nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Lebensabschnitt oder vom Leben abgeschnitten

Darauf zu hoffen, heute anders aufzuwachen, als die letzten Wochen, war wohl sehr unrealistisch.
Ich glaube, die Nacht war nicht ganz so schlimm, das Aufwachen auch noch nicht. Erst wenn du nach ein paar Sekunden realisierst, was los ist, geht es wieder los. Die Hölle. Wenn auch nicht ganz so tragisch wie an den schlimmsten Tagen. Hölle light ist aber noch schlimm genug.
Diese scheiß Denkerei geht mir auf den nicht vorhandenen Sack. Aber mein Hirn hält nicht die Klappe und macht mir weiter Angst. Heute bin ich wütend deswegen. Ich verstehe mich nicht. Ich hasse es, dass mich etwas nach unten zieht und mir die Luft zum Atmen nimmt. Ich versuche, mich aufzuraffen und dagegen anzukämpfen. Ich stehe auf. Ich will mich ablenken. Aber es geht nicht! Ich möchte mich selber anschreien. Ich kann es doch! Ich habe doch das Leben im Griff! Das kann doch alles gar nicht wahr sein! Warum nützt es nichts, dass ich mich wehren will?!
Alles ist laut. Ich höre selbst das Quietschen meiner Knochen in den Ohren, wenn ich meinen Kopf bewege. Aber allein sein und Stille halte ich auch nicht aus.
Immerhin habe ich noch keine Träne vergossen. Ich musste das Haus ja auch noch nicht verlassen. Heute Mittag steht das aber bevor, und mir dreht sich deshalb jetzt schon der Magen um.

In Kürze kann aus meiner Wut Trauer geworden sein. Und Schwäche. Und abartige Müdigkeit und Erschöpfung. Und die Überzeugung, dass ich nicht stark bin. Herzrasen, Übelkeit, Schmerzen irgendwo – mein Körper überrascht mich täglich mit neuen Dingen. Mal Kopfweh, mal Bauchschmerzen, der Rücken sowieso, mal die Nieren. Und Zittern. Mal ein abartiger Neurodermitis-Schub, mal ausgeprägte Akne oder Atemnot.
Den Besserwissern sei versichert, ich halte mich selbst meistens für einen schwächelnden Jammerlappen, der auf jeden Scheiß körperlich wie psychisch reagiert.

Ich mag mich nicht hinlegen und schlafen. Ich bin unruhig, kann kaum am Rechner sitzen bleiben. Mir ist übel, ich möchte mich übergeben, aber es geht nicht. Essen kann ich nicht, nur abends. Tagsüber muss ich schon beim Gedanken an Nahrung würgen.

Und so sitze ich oder stehe rauchend am Balkon oder laufe durchs Haus. Wartend. Darauf, dass der schwarze Hund explodiert und sich verpisst und den Knoten in Hals und Brust mitnimmt und das Zittern verschwindet. Wartend auf das Gefühl von diesem verdammten Scheißdreck befreit zu sein und mein Leben wieder normal fühlen zu können.

Und ich frage mich: Bin ich jetzt vom Leben abgeschnitten, oder wird jetzt ein neuer Lebensabschnitt eingeläutet?
Wenn so eine Krise verschwindet, geht man erfahrungsgemäß gestärkt daraus hervor. Bis das aber der Fall sein wird, drehst du erst mal durch.
Die ganzen „Hättes“ bringen ja nichts. Hätte ich mich nicht stressen lassen, hätte ich mehr auf mich geachtet, hätte ich mich nicht angreifbar machen lassen. Blabla.
Als ich gemerkt habe, dass mein Leben nur noch aus Arbeiten und dann schlafen besteht, war es schon zu spät. Um das Kind aus dem Brunnen zu holen, bedarf es großem Aufwand.

Ich schreibe mich in Rage und rege mich immer mehr auf.
Sauer, wütend, zornig sein bringt aber auch nichts. Alle negativen Gefühle machen einen doch nur hilflos.

Und ich will nicht mehr hilflos sein.

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Ein Gedanke zu „Lebensabschnitt oder vom Leben abgeschnitten

  1. Mueller7de sagte am :

    Ich widerspreche: Wütend ist gut. Du erinnerst Dich, auch wenn Du Dir jetzt nicht helfen kannst. Du erinnerst Dich und ich danke dem nicht existierenden Gott dafür. 🙂
    Wenn mein nächster Rückfall kommt, dann hoffe ich, dass ich genauso wütend sein werde wie Du! Dass ich mich empöre gegen diese Krankheit. Wenn ich sie doch habe, so ist sie doch nicht mein ich!
    Weinen ist gut, speziell, wenn man ihm einen Rahmen gibt: Eine Ritual, mithilfe dessen das Adrenalin aus dem Körper tritt und Taschentücher in wilde Falten legt, nicht mich. Das verringert den inneren Druck und hilft zu gesunden.
    Ich denke an Dich! 18250!

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