nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Archiv für den Monat “Mai, 2015”

Na, wenn man sonst nichts zu tun hat….

oder das, was man zu tun hat, vor sich herschiebt, hat man Zeit für allerlei Kram.

Samstags zum Beispiel, wenn eigentlich Arbeiten anstehen wie Putzen oder Unkraut jähten oder den gewünschten Artikel fertig stellen, kann man statt dessen wunderbar durchs Netz surfen und auf Artikel stoßen, die einen zum Nachdenken bringen. Heute habe ich einen Beitrag gefunden, der über zwei Aussteiger aus unserem Ort erzählt. Sie haben ihr Haus ver- und sich ein Segelboot gekauft und steigen aus. Einfach so. Ordentlich vorbereitet, nehmen sie Abschied und hauen ab.
In meinem Alter, den gewohnten Spießeralltag hinter sich lassen und reisen.
Und was mache ich?

Wahlweise abhängen, rumhängen oder durchhängen.

Nicht der Artikel oder die Geschichte der beiden hat mal wieder dazu geführt, dass die Sinnfrage auftaucht, sondern der Alltag in der letzten Zeit.
Ist es die nächste anstehende Depriphase? Oder grundsätzlich eine Krise, weil der 43. Geburtstag ansteht und die Frage, wann man wohl ins Gras beißen wird und was man bis dahin noch für Ziele haben soll?
Ich habe nicht nur keine Chance mehr, sondern auch nicht mehr wirklich Lust, beruflich weiterzukommen bzw. mich in eine andere Richtung zu orientieren. Meine Kraftreserven habe ich in jungen Jahren komplett verschossen, die Tanks sind leer, und ich will mehr oder weniger auf diesem Gebiet einfach nur noch meine Ruhe haben, mein Geld verdienen, damit ich ein Auskommen habe und in der Freizeit einfach leben, ohne büffeln zu müssen für Prüfungen, wie ich das 9 jahre lang getan habe.
Dass ich die Ehre habe, einen Mitarbeiter in gehobener Position zu vertreten, wenn der nicht da ist, tangiert mich mittlerweile peripher. Also zumindest heute.

Aber was mache ich denn sinnvolles mit meiner Freizeit? Meistens bin ich von der Arbeit so erschlagen, dass an Action gar nicht mehr zu denken ist. Ich bewundere ja diejenigen, die dann als Fallschirmspringer oder Freeclimber unterwegs sind oder wenigstens einen Halbmarathon laufen. Ich kann nur noch alle Viere von mir strecken. Und lesen. Halte ich ja für besonders wertvoll. Kann man viel lernen und ausruhen und abschalten und auf andere Gedanken kommen. Nur nicht vor die Tür gehen müssen.

Oh ja, es läuft alles toll.
Vor 2 Wochen hatte ich wieder ein Gespräch mit der Ärztin. Sie ist ja so stolz auf mich, und bald können wir die Medikation reduzieren. Zum Schlafen brauche ich derzeit ja nichts, weil ich halbtot auf der Couch liege, wenn der Feierabend erreicht ist und ich lange vor Mitternacht im Koma liege.
Und so ist halt das Leben, nachmal gibt es Rückschläge, kein Grund für Depressionen, wenn das Auto den Geist aufgibt und gleichzeitig die Waschmaschine, kann man ja alles irgendwie hinkriegen, zur Not mit Ratenzahlung.
Dann lesen wir eben mal wieder ein Yogabuch oder eins über Resilienz und bilden uns ein, das wird schon wieder.

Wir haben doch alles. Netz und doppelten Boden und soziale Absicherung und gut geratene Kinder.

Manchmal ist mir danach, mit einer Axt durch die Welt zu rennen und Mitmenschen, die mir auf den Sack gehen, den Schädel zu spalten, manchmal bin ich der Pausenclown, und dann könnte ich in Tränen ausbrechen.
Ist das jetzt die nächchste Depriphase, oder drohen die Wechseljahre früher zu kommen, als das normal der Fall ist?
Ich werde demnächst 43 und stürze vielleicht deshalb in eine Sinnkrise, weil, wer weiß, ob ich nochmal so viele Jahre vor mir habe, oder ob ich bald den Löffel abgebe und nichts hinterlasse, worüber es sich lohnen würde, ein Wort zu verlieren. Aber das hatte ich ja schon weiter oben.

Vielleicht geht mir auch einfach nur das Wetter auf die Nerven.
Es gibt ja viele Ausreden oder dumme Antworten auf Fragen, die einen so beschäftigen.

Man muss nur lange genug in einem Abgrund blicken, bis der Abrund auch in einen selber blickt.
Oh nein, jetzt auch noch Nietzsche.

Ich muss weg.
Tschö.

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