauben kann und keine Antworten bekommen habe.
Dass ich immer noch so rational denken kann, wundert mich. Und die Ärzte in der Klinik sagten, es ist ein Wunder, dass ich bei allem erlebten „nur“ eine Depression habe.

Nun stecke ich nach fast 5 Jahren erneut in einer Depression. Alles, was ich gelernt habe, scheint verschwunden zu sein. Ich weiß zwar, dass ich durch die Kraft meiner Gedanken eine Besserung erzielen könnte, aber ich kann es nicht umsetzen.
Alle Depressionen, die ich bisher erlebt habe, hatten einen Auslöser von außen. So auch jetzt wieder.
Ich kann mit Anfeindungen schlecht umgehen. Drohungen, Lügen, unvorstellbare Aktionen scheinen mein gewohntes Leben zerstören zu können, und daran hängt vor allem auch das künftige Leben meiner Tochter. Es steht zu befürchten, dass alles, wofür ich gekämpft habe, mir einfach genommen werden kann und ich so ruiniert werde. Kein Tag vergeht, ohne dass ich mir die schlimmsten Dinge ausmale. Verschuldet bis an mein Lebensende und dafür mit leeren Händen dastehe. Damit andere sich bereichern, die nie etwas geleistet haben.
Dieses mal habe ich wieder gefragt: Was soll das eigentlich immer? Ich habe jedes mal bewiesen, dass ich wieder aufstehe und ein Stück weiter gekommen bin. Dass ich ertragen habe, was mir geschadet hat. Körperliche und seelische Gewalt habe ich ausgehalten und versucht, dagegen anzukämpfen. Hätte ich es nicht endlich einmal verdient, mit über 40 Jahren Ruhe zu haben?
Aber die Antwort muss ich mir wieder selbst geben. Das Leben ist nicht gerecht. Es wird immer wieder Menschen geben, die es nicht ertragen, was du erreicht hast. Den Kampf dahinter sieht niemand.
Ich verstehe es nicht. Wieder wird mir abverlangt, zu kämpfen, dieses mal wird es vermutlich der schlimmste Kampf, in den ich ziehen muss. Dabei ist mir nach aufgeben. Nach abhauen, verschwinden, denn im Moment glaube ich, nur wenn ich alle Brücken zu meinem alten Leben abreiße, kann ich Ruhe finden. Aber es geht eben nicht nur um mein Leben.
Ich habe keinen Mut mehr. Aber aufgeben ist auch nicht drin. Und kein Gott wird mir dabei helfen. Jeder kämpft für sich allein. Mit sich selbst. Denn im Moment bin ich selbst einer meiner größten Feinde.
Kein gutes Wort dringt zu mir durch. Keine gutgemeinten Ratschläge kommen bei mir an. Die schlechten dagegen schon. Die setzen sich in mein Hirn und bohren weiter am schwindenden Selbstvertrauen. Beweisen meine Ansicht von mir selbst und von meinem Leben.
Und manchmal schafft es ein Gedanke, mich soweit zu bringen, mich zu fragen, wofür ich eigentlich bestraft werden soll. Also glaube ich nun, oder nicht? Es wäre ja tröstlich, zu wissen, dass da jemand ist, der es dir zwar scheiße gehen lässt, aber am Ende eben doch sagt, na, werfen wir ihr ein Zuckerchen hin, damit sie weitermacht.
Ist es aber nicht. Ich werde nicht getröstet, ich sehe und höre keinen Gott, keine Stimme sagt mir irgendwas, keine Zeichen kommen „von oben“ oder sonst woher. Ich habe schlicht und ergreifend schwache Nerven, begründet durch meine Erziehung, die miesen Erlebnisse haben mich ausgelaugt, ich habe nie gelernt, richtig zu reagieren, wenn man mir irgendetwas, egal welcher Art angetan hat. Ich habe gelernt, zu gehorchen, mich zu ducken, Angst zu haben vor Schlägen und anderen Reaktionen.
Mit das Schlimmste ist dieses Negieren derer, die eine Mitschuld tragen. Dieses das ist alles nicht wahr. Oder wir haben unser bestes versucht. Schläge, Drohungen, einsperren, ausgrenzen, Lügen sind nichts das Beste.

Ich habe in der Klinik gelernt, mich zu wehren. Das habe ich auch getan. Jahrelang. Ich bin zurückgefahren, habe darauf bestanden, dass ich nicht mehr für alles alleine verantwortlich bin und andere helfen müssen, vor allem beim Oma versorgen. Und mich ausnutzen. Mit der Gegenwehr hätte ich nicht gerechnet. Nicht so. Eine Zeitlang wird einem zugestanden, depressiv zu sein und was ändern zu wollen. Aber dann bitteschön, kann es doch weitergehen wie vorher.
Kann es nicht. Sonst gehe ich kaputt.
Ich habe mir mein Leben anders vorgestellt. Ich war auf gutem Weg. Steine, die man mir hingelegt hat, habe ich weggeräumt. Im Moment sind es Felsen, die ich nicht einfach so wegtragen kann. Ich muss nur wieder stärker werden. „Nur“ ist gut. Ich habe mir ja nicht ausgesucht, so zu reagieren. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich so reagiere.
Ich habe mir zu viel zugemutet, ich habe mich wieder in Stress treiben lassen. Es muss auch dieses mal einen Weg da raus geben. Im Moment finde ich ihn nur nicht. Aber das werde ich bestimmt. Nur nicht heute.

Alles Gute für euch.

Sonnengrau – mal reinlesen

Heute Morgen im web entdeckt: Hier schreibt eine junge Autorin über ihre Depressionen. Ihr Buch „Sonnengrau“ ist im November erschienen, ihr Blog findet iher hier: http://sonnengrau.blogspot.de/

Friday on my mind und überhaupt

Mal wieder frei fühlen. Mal keinen Knoten mehr in Bauch und Herz haben. Mal wieder durchatmen können. Mal nicht mehr grübeln. Mal keine dunklen Gedanken mehr haben. Mal keine Sorgen mehr machen. Mal wieder geschützt fühlen. Mal wieder Zeit haben für sich. Mal wieder etwas gerne machen. Mal wieder ehrliche Freude emfpinden. Mal wieder schöne Erinnerungen haben anstatt nur die schlechten. Mal wieder sehen können, wie blau der Himmel ist. Mal wieder aufwachen und froh darüber sein. Mal wieder bewältigen können, was getan werden muss. Mal wieder angstfrei sein. Mal wieder das Leben lieben.

Das wär’s.

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