nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Irrer Sonntag.

Aufwachen ist, als hätte mich jemand mit dem Vorschlaghammer in die Realität geholt.
Die Hühner vom Nachbarn sind so laut, als schrien sie durch ein Megaphon. Kirchenglocken dröhnen. Sonntag, 7 Uhr.
Sofort fühlst du, wie unruhig du bist, und die verdammte Hilf- und Hoffnungslosigkeit ist wieder da.

Gestern war doch ein guter Tag!

Heute macht mich jedes Geräusch wahnsinnig. Jedes an mich gerichtete Wort überfordert mich. Ich muss alle Kräfte aufbringen, zu überspielen, wie weinerlich ich bin.
Ich muss heute raus. Ich muss noch diverse Dinge zusammen suchen, weil morgen ein wichtiger Termin ansteht. Ich habe Dinge zu erledigen, die mich überfordern. Und ich muss kommende Woche in die Klinik. Jemandem ins Gesicht sagen, was los ist und warum. Und fremde Menschen in meine Welt lassen.

Das Kind hat furchtbare Angst, seit es erfahren hat, dass ich in die Klinik gehe. Selbst das Herunterspielen, dass ich nur früh genug reagieren will, hat nicht gefruchtet. Es gab Tränen und Wutausbrüche und Schuldzuweisungen gegen die, denen sie jede Schuld an meinen Depressionen gibt. Ihre Reaktion war zu erwarten. Und genau deshalb ist eine stationäre Behandlung unmöglich und Tagesklinik muss reichen. Ich kann nicht von ihr weg. Ich will es auch nicht. Ich will sie schützen und alles dafür tun, dass es bei ihr nicht soweit kommt. Dass sie ein zu Hause hat, wie ich es nicht kannte, dass sie eine Mutter hat, die hinter ihr steht. Egal, wie tief depressiv ich war, und wie sehr sie sich um mich kümmern wollte, ich habe immer klarstellen wollen, dass ich die Mutter bin, und nicht sie.
Es ist schlimm für ein Kind, diese Rolle übernehmen zu müssen, ich spreche da aus Erfahrung. Das wollte und will ich ihr ersparen.
Seit ich vor ein paar Tagen meine Krankmeldung bekommen habe, und die Diagnosen gesehen habe, bin ich zeitweise noch verzweifelter. Doppeldepression.
F34.1, F33.9, F32.2.
Im Moment kann ich nicht schrittweise denken. Im Moment denke ich nur: welche Hoffnung soll ich da noch haben, dass ich je ein normales Leben führen kann?
Wie soll das mit meinem Job weitergehen? Was soll aus uns werden, wenn es nicht so weitergehen kann?
Wie soll ich das Theater, das ich am Hals habe, mit Anwälten usw. aushalten, wie wird das enden?
Wie soll ich die Tage ertragen, die Angst überwinden? Diese Dünnhäutigkeit ist ein einziger Horrorfilm! Den möchte ich meinen Lieben so gerne ersparen. Und mir auch.

Durchatmen.

Ich bin nicht allein. Ich bin nicht allein.
Ich habe Menschen, die mich lieben, und die ich liebe.
Ich habe Freunde.
Es wird irgendwie weitergehen. Ich kann im Moment nur keine Lösung finden. Aber es wird Hilfe geben, und ich werde Schritt für Schritt wieder stärker werden. Ganz bestimmt.

Mein Mantra für heute.

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