nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Gedanken wie Bremsklötze

Guten Morgen, Welt.
Nach einer Nacht mit beknackten Träumen, sitze ich seit dem Aufwachen wieder mal nur herum und mache mir Gedanken. Ich frage mich, wo die Starke geblieben ist, wie ich je alles schaffen konnte, was ich geschafft habe, wie ich je zur Arbeit gehen und alles ertragen konnte, wie ich im Leben unterwegs war. Und sei es nur einkaufen gehen.
Gedanken sind die Bremsklötze, die mich niederdrücken, zurückhalten, schwach machen. Ich hasse das.
War es in der Klinik noch unbändige Wut, die mich durch den Tag begleitet hat, ist es jetzt diese Niedergeschlagenheit, die mir auf die Nerven geht und mich bremst. Ich kann nicht mal sagen, was ich gerne wie ändern würde, damit es mir besser geht, weil schwarze Gedanken mich dermaßen blockieren, dass nicht mal der winzigste Fetzen Mut oder Zuversicht durch diese dunkle Wand dringen könnte.
So kann das doch nicht weitergehen! Ich weiß, was ich ändern müsste. Ich sollte raus gehen, unter Menschen, mein Leben wieder in die Hand nehmen. Allein die Gedanken daran, wie anstrengend die Umsetzung ist, erschöpft mich schon wieder.
Wenn früher Lehrbücher dabei geholfen haben, mich zu informieren, mir Antrieb zu geben, etwas zu ändern, wieder ich zu werden, macht mich heute jedes Wort einfach nur fertig.
Wer bin ich überhaupt? Ich kenne mich nicht mehr. Ich weiß nicht mal mehr, wer ich war.
Ich weiß wohl, dass meine  Wut berechtigt ist. Das ändert aber nichts, wenn ich nichts ändere.
Die Ärztin sagte mir, ich sende wohl Signale aus, die anderen zeigen, ich bin bereit, mich fertigmachen und ausnutzen zu lassen.
Bisher habe ich das als Hilfbereitschaft und Gutmütigkeit verstanden. Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.

Gestern kam mir die Frage in den Sinn, was mich ausmacht. Wofür stehe ich? Was kann ich? Mir fiel nichts ein. Kein einziger Punkt.
Wie soll ich weiterkommen, wenn ich nicht mal weiß, wo ich ansetzen soll? Ich kann nichts besonders gut. Ich habe keine verborgenen Talente. Ich bin nichts besonderes. Also muss ich bei meinem Job bleiben. Den ich verlieren könnte, wenn ich mich nicht beeile, gesund und arbeitsfähig zu werden. Dann würde nicht nur ich verlieren, sondern auch meine Familie. Aber schon beim Gedanken daran, bald wieder täglich ins Büro zu müssen, dreht sich mir der Magen um und Panik steigt auf.
Menschen ertragen, reden müssen, Leistung zeigen, wie soll ich das schaffen?
Aber auch zu Hause fühle ich mich nicht geschützt. Der einzige Punkt, der mir hier gut tut, ist die Tatsache, dass ich mit niemandem sprechen muss. Ich gehe nicht mal mehr ans Telefon. Die einzigen Menschen, die ich um mich haben will, sind Mann und Kind.

Alles, wofür ich geschuftet habe, löst sich in Luft auf.
Nichts hat mehr Bedeutung.

Ich möchte nicht als alter Zausel enden, der sich selbst wegsperrt. Aber im Moment sehe ich keinen Weg nach draußen. Kein Wort dringt zu mir durch. Nichts, was die Ärztin sagt, erreicht mich. Ihre Fragen beantworte ich stotternd und zusammenhangslos. Ich fühle mich nicht verstanden. Wie auch, wenn ich mich selbst nicht verstehe?
Worte prallen an mir ab. Im Höchstfall verärgern sie mich. „Machen Sie doch einfach, blabla…. Sie müssen blablabla…. Gesprächszeit zu Ende.“
Ich fühle mich wie eine Laus, die man zwischen zwei Fingern zerquetschen kann.

 

Das kann so nicht weitergehen. Ich will so ein Leben nicht. Ich will, dass es wieder anders wird. Ich will am Ende nicht vereinsamt zu mir selber sagen „hätte ich doch nur…“.
Ich muss irgendwie diese Mauer einreißen können. Ich weiß nicht, wie ich das machen soll. Aber ich werde daran arbeiten, es herauszufinden. Auf ein nicht lebenswertes Leben habe ich keinen Bock mehr. Deshalb wird es Zeit, etwas zu ändern. Und wenn es nur kleine Schritte sind.

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2 Gedanken zu „Gedanken wie Bremsklötze

  1. Immer nur wieder Kraft wünsche ich Dir. Immer wieder…

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