nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Letzter Tag vor Klinik

Der Tag ist halb um. Und für meine Verhältnisse habe ich schon viel geschafft. Ich habe erfolgreich das Haus verlassen, weil niemand da ist, der mich anfeinden kann. Oma besucht, Probleme gelöst, Telefonat geführt.
Hinter meinen Augen hat es böse gerappelt, und stellenweise drohte der Tränenfluss überzulaufen, ich hatte mich dann aber wieder im Griff.

Leider muss ich heute nochmal aus dem Haus. Dass ich mich so anstelle, geht mir abartig auf die Nerven. Meine Angst frisst mich von innen auf. Ich kämpfe dagegen an und gehe ja raus, aber bis dieser Schritt getan ist, bin ich Tausend Tode gestorben.
Jetzt nur nicht wieder reinsteigern.
Morgen geht es los. Raus hier. Mit Fachleuten sprechen. Mit anderen, die genauso sind wie ich, den Tag verbringen. Dieses mal wird es anders sein, weil ich niemanden kenne, mit dem ich, wie letztes mal (vor 5 Jahren) schon wochenlang in stationärer Behandlung war, ehe es in der Tagesklinik weiterging. Oder den ich schon vom Sehen kannte, weil man sich beim Rauchen getroffen hatte oder im Café auf dem Klinikgelände.
Alle werden fremd sein. Darüber habe ich bisher am wenigsten nachgedacht, weil ich nur eins im Kopf hatte: Hilfe naht.
Auch über meinen Job habe ich mir in den letzten Tagen nicht den Kopf zerbrochen. Aber jetzt. Wie soll es weitergehen?
Ich habe keine Ahnung. Wenn ich Lösungen hätte, wäre ich nicht an diesem Punkt angelangt.
Es gilt, viele Probleme zu lösen, für die ich im Moment keine Kraft habe.
Ich muss erst wieder stärker werden.
Ich weiß, dass es einen Ausweg geben muss.
Und das weiß ich, weil es nicht das erste mal ist, dass es mir so geht, und weil ich so ziemlich alles gelesen habe, was mir zum Thema Depressionen in die Finger kam.
Warum konnte ich mich dann nicht schützen, warum kam es wieder so weit?
Ganz einfach: es kam schleichend. Du vergisst dich immer ein bisschen mehr. Vernachlässigst dich ein bisschen mehr, zweigst von deiner Zeit für dich Zeit für andere ab, die Hilfe brauchen. Oder für die Arbeit. Kümmerst dich mehr um andere Belange als um deine.
Gibst Hobbies auf, weil du keine Zeit mehr hast. Beginnst wieder, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.
Dass es wieder losgehen könnte, habe ich daran gemerkt, dass ich beim Blick in den Spiegel nur noch abwertende Gedanken hatte. Nur noch dunkle Kleidung trug. Keine Lust mehr auf irgendwelche Aktivitäten hatte. Keine Freude mehr empfinden konnte. Mir alles zu viel wurde, und ich permanent erschöpft war. Jedes Geräusch mich fahrig werden ließ. Ich wurde unruhig. Konnte das Grübeln nicht mehr lassen. Hatte nur noch schwarze Gedanken. Fühlte mich nicht mehr dazugehörig. Nirgends. Immense Zukunftsängste quälen mich. Ständig habe ich Schmerzen. Kopf, Rücken, sonst wo. Ich wurde immer stiller. Wollte nicht mehr reden.
Den Rest gaben mir Anfeindungen, mit denen ich nicht fertig werden konnte. Ich kann nichts mehr aushalten. Alles macht mich fertig.

Das kam alles nicht über Nacht.
Aber als ich es bemerkt habe, was es zu spät, und ich steckte schon wieder in der Abwärtsspirale.
Wenn Ihr solche Anzeichen bei euch bemerkt, sucht euch rechtzeitig Hilfe.
Lasst es nicht so weit kommen.
Aber selbst wenn es euch schon genauso geht: werdet aktiv oder bittet jemanden, euch zu helfen. Niemand sollte das Leiden ertragen müssen in dem Glauben, ihm sei nicht zu helfen!

Alles Gute für euch ❤

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2 Gedanken zu „Letzter Tag vor Klinik

  1. Mueller7de sagte am :

    Es wird schön sein und gut tun.
    🙂

  2. Alles Gute für Dich! Bis bald ♡

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