nonalicious

Buchstabensuppe, Wortfetzen, Gedankengänge.

Na, wenn man sonst nichts zu tun hat….

oder das, was man zu tun hat, vor sich herschiebt, hat man Zeit für allerlei Kram.

Samstags zum Beispiel, wenn eigentlich Arbeiten anstehen wie Putzen oder Unkraut jähten oder den gewünschten Artikel fertig stellen, kann man statt dessen wunderbar durchs Netz surfen und auf Artikel stoßen, die einen zum Nachdenken bringen. Heute habe ich einen Beitrag gefunden, der über zwei Aussteiger aus unserem Ort erzählt. Sie haben ihr Haus ver- und sich ein Segelboot gekauft und steigen aus. Einfach so. Ordentlich vorbereitet, nehmen sie Abschied und hauen ab.
In meinem Alter, den gewohnten Spießeralltag hinter sich lassen und reisen.
Und was mache ich?

Wahlweise abhängen, rumhängen oder durchhängen.

Nicht der Artikel oder die Geschichte der beiden hat mal wieder dazu geführt, dass die Sinnfrage auftaucht, sondern der Alltag in der letzten Zeit.
Ist es die nächste anstehende Depriphase? Oder grundsätzlich eine Krise, weil der 43. Geburtstag ansteht und die Frage, wann man wohl ins Gras beißen wird und was man bis dahin noch für Ziele haben soll?
Ich habe nicht nur keine Chance mehr, sondern auch nicht mehr wirklich Lust, beruflich weiterzukommen bzw. mich in eine andere Richtung zu orientieren. Meine Kraftreserven habe ich in jungen Jahren komplett verschossen, die Tanks sind leer, und ich will mehr oder weniger auf diesem Gebiet einfach nur noch meine Ruhe haben, mein Geld verdienen, damit ich ein Auskommen habe und in der Freizeit einfach leben, ohne büffeln zu müssen für Prüfungen, wie ich das 9 jahre lang getan habe.
Dass ich die Ehre habe, einen Mitarbeiter in gehobener Position zu vertreten, wenn der nicht da ist, tangiert mich mittlerweile peripher. Also zumindest heute.

Aber was mache ich denn sinnvolles mit meiner Freizeit? Meistens bin ich von der Arbeit so erschlagen, dass an Action gar nicht mehr zu denken ist. Ich bewundere ja diejenigen, die dann als Fallschirmspringer oder Freeclimber unterwegs sind oder wenigstens einen Halbmarathon laufen. Ich kann nur noch alle Viere von mir strecken. Und lesen. Halte ich ja für besonders wertvoll. Kann man viel lernen und ausruhen und abschalten und auf andere Gedanken kommen. Nur nicht vor die Tür gehen müssen.

Oh ja, es läuft alles toll.
Vor 2 Wochen hatte ich wieder ein Gespräch mit der Ärztin. Sie ist ja so stolz auf mich, und bald können wir die Medikation reduzieren. Zum Schlafen brauche ich derzeit ja nichts, weil ich halbtot auf der Couch liege, wenn der Feierabend erreicht ist und ich lange vor Mitternacht im Koma liege.
Und so ist halt das Leben, nachmal gibt es Rückschläge, kein Grund für Depressionen, wenn das Auto den Geist aufgibt und gleichzeitig die Waschmaschine, kann man ja alles irgendwie hinkriegen, zur Not mit Ratenzahlung.
Dann lesen wir eben mal wieder ein Yogabuch oder eins über Resilienz und bilden uns ein, das wird schon wieder.

Wir haben doch alles. Netz und doppelten Boden und soziale Absicherung und gut geratene Kinder.

Manchmal ist mir danach, mit einer Axt durch die Welt zu rennen und Mitmenschen, die mir auf den Sack gehen, den Schädel zu spalten, manchmal bin ich der Pausenclown, und dann könnte ich in Tränen ausbrechen.
Ist das jetzt die nächchste Depriphase, oder drohen die Wechseljahre früher zu kommen, als das normal der Fall ist?
Ich werde demnächst 43 und stürze vielleicht deshalb in eine Sinnkrise, weil, wer weiß, ob ich nochmal so viele Jahre vor mir habe, oder ob ich bald den Löffel abgebe und nichts hinterlasse, worüber es sich lohnen würde, ein Wort zu verlieren. Aber das hatte ich ja schon weiter oben.

Vielleicht geht mir auch einfach nur das Wetter auf die Nerven.
Es gibt ja viele Ausreden oder dumme Antworten auf Fragen, die einen so beschäftigen.

Man muss nur lange genug in einem Abgrund blicken, bis der Abrund auch in einen selber blickt.
Oh nein, jetzt auch noch Nietzsche.

Ich muss weg.
Tschö.

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5 Gedanken zu „Na, wenn man sonst nichts zu tun hat….

  1. Werde nächstes Jahr 50 und stelle mir oft ähnliche Fragen.
    Da nichts von mir bleiben wird, muss ich versuchen, mich auf das JETZT zu konzentrieren. Schwer genug für einen Depri-Patienten…

    • nonanic sagte am :

      Ja, Achtsamkeit und so. Ich weiß.
      Ich wollte auch nicht rumstänkern oder so. Das ist doch scheiße. Ich hab einfach schlechte Laune.
      Also was machen? Erst mal rausgehen. Aus dem Internetz an die Luft.
      Paarmal tief seufzen. Vielleicht hilt’s.
      Dir alles Liebe ❤

  2. Tina Cornils sagte am :

    Liebe Nonanic,
    das geht mir nicht nur manchmal so, das geht mir sogar fast immer so. Abends bin ich zu kaputt für alles und oftmals erschöpft mich bereits die Nahrungsaufnahme bzw. die Zubereitung dieser. Früher lenkte mich das lesen auch wunderbar ab, heute bin ich schon beim dauerhaften Seriengenuss (auch wenn es bei mir einem filmischen Interesse entspringt und die Serien oft gut gemacht sind), so weiß ich doch, dass mein Hirn selbst die Auseinandersetzugn der fiktiven Problematik eines Romans scheut. Und oft hat man dann das Gefühl die Welt dreht sich ohne einen und man bildet nichts ab.
    Man igelt sich ein. Hält durch, hält Alltag aus, vegetiert. Ohne den Partner, oder die Familie, die einen lieb hat und einen stützt, sähe man manchmal gar keinen Grund dem allen noch die Stirn zu bieten und durchzuhalten.

    Wir hinterlassen nichts. Zumindest nichts Wertvolles, Großes oder wirklich Sinnerfülltes. Wir werden nie berühmt, erhalten keinen Nobelpreis, sind keine Stars oder Sternchen, erfinden kein Serum, keinen Impfstoff noch nicht mal den einen großen Gesellschaftsroman, wir sind früh verbrauchter Durchschnitt und müde.

    Auch ich werde im Juni 43. Die Depressionen begleiten mich seit ich denken kann. Zyklisch und unbarmherzig. Auch meine Kraftreserven wurden durch einen anstrengenden Job gleich nach dem Abi innerhalb von 21 Jahren aufgesaugt und auch ich hege weder die Hoffnung auf mehr Verdienst noch auf mehr Anerkennung oder Karriere. Im Gegenteil ich möchte immer weniger und immer weniger Anspruch an mich.

    In Ruhe gelassen werden, das will ich meistens. Und auch Massenveranstaltungen und Großkonzerte meide ich. Mich überfordern laute Menschemassen, da ich nahezu alles gleichzeitig ungefiltert zu verarbeiten suche. Meine sämtlichen Sinneswahrnehmungen sind stark überausgeprägt und ich kann mich schlecht abschotten. Höre, sehe, rieche, alles gleichzeitig und über unglaubliche Distanzen. Dazu bin ich sehr klein und werde nicht gerne gedrückt oder geschoben. Meine Komfortzone und mein persönlicher Raum brauchen einen Radius, einen der selten von anderen Menschen eingehalten wird. So gerät jedes Volksfest, jedes Konzert und jedes Fest zu einer stressigen Reizüberflutung, die in meinem Fall fast schon authistische Züge annimmt und nicht selten u.a. Migräneattacken auslöst.

    Beruhigend zu lesen, dass es dir und wahrscheinlich auch vielen anderen ähnlich geht.

    Die Aussteiger beneide ich, so wie du, dennoch. Ich kann sogar segeln, auch mir stünde das Meer offen, zumindest theoretisch. Denn auch wenn ich arm wie eine Kirchenmaus bin und das größte Vermögen, das ich in meinem Leben je besaß 3.000 € und ein bezahltes Auto waren, so denke ich oft, nicht das Geld oder die Kraft sind das Problem. Es ist die Angst. Die Angst Sicherheiten aufzugeben in denen man sich eingerichtet hat und die einen gewissen Schutz gegen den nächsten Unbill des Lebens (sei es eine Depression, ein Jobverlust oder eine schwere Krankheit) sind. Alle drei Dinge habe ich in meinem Leben schon durchgemacht. Man wird müde und manchmal will man einfach nur mit einem Buch auf dem Schoß schlafen, nicht ein oder zwei Stunden, nein den ganzen verkackten Tag.

    Nur das Gewissen, das schreit und zetert und nennt uns still „Schisser“ und „Versager“ – aber das sind wir nicht, wir sind nur grade ein bisschen erschöpft.

    Alles Liebe
    tc.

    • nonanic sagte am :

      Da haben wir nicht nur beide Depressionen sondern sind auch noch gleich alt. Der Jahrgang scheint es in sich zu haben 😉
      Immerhin haben wir einiges überlebt, nicht zuletzt stehen wir immer noch – trotz aller erdrückenden Gedanken und Symptome. Wenn wir wirklich Segler und Abenteurer sein wollten, würden wir das wohl auch schaffen.
      Aber ehrlichgesagt möchte ich auf den Luxus von fließendem Wasser und einer funktionierenden Toilette nur ungern verzichten 😉
      Wo du von Erschöpfung sprichst: ich wünsche uns beiden und allen, die das auch sind, dass wir uns erholen und neue Kraft finden.
      Auch dir alles, alles Liebe
      nic

    • nonanic sagte am :

      Hallo,
      sorry für die späte Antwort. Ich schicke dir eine Mail.
      N.

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