nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Eine neue Arbeit ist wie ein neues Leben, nanananananaaaaa

Ich habe nun also 2 Wochen meiner Wiedereingliederung hinter mir. Anderer Job, andere Stadt, andere Kollegen.
Und was soll ich sagen? Die Kollegen gehen respektvoll miteinander um. Akzeptieren sich gegenseitig. Und mich auch. Neues Gefühl, das ich nicht mehr kannte. Es ist viel Arbeit, keine Frage, und alles ist neu für mich. Zwar scheine ich schnell zu lernen, ich habe mir ein schlaues Buch angelegt, in das ich mir alles, was ich wissen muss, aufschreibe, und das ich immer bei mir habe. Aber die Kollegen sind auch extrem hilfsbereit.
Ich fühle mich selbst ganz anders. Als wäre ich wichtig und gut, so wie ich bin.
Die Kollegen achten und respektieren mich, und in meinem alten Fachgebiet oder in technischen Angelegenheiten kann ich ihnen helfen. Sie sind von meiner Schnelligkeit beeindruckt. Klar strenge ich mich an und will auch einen guten Eindruck machen, gerade, weil das im alten Job alles so anders war, wo man nur runtergebuttert wurde und nichts gezählt hat.

Heute war ich im alten Büro. In der alten Stadt. Schon auf dem Weg dahin hat sich mir der Magen umgedreht. Meine persönlichen Dinge waren schon achtlos und durcheinander in eine Kiste geschmissen worden. Mein Arbeitsbereich wurde jetzt auf drei Leute aufgeteilt. Der Name an meiner Tür ist schon weg.
Zwei Kollegen haben sich wirklich gefreut, mich zu sehen, zumindest dem einen nehme ich ab, dass er mich vermisst, wie er sagt.
Aber ich bin nicht doof, nur depressiv. Ich habe gemerkt, wie die anderen sich schämen. Vermutlich haben einige gegen mich geschossen, damit meine Versetzung auch wirklich durchgeht und ich nicht mehr zurückkommen kann.
El Chefe hat sich nicht mal blicken lassen, sondern sich in seinem Kabuff versteckt. Die anderen konnten mir nicht mal richtig in die Augen sehen.
Ich war auf meine Reaktion gespannt. Ob ich Wehmut verspüre. Aber da war NICHTS. Außer totale Abwehr, an diesen Ort kommen zu müssen. Aber immerhin war es das letzte mal.
Mein Auto ist vollgeladen, einige Dinge sind verschwunden. Wie arm, dass man mir private Dinge klaut. Aber gut. Ich schließe ab.

Was erwähnenswert ist: Ich habe seit dem ersten Arbeitstag keine einzige Panikattacke mehr gehabt. Ich habe keinerlei depressive Gedanken.
Zwar kann ich nach wie vor nicht gut schlafen, ohne Tabletten fast gar nicht, aber ich will mal nicht gleich zu viel auf einmal verlangen.
Mein Umfeld bestätigt, dass ich einen besseren Eindruck mache und lockerer bin, meine Ärztin hat vor einigen Tagen gesagt, dass sie mich kaum wieder erkennt.
Wenn ich vorher nur in schwarz und ziemlich nachlässig gekleidet zur Arbeit ging, Jeans, schwarzes Shirt, Chucks, Haare noch nass, ungeschminkt und schlecht gelaunt, richte ich mich jetzt anders her. Ich probiere mich durch den Kleiderschrank (es passt leider nicht mehr alles, weil ich weiter zugenommen habe), habe sogar schon ein Kleid getragen, und auch noch eins, das figurbetont ist(!), trage Pumps, Blusen, BUNTE Klamotten. Und ich WILL sogar nach was aussehen! Ich mache was aus mir, schminke mich etwas und achte auf mich.
Ich fühle mich nicht mehr unsichtbar, ich werde beachtet und beachte mich selbst.

Ich hätte nie, niemals damit gerechnet, dass die Arbeit einen so riesengroßen Teil meiner Depression ausgemacht hat. Klar wusste ich, dass es mir schlecht geht, wenn ich arbeiten muss, dass ich mit Bauchschmerzen dahingehe, usw. aber mittlerweile dachte ich, das sei normal.

Ich freue mich, wenn ich morgens zur Arbeit fahre, mir ist nicht mehr schlecht, ich grüße freundlich, ich kann reden, ohne, dass mir das auf die Nerven geht.

Ich fühle mich normal. Also wirklich, wann habe ich das zuletzt behaupten können?

Ich weiß nicht, ob es das war, oder ob es nochmal einen Schuss vor den Bug geben wird.
Kommende Woche steht noch einen Termin an, bei dem ich einen Grund für die Depression begegnen werde. Dann unterschreibe ich einen Vertrag, in dem ich auf mein Erbe verzichte und kaufe mich somit von einer Ursprungsfamilie frei, die mir das Leben zur Hölle gemacht hat.
Man rät mir ab, das zu tun, aber es ist meine fest Überzeugung, dass das der letzte Schritt ist, um die ganze Scheiße der letzten 40 Jahre hinter mir zu lassen.
Dann kann ich mich auf den Rest konzentrieren und darauf hoffen, dass dieses beschissene Jahr, das eins der schlimmsten meines Lebens war, schnell vorbeigeht.

Im Moment geht es mir also gut. Ich bin zwar immer noch sehr müde und jetzt bei 4 Stunden Arbeitszeit, aber ich habe die Hoffnung, dass sich das gibt. Die Wiedereingliederung dauert noch vier Wochen. Dann bin ich wieder Vollzeit unterwegs. Ein bisschen fürchte ich mich davor, es nicht zu schaffen, andererseits kann ich es kaum noch erwarten, endlich wieder komplett zu den Gesunden zu zählen und mein Gehalt wieder zu bekommen.

Ich hoffe, dass ich nicht nur jetzt zu Beginn euphorisch bin, sondern dass dieses gute Arbeitsklima auch so bleibt und mir weiter gut tut.

Ich hatte Angst vor diesem Schritt, ich wollte meinen Job nicht aufgeben, weil ich dachte, ich kann nichts anderes, ich habe ihn ja immerhin mehr als 12 Jahre gemacht. Ich habe lieber ausgehalten, als etwas Neues zu wagen.
Aber ich bin heilfroh, dass ich nicht mehr gekämpft, sondern nachgegeben habe, und mir somit selbst die Chance gegeben habe, einen Neuanfang zu machen.
Dafür, dass man mich vergrault hat und mich nicht mehr haben wollte, bin ich wirklich dankbar. Einen größeren Gefallen hätte man mir gar nicht tun können, als mich loswerden zu wollen, weil ich nicht hart genug war.

Ich gehe nach wie vor offen mit der Depression um. In einem Betrieb wird ohnehin gequatscht, und ich will nicht mit Lügen anfangen. Aber entweder höre ich dann, dass andere auch Erfahrung damit haben, oder dass sie jemanden kennen, der auch an Depressionen leidet. Ansonsten ist das überhaupt kein großes Thema. Aber es wird auch nicht totgeschwiegen oder beschämt auf den Boden geblickt. Ich werde nicht auf meine Depressionen reduziert, viel mehr gilt, dass ich die letzten Jahre bekannt war für Zuverlässigkeit und schnelle Hilfe, denn am Rande und aus der Ferne hatte ich mit diesen neuen Kollegen auch die letzten Jahre schon zu tun, und wenn man Unterstützung brauchte, hat man mich angerufen und bei mir nachgefragt.
Es ist einfach nur toll, als vollwertiger Mensch zu gelten, auch vor sich selbst.

Ich kann jedem nur raten, den Schritt zu gehen, wenn er mit seiner Arbeit nicht mehr klarkommt. Anstatt zu leiden, auszuhalten, bis man daran zerbricht, lieber etwas unternehmen, und sich nicht kaputtmachen zu lassen.
Ich habe keine Angst mehr vor diesem neuen Aufgabengebiet und dem neuen Umfeld. Ich kann lernen, man lernt ja nie aus. Dass mein Leben jetzt wieder viel heller ist, als es noch vor Wochen war und vor allem, dass es heller ist, als es die letzten Jahre war, ist es wert, nicht an Gewohnheiten festgehalten zu haben.

Ich will jetzt gar nicht weiter darüber nachdenken, dass ich natürlich auch wieder schlechte Tage haben werde.
Die letzten 2 Wochen waren gut. So lange am Stück ging es mir dieses Jahr noch überhaupt nicht gut.
Ich bin im Moment einfach nur unendlich froh.
Und ich will auch nicht mehr unbedingt aufwachen und tot sein 😉

Schönes Wochenende, ihr Lieben ❤

 

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3 Gedanken zu „Eine neue Arbeit ist wie ein neues Leben, nanananananaaaaa

  1. Ach, meine Liebe, ich freue mich überaus, das zu lesen!
    Hab Vertrauen in die Zukunft, es klingt sehr, sehr verheißungsvoll.

    Ich bin überzeugt, dass der Beruf und wie einem dort entgegengetreten wird, besonders für sehr sensible Menschen, viel ausmacht. Auch mir geht es so, dass ich mich an meinem Arbeitsplatz nicht sehr wohl fühle und eigentlich würde ich am liebsten woanders arbeiten…. naja.
    Deine Frau Jakob

  2. Das klingt gut. Die Energie, die plötzlich wieder aus de Zeilen spricht. Ich wünsche Dir einen langen Atem und alles Gute

  3. nonanic sagte am :

    Ich danke euch ❤

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