nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Dienstag? Mittwoch? 2014? 2015?

Ich weiß gar nicht genau, welchen Wochentag wir haben, wenn ich nicht im Kalender nachsehe.
Seit ich meine Tage zu Hause verbringe, ist mir das egal. Ist ja eh jeder Tag gleich scheiße.
Heute ist er besonders scheiße, weil ich große Sorgen habe.
Ich wollte mich deshalb beschäftigen und anfangen zu putzen. Dann hat mein Kind gefragt, ob ich mit in die Stadt komme, ein Geschenk besorgen.
Ich habe mich etwas besser gekleidet als in letzter Zeit, meine Haare ordentlich frisiert, sogar Lippenstift benutzt.
Die Ärztin hat mir ja nahegelegt, für mein Selbstbewusstsein mehr zu tun und mich mehr um mich zu kümmern.
Nun gut.
Bin ich deshalb anders durch die Stadt gelaufen? Mag sein. Vielleicht nicht so geduckt wie sonst mit Jeans und Turnschuhen und Rucksack.
Sondern mit Mantel, Pumps, offenen Haaren und eben Lippenstift und Handtasche.
Haben mich die Leute deshalb mehr wahrgenommen? Woher soll ich das wissen, ich habe sie nicht gefragt.
Und es ist mir auch egal. Ich weiß, wenn ich mich herrichte, sehe ich nicht schlecht aus. Aber meistens habe ich dazu keine Lust.
Ich kenne die Aussagen, dass man sich dann selbst ernster nimmt und um sich kümmert und sich selbst gefällt, und wie wichtig das ist. Es ist mir trotzdem egal.
Ich mag Leute nicht deshalb, weil sie gut aussehen, sondern wenn ich gute Gespräche mit ihnen führen kann. Wenn sie was im Kopf haben.
Natürlich kann man gut aussehen und trotzdem was im Kopf haben. Ich habe trotzdem keine Lust auf Schminke und darauf, jeden Tag eine Stunde lang meine Mähne zu stylen. Wobei ich die Zeit vielleicht investieren müsste, jetzt, wo ich die 40 schon einige Zeit überschritten habe und nicht mehr mithalten kann, mit Twens, die sich im Bikini fotografieren und das online stellen, um den Männern zu gefallen.
Aber ich hatte schon vor 20 Jahren keine Lust auf sowas. Da stimmt wohl auch was nicht mit mir.

Dennoch dachte ich, ich müsste vielleicht mal was nettes zum Anziehen kaufen.
In der Umkleide kommt einem ja fast das Kotzen bei dieser Beleuchtung und den Spiegeln, da muss es selbst Claudia Schiffer Elend werden und Kate Moss sieht nach Übergewicht aus.
Ein Kleid anprobiert, nach den Regeln, die für diverse Figutypen so gelten. Weiter Ausschnitt, schmale Taille, geht bis zum Knie. Figurbetont.
Und dann kommt der Gedanke: WAS MACHE ICH HIER ÜBERHAUPT?
Kleid aus. Raus hier. Tränen zurückhalten. Ich will nach Hause.
Ich gehöre hier nicht her. Was, glaube ich, hier finden zu können? Wenn mein beschissenes Leben davon abhängt, ob ich ein Kleid trage, das Vorzüge betont und Nachteile kaschiert, bin ich dann gesund? Wohl nicht.
Ich bekomme kaum noch Luft, schwitze, möchte in Tränen ausbrechen und nach Hause.
Aber da es immer heißt, ich bin zu unruhig und gehe damit meinem Mitmenschen auf die Nerven, warte ich geduldig, bis das Kind fertig ist, alles gefunden hat und wir in normalem Tempo zum Auto laufen können. Statt zu rennen.

Es nützt nichts. Ich finde weiter keine Antworten. Nicht darin, besser auszusehen oder bessere Kleidung zu tragen. Das ist Bullshit, Doc. Es ist ja nicht so, dass ich in Jogginghose das Haus verlasse oder sonst wie ungepflegt bin.

Ein Stadtbummel überfordert mich. Was die Geschäfte anbieten, erschlägt mich, ich blicke nicht mehr durch in der Masse von Angeboten in Klamotten-, Schuh- oder Dekoläden. Überall dröhnt irre Musik, alles gibt es in zig Farben und suggeriert, wenn wir kaufen, werden wir glücklich.
Wenn das so ist, bin ich eine Ausnahme. Mich macht es nicht glücklich.
Ich mag die Menschen nicht, wie sie mit steifen Gesichtern durch die Stadt rennen und nichts wahrnehmen außer Sonderangebote oder Markenware.
Was würde jemand aus dieser Menschenmenge antworten, wenn man ihn oder sie fragt: „Haben Sie Lust, sich mit mir zu unterhalten? Das würde mich freuen, weil ich nach Antworten suche, und vielleicht haben Sie die richtige Antwort für mich parat. Vielleicht möchten Sie sich meine Sorgen anhören oder mir Ihre erzählen, damit ich sehe, so schlimm sind meine gar nicht.“

Natürlich frage ich sowas nicht.

Natürlich gehe ich dann doch lieber in den Buchladen und suche dort weiter. Und da habe ich ein Buch gefunden. Dalai Lama hat es geschrieben und es heißt „Der Sinn des Lebens“. Vielleicht steht ja da was passendes drin.

„Gewaltlosigkeit und Mitgefühl sind die Schlüssel zu einem sinnvollen Leben auf der Erde, zusammen mit allen Lebewesen.“, steht da. Aber so handhabe ich mein Leben doch schon immer. Weit bin ich damit bisher nicht gekommen.
Schließlich schleppe ich immer noch den schwarzen Hund mit mir herum.

Vielleicht stelle ich ja die falschen Fragen. Aber was sind dann die richtigen?

Warum fällt es den einen so schwer, das Leben zu meistern, einfach weiterzumachen, Rückschläge wegzustecken, und warum werden andere nicht genauso krank und verzweifelt, sondern sind viel lebensfroher und mutiger und zuversichtlicher?
Was ist das, tief in einem drin, das sich dagegen wehrt, dass es dir gut geht?
Warum wollen Leute wie ich lieber tiefsinnige als oberflächliche Gespräche führen, obwohl es das Leben viel schwerer macht und man anderen damit auf den Sack geht?
Warum kann ich nicht einfach saudumm sein und warum kann ich nicht einfach meine Haare blondieren, meine Nägel machen lassen und Tittenbilder von mir ins Netz stellen und mich über anzügliche Kommentare geiler Böcke freuen?
Nein, ich muss ja nach dem Sinn des Lebens suchen und denken, dass ich nicht genug bin und noch nicht genug weiß. Und ich hoffe, so gemocht zu werden, wie ich bin, ohne mich groß anstrengen oder verbiegen zu müssen.
Das ist alles so unerträglich anstrengend. Immer diese Scheißkämpferei. Die Tage zu übersstehen, nichts falsch zu machen, deine Mitmenschen nicht zu überanstrengen.

Das macht mich so verdammt müde.

 

 

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4 Gedanken zu „Dienstag? Mittwoch? 2014? 2015?

  1. Ich gehöre auch zu denen, denen es schnell zu laut, zu bunt, zu warm, zu kalt, zu oberflächlich und nichtssagend ist…. auch ohne Inselbegabung…… auch mit Depressionen.
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du einen Weg findest, deine Hochsensibilität ____
    (oh mann, alles, was ich gerade im Kopf zu formulieren versuche, klingt doof und oberflächlich….. ich verfolge deinen Blog schon länger und ich wünsche dir einfach von ganzem Herzen, dass du deinen Frieden (na, zumindest so einigermaßen) mit der Hochsensibilität machen kannst…. (Oh je, es wird nicht besser, klingt doof und von oben herab (?) schließlich kennen wir uns nicht wirklich und gute Ratschläge von fremden Menschen aus dem WWW sind auch nicht gerade das, was man braucht..)
    Jedenfalls von ganzem Herzen alles Gute!

  2. Hallo Du,

    ist es wirklich DIE Kleidung, also die übliche, gesellschaftlich vorderer Front von gewohnter gemachter Schöhnheit? Oder geht es icht viel eher um das GEFÜHL in sich selbst beim tragen verschiedenster Sachen?
    Wenn ich Dinge trage in denen ich mich wohlfühle und gerne aufrichte, mich in einer angenehmen Spannung befinde dann gibt das eine Andere Ausstrahlung her. Für ich sind das auch eher nicht die Schuhe mit Absatz oder unbedingt das figurbetonte Kleid. Das können auch Gummistiefel sein oder eine Clownsnase.
    Denn das beschriebene sind doch nur die wohlbekannten Masken von Menschen die das übliche tun und dem üblichen Schönheitsideal entsprechen. Ne da hab ich auch keine Lust drauf und finde es oft regelrecht abstoßend oder sogar eklig.

    Ich bin auch höchsten 2 mal im Jahr in der Stadt, weil ich das nicht so gut ertrage. irgendwo habe ich gelesen das die Menschen die so konsumieren die wirklich unglücklichen sind. Und das erscheint mir ungemein plausibel, weil der Konsum so schön ablenken kann und soviel Zeit und Nerven ausfüllt und kurze Glücksgefühle auslöst. Ich mga ja lieber Nachhaltigeres.

    Vielleicht findest Du etwas ganz persönliches für Dich, vielleicht ganz experimentell worin DU Dich gut fühlst, so Königlich, oder wie eine Fee oder ein Engel, was auch immer Du toll findest.

    Alles Liebe

  3. Hey,

    ich bins nochmal. Bitte schaue dir die Thematik der Hochsensibilität wie bereits angesprochen nochmal an. Manche psychosomatische Beschwerden rühren von einer unerkannten Hochsensibilität – es ist keine Krankheit, sondern eine Charaktereigenschaft.

    Deine tiefgründigen Texte bewegen mich sehr – und ich weiß ganz genau, wovon du sprichst.

    Lies dir einfach mal die Seiten durch, vielleicht kannst du was damit anfangen.

    Liebe Grüße,
    Julia

    http://www.hochsensibel.org/startseite/infotext.html

    https://hochsensibel1753.wordpress.com/herzlich-willkommen/

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