nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Nächste Woche fange ich wieder an zu leben. Ganz bestimmt.

Ich habe verschlafen. Nachdem ich gestern Abend eine Beruhigungstablette genommen habe, weil die Panikattacke kein Ende nehmen wollte, wurde ich nach 9 Stunden immer noch nicht von alleine wach und wurde zum Glück aus bescheuerten Träumen geweckt.
Seither habe ich die Küche geputzt. Und warte – wie jeden Tag- darauf, dass sich etwas tut.
Als wüsste ich nicht, dass es nicht von alleine verschwindet, hoffe ich ununterbrochen, dass der Knoten in mir drin sich in Luft auflöst, und alles wieder gut ist.
Ich versuche, mir die Gespräche mit den Ärzten in Erinnerung zu rufen, was nicht funktioniert. Ich habe längst wieder vergessen, was mir die Ärztin gestern alles gesagt hat. Ich sitze vor ihr und verstehe nichts. Außer „gehen Sie raus, sperren Sie sich nicht ein, zeigen Sie, dass sie stark sind und keine Angst haben, machen Sie etwas aus sich“. Was für mich alles gleich klingt: Bla bla bla. Jedes Wort setzt mich noch mehr unter Druck. Den ich mir selbst schon zur Genüge mache, und wenn ich, wie jeden Tag, versage, geht es mir noch schlechter.
Ich kann die Ärztin nicht einschätzen. Ihre Mimik verrät nichts über sie. Ich kann aber auch keinen anderen Menschen mehr einschätzen, ich verstehe nur Bahnhof, selbst, wenn man fragt, wie es mir geht. Ich kann ohnehin nur eine Antwort geben: „Geht so.“ Ich habe nicht das Gefühl, dass es jemanden interessiert, dass es mir unterirdisch scheiße geht, dass ich das Gefühl habe, überhaupt nicht mehr zu meinem Leben zu gehören, dass ich nicht mal mehr weiß, was mein Leben überhaupt ist. Was mich ausmacht. Außer zu jammern.
Ich bin unfähig, an mir zu arbeiten, ich kann nicht mal mehr Bücher lesen zum Thema Depression oder Trauma, weil ich nichts davon behalten kann. Schon beim nächsten Satz ist der vorige wieder vergessen.
Vorhin habe ich nach Zitaten zum Thema Depressionen gesucht. Es ist erschreckend, dass jeder Hans Wurst sich dazu äußert und seine bescheuerten Aussagen in einer Zitatendatenbank zu finden sind, obwohl seine hingekotzten Worte zeigen, dass er keinerlei Ahnung hat. Depressionen sind keine Krankheit, steht da u.a.. Also haben wir Depressiven vermutlich nur einfach keinen Bock auf einen geregelten Alltag, in dem normale Menschen aufgehen und Leistung zeigen.

Den gestrigen Tag habe ich nach dem Klinikbesuch verbracht, indem ich unruhig durchs Haus gelaufen bin. Wohnzimmer, Küche, Bad, Terrasse, Couch, Küche, usw. Bis es mir irgendwann gereicht hat, und ich eine Tablette genommen habe, weil ich das Herzrasen und die Unruhe nicht mehr ertragen konnte.
Das Problem bei diesem Beruhigungskram ist allerdings, dass die Probleme ja immer noch da sind, wenn die Arznei nicht mehr wirkt.
Oft verbiete ich mir, über meine Probleme, die mich dahin gebracht haben, wo ich jetzt bin, nachzudenken. Weil es zu schmerzhaft ist. Weil es mich überfordert. Weil ich das Gefühl habe, dass ich Tag für Tag weiter abrutsche. Weil ich nicht ertragen kann, was aus mir geworden ist, wo ich doch alles überstanden habe und immer so stark war.
Ich weiß nicht mal, ob die Ängste, die ich habe, berechtigt sind, oder ob das zum Wahnsinn der Depression gehört, und meine Weltsicht dadurch verschleiert ist: Verliere ich meine Arbeit, verliere ich alles, was ich aufgebaut habe, verliere ich meine Liebsten?
Heute schwänze ich die Therapien. Ich kann einfach nicht raus. Ich kann nicht zuhören, nicht reden, es nicht ertragen, gesehen zu werden. Das schlechte Gewissen, weil ich nicht rausgehe, ist fast so schlimm, wie die Angst. Morgen habe ich regulär frei.
Ab Montag will ich regelmäßiger aus dem Haus gehen. Mich in die Welt und zurück ins Leben trauen. Ganz bestimmt. Hier drin werde ich noch verrückter. Deshalb will ich versuchen, die Angst, vor die Tür zu gehen, zu überwinden. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Darüber will ich jetzt nicht nachdenken. Ich bin viel zu müde.

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5 Gedanken zu „Nächste Woche fange ich wieder an zu leben. Ganz bestimmt.

  1. Ich glaube mit das schlimmste sind die Selbstvorwürfe. Und ich denke es lohnt sich diese zu enttarnen… ich übe zumindest und finde es ist besser geworden und ich möchte dorthin gelangen mich zu zu akzeptieren wie ich bin. Manchmal sag ich mir: Du darfst das! Weil ich so oft ein schlechtes Gewissen habe, z.B. wenn ich mal länger im Bett bleibe. Am Ende sind das auch nur Glaubenssätze und das was uns oft als „funktionieren müssen“ eingepflanzt wurde. Alles GUTE

    • nonanic sagte am :

      Danke dir ❤
      Ich wünsche dir auch alles Gute 🙂

      • Dir auch. Interessieren Dich Buchtips? 🙂 ❤

      • nonanic sagte am :

        Immer!!!! 🙂

      • Was Depressionen angeht mag ich die Ursula Nuber sehr gern! Außerdem buddhistische Ansätze. Pema Chödröm hat einiges geschrieben,z.B. siehe mein heutiger Beitrag (den ich jetzt gleich reinsetz auf reingelesen).
        Vielleicht kennst Du es ja auch schon alles? Ich mag auch die Reihe vom Pal Verlag: http://www.palverlag.de/Depressionen-Ursachen.html
        Oder Dann Millmann mit seiner Numemrologie hat mir Hinweise gegeben zu meinem „Lebensplan“.
        Ich denke ja grundsätzlich haben Depressionen schon damit zu tun wie wir leben bzw nicht leben können (gibt aber natürlich auch organische/körperliche Ursachen). Ich mache dieses Jahr wieder beim Living Master Club mit, dort schauen wir aufjedenfall auch worauf wir uns Gutes konzentrieren können. Also ich krieg dort auch immer wieder Hoffnung, aber es geht momentan immer mal auf und ab. Lesen tut mir aber gut. Der Veit Lindau hat da auch ein supersüßes Buch geschrieben: Heirate Dich Selbst! Ich bin schon verlobt, mit Ring. Vielleicht is ja was dabei. Herzensgruß

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