nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Achtung, Trigger!

Lest diesen Beitrag nicht, wenn es euch aktuell schlecht geht, und ihr es nicht brauchen könnt, dass euch etwas noch weiter nach unten zieht.

Ich habe immer versucht, anderen Mut zu machen, wenn ich von meiner Geschichte erzählt habe, von der selbst ich dachte, ich habe mich und die Depressionen ganz gut im Griff.
Leider wurde ich böse überrascht, und aktuell geht es mir relativ schlecht. Immer noch nicht so, dass ich nicht mehr aufstehen kann, aber ich fühle mich schwach und einfach miserabel.
Das kam nicht einfach geflogen, es gibt einen Auslöser, der in meinem Privatleben zu finden ist. Mal wieder heißt es alle gegen einen, und der eine bin ich.
Dadurch wurde und werde ich so weit zurück geworfen, dass es mich selbst erschreckt, und kein Tag vergeht, an dem ich nicht mehrere Stunden vergangene Ereignisse wieder durchlebe. Und ich fühle mich, als habe es die letzten Jahre Therapie und Behandlung überhaupt nicht gegeben.
Ich habe Angst, ich weine, ich habe Atemnot und Bauchschmerzen. Für mich ist alles düster, selbst, wenn die Sonne scheint. Ich versuche, meine Tochter zu schützen und ihr nicht zu zeigen, was wieder los ist, aber das gelingt mir nur bedingt. Ich wollte doch immer, dass für sie alles besser ist.
Viele, die mich kennen, wissen, dass ich mir etwas aufgebaut habe, dass ich dafür eine enorme Schuldenlast zu tragen habe, und dass das ein Kampf war, der mich letztendlich aber stolz gemacht hat. Nun sieht es aus, als stünde ich in absehbarer Zeit vor einem Scherbenhaufen.
Wann habe ich mich zuletzt so gefühlt, hatte mich meine Therapeutin oft gefragt. Und diese hilflosen Gefühle waren mir aus meiner Kindheit in Erinnerung. Wenn ich wieder einmal verachtet, geschlagen, tyrannisiert und ausgegrenzt wurde.
Nun bin ich ja kein Kind mehr und habe gelernt, mich zu schützen. Mir selbst zu sagen, du bist jetzt erwachsen, niemand kann dir etwas tun, ich kann auf mich aufpassen.
Diese erlernte Fähigkeit ist weg. Einfach verschwunden. Nichts ist mehr da, nur noch die Drohungen. „Ich schlag dich tot, wenn du nicht parierst.“ (Vater) Die Überwachung —> Tagebücher wurden gelesen, und das Geschriebene zum Vorwurf gemacht. Telefonate abgehört. Hausarrest bis zum Abwinken. Hinter meinem Sitzplatz am Esstisch hing eine Peitsche.
Einen Sonntag bin ich Oma besuchen gegangen und habe bei ihr zu Mittag gegessen. Beim Nachhausekommen, hat mein Vater mich geprügelt von der Haustür bis in mein Zimmer, wo ich stundenlang zusammengekauert saß, darauf wartend, dass er wieder kommt und weiter zuschlägt. Ich hätte Oma nicht verraten dürfen, dass die Eltern noch schliefen und es nichts zu essen gab.
Als ich 16 war, bin ich zum Jugendamt gegangen und habe darum gebeten, nicht mehr nach Hause zu müssen. Man hat mich weggeschickt. Und vermutlich meine Eltern angerufen. Die wussten Bescheid, als ich ankam. Ergebnis: mir wurde gedroht. Wenn ich sowas  nocheinmal machen sollte, würden sie mich in ein Heim für schwer erziehbare einweisen lassen, wo ich bis an mein Lebensende an ein Bett gefesselt werde und mit Medikamenten vollgepumpt werde, die mich ruhig stellen.
Ein letzter Versuch. Anstatt Schulsachen hatte ich Klamotten in meinen Rucksack gepackt. Stundenlang saß ich am Bahnhof. Bis ich aus Feigheit wieder nach Hause fuhr, da ich nicht wusste, wie ich überleben sollte. Und wie Christiane F. wollte ich nicht enden. Und außerdem konnte ich das Oma nicht antun.
Ich habe noch 2 Jahre Hölle durchgestanden, bis ich mit 18 ausziehen konnte.
Und sie wussten trotz aller Überwachung und Kontrolle nichts von mir. In dem Moment, in dem ich Überwachung gebraucht hätte, haben sie versagt. Und bis heute wissen sie nichts von dem alten widerlichen Sack, der kleine Kinder zu sich gelockt und sich an ihnen vergangen hat. Und der uns gedroht hat, wenn wir etwas verraten, würde er, der reiche Mann im Dorf, seine Macht spielen lassen und schlimmes würde passieren.

Genauso wie damals fühle ich mich heute. Auch wenn ich erwachsen bin. Ich kann nichts mehr essen, ich versuche, irgendwie zu funktionieren, ich fürchte, ich mache auch den beiden, die ich über alles Liebe, meinem Mann und meinem Kind, das Leben schwer. Die Stimmung ist gruselig, ich möchte nichts als schlafen und gehe doch arbeiten, Oma besuchen, einkaufen, den Tag irgendwie überstehen.

Was, wenn ich den Mut gehabt hätte abzuhauen? Wäre ich heute frei?
Von meiner Stärke ist gerade nichts mehr übrig. Denn die Horrorgeneration war leider nicht die letzte.
Wieder möchte ich weglaufen, aber dieses mal geht es nicht nur um mein Leben.

Ich verstehe nicht, wieso Menschen Macht über andere haben wollen. Wieso sie sie tyrannisieren, ihre eigenen Gesetze aufstellen und andere fertig machen wollen.

Ich wollte nichts, als meine Ruhe haben und endlich mal leben. Aber scheinbar bin ich nicht stark genug. Für andere kann ich kämpfen. Für mich selbst nicht. Mir ist nach aufgeben.

Advertisements

Einzelbeitrag-Navigation

8 Gedanken zu „Achtung, Trigger!

  1. knightlyart sagte am :

    Du machst es genau richtig…Du schreibst darüber…
    Dies kann helfen, deine Gedanken klarer zu sehen und einen besseren Durchblick zu erhalten. Die negativen Gedanken sind danach wie „abgearbeitet“
    Ich bin noch lange nicht so weit…ich habe eine Mauer um mich herum gebaut und habe noch nicht die Kraft die abzureißen.
    Lieben Gruß Kirsten

  2. Mina sagte am :

    Hier ist die olle Mueller7de.
    Wie Du weißt, hast Du einen Rückfall, nicht mehr, nicht weniger.
    Das, an das Du jetzt nicht anknüpfen kannst, ist trotzdem da.
    Es wartet auf Dich, bis Du es wieder wahrnehmen kannst. Es hat Geduld und freut sich auf Dich. So wie ich.

  3. Mina sagte am :

    Geduldig und solidarisch!

  4. Hey,
    ich lese reglmäßig deinen Blog und dich immer wieder auf Twitter und alles in allem denke ich, du bist ähnlich ungeduldig wie ich….natürlich haben wir die Hölle hinter uns und möchten dies nicht mehr und wir wissen ja eigentlich, wie der Hase läuft und dann kommt das große ABER….vor Rückfällen sind wir nicht geweiht……leider…….. und es wird nicht besser, jedesmal wieder hinzufallen, aber genauso denke ich, du bist immer wieder aufgestanden und ich hoffe, du findest auch diesmal wieder die Kraft wieder aufzustehen. Ich wünsche dir die nötige Kraft und drücke dir die Daumen.

    Gruss die Mimose

  5. Du glaubst gar nicht, wie gut ich nachvollziehen kann, was du beschreibst – bin ich selbst gerade aus meinem schwarzen Loch gekrochen. Aus einem sehr tiefen Loch mit sehr dunklen Gedanken. Es ist sehr schwer, aus dieser Stimmung wieder herauszukommen und vermutlich weißt du genau, was du tun musst. Das Schlimmste finde ich, die momentane Situation auszuhalten – die Dunkelheit, diese Gefühle, die Ohnmacht, das sich selbst nicht mögen, das Gefühl, anderen zur Last zu fallen. Ich habe mich einer guten Freundin anvertraut, das hat sehr geholfen, auch wenn sich an meiner momentanen Lebenssituation nichts geändert hat. Dennoch ist es heute heller und ich bin wieder klarer.

    Ich wünsche dir alles Gute und besonders viel Kraft.
    Tina

  6. dragontear1976 sagte am :

    Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Jeder Satz wäre eine normale Floskel und nicht das, was ich wirklich ausdrücken möchte. Vielleicht eine Geste: festhalten und umarmen solange es sein muss. Du hast so viel geschafft nach so viel Martyrium. Ich weiß, dass man es selbst nicht sieht. Ich wünsche mir, dass du zurück findest. Egal, wieviel Zeit du dafür brauchst. Auch wenn wir uns nicht mehr folgen, bist du trotzdem oft in meinen Gedanken.

  7. Ich weìß, dass da noch Kraft ist. Allein, dass Du es aufgeschrieben hast, zeugt davon. Ich wünsche Dir, dass Du sie wiederfindest. Fühl Dich umarmt ❤

  8. nonanic sagte am :

    Ich danke euch für eure Antworten. Sorry, dass ich erst jetzt antworte, ich war nicht mehr hier, noch habe ich meine Mails abgerufen, seit ich das gebloggt habe.
    Es ist schön, zu lesen, dass man verstanden wird, und ich weiß ja, wie vielen es ganz genauso geht.
    Zuspruch von euch zu bekommen, tut mir wirklich, wirklich gut! ❤

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: